Krebsdiagnose über den Atem

Wissenschaftler haben einen neuen Test zur Früherkennung von Lungenkrebs entwickelt, der kleinste Veränderungen in der Atemluft misst.

Mann atmet aus © iStock
(Bad Nauheim – 28.04.2017) Lungenkrebs beginnt meist schleichend und Betroffene haben oft lange Zeit keine Beschwerden – deshalb bleibt der Krebs häufig länger unerkannt. In den USA werden Hochrisikogruppen – zum Beispiel starke Raucher – deshalb routinemäßig im Computertomografen untersucht. Dabei können Patienten jedoch fälschlich als krank eingestuft werden.

Forscher des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung haben nun einen Atemtest entwickelt, der deutlich präziser als die Computertomografie ist. Bei ihrer Untersuchung lag der Test mit der Diagnose Lungenkrebs in neun von zehn Fällen richtig. Damit hat die Methode eine so hohe Trefferquote, dass sie im Klinikalltag zur Früherkennung angewendet werden könnte.

RNA-Moleküle werden vom Lungengewebe in die Atemluft abgegeben

Die Forscher analysierten dazu RNA-Moleküle, die vom Lungengewebe in die Atemluft abgegeben werden und die sich zwischen gesunden Probanden und Lungenkrebspatienten unterscheiden. Denn im Gegensatz zur DNA ist die RNA nicht in jeder Zelle gleich. Aus einem DNA-Abschnitt können mehrere RNA-Varianten und damit auch unterschiedliche Proteine entstehen. In gesunden Zellen liegen solche Varianten in einem bestimmten Verhältnis vor. Die Wissenschaftler haben entdeckt, dass das GATA6- und das NKX2-Gen RNA-Varianten bilden, die sich hinsichtlich ihrer Menge zwischen entarteten und gesunden Zellen unterscheiden. Die Krebszellen gleichen dabei Lungenzellen im Embryonalstadium.

98 Prozent der Lungenkrebspatienten mit dem Test identifiziert

Die Wissenschaftler entwickelten eine Methode, mit der sie die RNA-Moleküle isolieren können. Denn diese kommen im Atem nicht nur in geringen Mengen, sondern häufig auch in kleine Teile zerstückelt vor. Anschließend untersuchten sie die Zusammensetzung der RNA bei Probanden mit und ohne Lungenkrebs und berechneten aus diesen Daten ein Modell zur Diagnose der Erkrankung. In einem Test an 138 Probanden mit bekanntem Gesundheitszustand konnte der Test 98 Prozent der Patienten mit Lungenkrebs identifizieren. Bei 90 Prozent der entdeckten Auffälligkeiten handelte es sich tatsächlich um Krebs.

„Die Atemluftanalyse könnte die Erkennung von Lungenkrebs in frühen Stadien einfacher und zuverlässiger machen, sie wird die herkömmlichen Verfahren aber nicht völlig ersetzen können“, sagt Guillermo Barreto, Arbeitsgruppenleiter am Max-Planck-Institut in Bad Nauheim. „Er kann jedoch ergänzend eingesetzt werden, um frühe Krebsstadien besser zu erkennen und die falsch-positive Diagnosen zu reduzieren.“ Der Test soll nun so weiterentwickelt werden, dass er tatsächlich für die Lungenkrebsdiagnostik eingesetzt werden kann.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 28.04.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften: Krebsdiagnose mit Atemluft
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