Darmkrebs: neuer Test

Ab 1. April zahlen die Krankenkassen einen neuen Test zur Früherkennung von Darmkrebs, bei dem Antikörper verstecktes Blut im Stuhl suchen.

Arzt spricht mit Patient über die Darmkrebsvorsorge © iStock
(Stuttgart – 31.03.2017) Ab dem 1. April erstatten die Krankenkassen einen neuen Test zur Früherkennung von Darmkrebs. Der bisherige Guajak-Test wird durch einen immunologischen Stuhltest ersetzt – den immunologischen fäkalen Okkultbluttest iFOBT. Dieser beruht auf einer Antikörperreaktion mit dem menschlichen Blutfarbstoff Hämoglobin und hat sich in Studien als noch zuverlässiger erwiesen. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) rät Menschen ab 50 Jahren, regelmäßig zur Darmkrebsvorsorge zu gehen – der iFOBT sollte dann einmal jährlich durchgeführt werden. Spätestens ab 55 Jahren wird alle zehn Jahre eine Darmspiegelung empfohlen.

Neuer Test erkennt Blut im Stuhl zuverlässiger

Dickdarmkrebs entwickelt sich in der Regel über viele Jahre hinweg aus harmlosen Vorstufen – den Darmpolypen oder Adenomen. Diese Wucherungen sind zwar meist zunächst gutartig, neigen aber eher zum Bluten als gesunde Darmschleimhaut. „Diese Tatsache machen sich die Stuhltests zunutze“, erklärt Prof. Dr. Thomas Seufferlein, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Ulm. Die Tests können winzige, für das Auge nicht sichtbare Blutmengen im Stuhl nachweisen. Während der Guajak-Test auf einer biochemischen Reaktion mit dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin beruht, weisen die neuen Tests das Hämoglobin mithilfe einer Antikörperreaktion nach. „Weil die Antikörper nur auf menschliches Hämoglobin reagieren, ist der iFOBT deutlich weniger störanfällig als der Guajak-Test“, sagt Seufferlein. Dieser reagiere zuweilen auch auf Blut aus der Nahrung, wenn der Patient etwa rotes Fleisch gegessen hat.  

Die immunologischen Stuhltests, die jetzt in das Screening-Programm aufgenommen werden, haben in umfangreichen Studien bewiesen, dass sie Blutspuren im Stuhl rund zwei- bis dreimal häufiger erkennen als der bisherige Guajak-Test. Im vergangenen Jahr hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) daher beschlossen, den neuen Test in die Krebsfrüherkennungs-Richtlinie aufzunehmen. Ab April sind die Tests für Versicherte ab 50 Jahren Kassenleistung.

Auswertung des Tests findet im Speziallabor statt

Beim Ablauf des Screenings ergeben sich einige Änderungen: Zwar gibt der Arzt weiterhin den Test an den Patienten aus und erklärt die Durchführung. Die Auswertung wird künftig jedoch nicht mehr in den Arztpraxen, sondern in Speziallabors stattfinden. Wie bisher wird der Patient nur bei einem positiven Befund kontaktiert.

Auch den neuen Test jährlich ab dem 50. Lebensjahr durchführen

An den Empfehlungen, wer am Screening teilnehmen sollte, wird der neue Test nichts ändern: „Frauen und Männern ab 50 Jahren sollten den Test einmal jährlich durchführen, die Kosten dafür übernimmt die Krankenkasse“, so Professor Schmiegel, Direktor der Medizinischen Universitätsklinik Knappschaftskrankenhaus Bochum. Fällt dieser positiv aus, so muss zur Absicherung des Ergebnisses eine Darmspiegelung erfolgen.  

Spätestens ab dem 55. Lebensjahr ist die Darmspiegelung im Rahmen der Krebsfrüherkennungs-Richtlinie ohnehin empfohlen. Bei einer Darmspiegelung können Veränderungen der Darmschleimhaut wesentlich präziser erkannt werden als mit dem Stuhltest. Die Koloskopie muss – anders als der Stuhltest – im Falle eines unauffälligen Ergebnisses nur alle zehn Jahre wiederholt werden. Sie ist nicht nur ein diagnostisches, sondern zugleich ein therapeutisches Verfahren: Auffällige Veränderungen – also Darmpolypen aus denen Krebs entstehen könnte – entfernt der Arzt in der Regel bereits im Rahmen der Untersuchung.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 31.03.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Darmkrebsvorsorge mit verbessertem Test: Antikörper suchen verstecktes Blut im Stuhl
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