Sport gegen Fatigue

Krebspatienten leiden oft unter einer sogenannten Fatigue, einem starken Erschöpfungszustand. Sport und Entspannungstechniken können vorbeugen.

Frau beim Sport © iStock
(Berlin – 11.11.2016) Sport, aber auch Yoga, Tai Chi, Qigong und Entspannungsübungen können Krebspatienten helfen, die Strapazen einer Strahlentherapie besser zu überstehen. Damit können Patienten einer sogenannten Fatigue vorbeugen. Unter dieser quälenden Müdigkeit und Erschöpfung leiden viele Krebskranke während und nach der Krebsbehandlung – auch nach einer Strahlentherapie. Die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) rät Betroffenen, bereits zu Beginn der Strahlentherapie körperlich und mental aktiv zu werden.

60 bis 80 Prozent der Patienten leiden unter Fatigue

Strahlentherapien verbessern bei vielen Krebserkrankungen die Überlebenschancen. Obwohl die Bestrahlung über die Jahre immer effektiver und schonender geworden ist, bekommen zahlreiche Patienten eine krebsassoziierte Fatigue. „Die Patienten leiden unter einer großen Erschöpfung, ihre Energiereserven sind rasch verbraucht und bereits geringe körperliche Aktivitäten ermatten sie“, erklärt Prof. Dr. Stephanie E. Combs, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radiologische Onkologie des Klinikums rechts der Isar in München. Auch Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten kennzeichnen die krebsassoziierte Fatigue, unter der 60 bis 80 Prozent der Patienten nach einer Strahlen- und/oder Chemotherapie leiden, so die Expertin. „Es kann so weit gehen, dass Patienten ihren Beruf nicht mehr ausüben und nicht mehr am sozialen Leben teilnehmen können.“

Beste Wirkung erzielt sportliche Aktivität

Noch ist nicht bekannt, was genau die Fatigue auslöst. Die Behandlung schätzen die Experten als schwierig ein – Medikamente haben sich als weitgehend wirkungslos erwiesen. „Bei manchen Patienten hilft die Einnahme von Ritalin“, sagt Combs. „Antidepressiva haben sich dagegen als ineffektiv erwiesen.“ Einige Betroffene berichteten über eine Besserung durch Ginseng oder Guaraná, andere durch verschiedene Komplementärmedizinische Verfahren wie Akupunktur.  

Die beste Wirkung erzielen jedoch sportliche Aktivitäten. „In den vergangenen Jahren haben mindestens 25 Studien gezeigt, dass Ausdauer- oder Kraftsport, aber auch Yoga, Tai Chi und Qigong den Krebspatienten helfen“, so die Expertin. Ebenso Walking, Radfahren und Tanzen. „Es kommt weniger darauf an, was die Patienten machen, sondern dass sie überhaupt aktiv werden.“  

Einige Patienten haben jedoch eine geringe Motivation, da sie in der Fatigue ein Signal des Körpers sehen, sich mehr schonen zu müssen. „Sie betrachten die Erkrankung als einen Wendepunkt und finden sich mit ihrer Erschöpfungssituation ab“, so Combs. Deshalb würden häufig auch psychologische Interventionen helfen. Auch Meditation und Achtsamkeitsübungen seien empfehlenswert. „Es ist hier wichtig, die Blockade im Kopf zu lösen und den Patienten zu zeigen, dass sich ein aktiver Lebensstil mit Bewegungen für sie lohnt“, erklärt die Expertin. Viele Patienten sind bereits offen für neue Impulse und nehmen die Empfehlungen gerne an.

Bessere Lebensqualität durch Sport

Die Radiotherapie ist nach Ansicht von DEGRO-Präsident Prof. Dr. Dr. Jürgen Debus ein guter Anlass, mit einem Sport- oder Bewegungsprogramm zu beginnen: „Die Behandlung zieht sich häufig über mehrere Wochen. Die Patienten sind während dieser Zeit krankgeschrieben.“ Er verweist auf die BEST-Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums, bei der 80 Brustkrebspatientinnen ab dem ersten Tag der Strahlentherapie an einem leichten Krafttraining teilnahmen. Über zwölf Wochen trainierten sie zweimal wöchentlich für 60 Minuten in einem Fitnessraum. Nach dem Ende des Trainingsprogramms hatte sich mit der Fatigue auch die Lebensqualität der Patientinnen gebessert. Sie beurteilten ihre Zukunft positiver als die Teilnehmerinnen einer Vergleichsgruppe, die an einem Programm zur Muskelentspannung teilgenommen hatten. „Weil die Radiotherapie heute so gut verträglich ist, ermutigen wir unsere Patienten zu körperlichem Training“, sagt der Ärztliche Direktor der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie (Czerny-Klinik) am Universitätsklinikum Heidelberg.  

Wichtig sei, dass die Patienten nicht an ihre Grenzen gingen, so Debus. Sie sollten nicht mehr als 60 bis 80 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit nutzen, denn eine zu starke Belastung könne die Fatigue verstärken. Der Experte rät, das Trainingsprogramm mit dem behandelnden Arzt abzusprechen, um das richtige Maß zu finden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 10.11.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Bei krebsassoziierter Fatigue empfehlen Radioonkologen unter anderem Sport und Entspannungstechniken
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