Übergewicht und Krebs

Forscher konnten zeigen, dass ein erhöhter Körperfettanteil das Risiko für viele Krebsarten steigert – unter anderem Magen- und Brustkrebs.

Übergewichtige Frau © Thinkstock
(Regensburg – 31.08.2016) Laut aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts sind fast zwei Drittel der Männer und über die Hälfte der Frauen in Deutschland übergewichtig – ein Viertel der erwachsenen Männer und Frauen sind sogar stark übergewichtig (adipös). Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck sind oft die Folgen. Aber Fettleibigkeit ist auch ein Risikofaktor für verschiedene Krebserkrankungen. Professor Dr. Dr. Michael Leitzmann, Direktor des Instituts für Epidemiologie und Präventivmedizin am Universitätsklinikum Regensburg (UKR), war Teil einer Arbeitsgruppe, die im April 2016 von der International Agency for Research on Cancer (IARC) einberufen wurde. Die Gruppe untersuchte, welche Rolle Übergewicht bei der Entwicklung von Krebserkrankungen spielt. Die ersten Ergebnisse wurden nun bekannt gegeben.

Normalgewicht als Krebsprävention

Bereits 2002 hatte sich eine Arbeitsgruppe des IARC des Themas angenommen. Mit dem Body-Mass-Index (BMI) als Faktor zur Festlegung des Körperfettanteils kamen sie zu dem Schluss, dass ein erhöhter BMI das Risiko für Dickdarmkrebs, Speiseröhrenkrebs, Nierenkrebs, Brustkrebs und Gebärmutterkörperkrebs steigert. Die neue Arbeitsgruppe überprüfte nun die Ergebnisse in einer Metastudie, wofür über 1.000 epidemiologische Studien und Publikationen verglichen und analysiert wurden – und konnte dies bestätigen. Zudem identifizierten die Wissenschaftler noch acht weitere Krebsarten, für die ein gesteigertes Risiko bei einem erhöhten Körperfettanteil besteht: Magenkrebs, Leberkrebs, Gallenblasenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Eierstockkrebs, Schilddrüsenkrebs, Tumoren der Hinhaut und B-Zell-Lymphome, eine spezielle Krebsform des Lymphsystems.  

„Aus unseren Ergebnissen lässt sich das Einhalten des Normalgewichts beziehungsweise eines normalen Körperfettanteils als eine wichtige Maßnahme zur Krebsprävention begreifen. Zwar konnten wir keinen Zusammenhang für alle Krebsarten feststellen, aber bereits für dreizehn gibt es nun gesicherte Belege“, so Prof. Leitzmann.

Keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Neben dem Kernpunkt der Studie, dass ein erhöhter Körperfettanteil mit der Entstehung mancher Krebsarten in Verbindung steht, entdeckten die Wissenschaftler anhand der zur Verfügung stehenden Daten noch weitere Zusammenhänge: So zeigten die Untersuchungen, dass es keine signifikanten geschlechtsspezifischen Unterschiede bezüglich des Krebsrisikos in Zusammenhang mit Übergewicht gibt.  

Eine weitere Fragestellung war, ob Erwachsene, die bereits als Kind oder Jugendliche einen hohen BMI aufwiesen, ein höheres Risiko haben, im Erwachsenenalter an Krebs zu erkranken. Diese Hypothese konnte anhand der zur Verfügung stehenden Daten für die dreizehn Krebsarten bestätigt werden, für die bereits eine Verbindung mit Übergewicht nachgewiesen werden konnte.

Brustkrebs: Abnehmen nach der Diagnose scheint sich zu lohnen

Darüber hinaus untersuchte die Arbeitsgruppe, ob es neben der Erstdiagnose auch einen Zusammenhang zwischen Körperfettanteil und erneuter Erkrankung (Rezidiv) gibt. So konnten die Forscher ein Versuchsmodell identifizieren, in dem durch einen Gewichtsverlust durch eine fettarme Diät die Rückfallrate bei Brustkrebs gesenkt werden konnte.  

Zudem wurde die Überlebensprognose nach einer Krebserkrankung in Zusammenhang mit einem erhöhten BMI untersucht. Die Arbeitsgruppe konnte eine große Anzahl an Hinweisen ausmachen, die auf einen Zusammenhang zwischen erhöhtem BMI zur Zeit der Krebsdiagnose und verringerter Überlebensrate von Patienten mit Brustkrebs hindeuten. Für andere Krebsarten ließen sich keine ausreichenden Hinweise hierauf feststellen.

Welcher Wirkmechanismus steckt dahinter?

Die Wissenschaftler gingen auch den Wirkmechanismen nach. Sie identifizierten hierfür, welche zellulären und molekularen Mechanismen, die sich bei der Entstehung einer Krebserkrankung verändern, ursächlich mit Übergewicht und Adipositas in Verbindung stehen könnten. Fettleibigkeit ist mit erheblichen hormonellen und stoffwechselbedingten Auffälligkeiten verbunden. Einige davon – wie der Stoffwechselprozess bei Geschlechtshormonen oder auch Entzündungserscheinungen – scheinen eine große Rolle im Zusammenspiel zwischen Fettleibigkeit und Krebs zu spielen. Eher geringen Einfluss hingegen haben Insulin und die Insulinproduktion.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 31.08.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Regensburg: Studie ermittelt Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs
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