Bestrahlung und Ernährung

Viele Patienten mit Speiseröhren- oder Magenkrebs leiden an Mangelernährung und Gewichtsverlust. Eine Strahlentherapie kann dies noch verstärken.

Hand auf Bauch © Thinkstock
(Mannheim – 25.07.2016) Bis zu 80 Prozent aller Patienten mit einer Krebserkrankung im Magen oder in der Speiseröhre sind bereits mangelernährt, bevor sie eine Behandlung beginnen. Eine Strahlentherapie kann zu Übelkeit und Erbrechen führen, die diesen Effekt noch verstärken. Dabei können Mangelernährung und Gewichtsabnahme sich negativ auf das Wohlbefinden und den Therapieerfolg auswirken.

Bei bestimmten Tumoren ist das „Mitbestrahlen“ unvermeidbar

Die meisten Krebspatienten vertragen die Strahlentherapie gut, erklärt Prof. Dr. Fredrik Wenz, der die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim leitet. „Nebenwirkungen sind erfreulicherweise rückläufig – dank neuer Bestrahlungstechniken, die den Tumor punktgenau treffen.“ Bei bestimmten Tumoren im Hals-, Nasen-, Ohrenbereich, der Speiseröhre, bei gynäkologischen Tumoren, Blasen- oder Prostatakrebs ist das „Mitbestrahlen“ des Verdauungstraktes aber fast nicht zu verhindern, da er an den Tumor angrenzt oder sogar direkt im Tumorbereich liegt. „Das größte Problem der Radiotherapie im oberen Teil unseres Verdauungsapparates ist, dass die meisten Patienten bereits vor Beginn jeglicher Behandlung durch die Tumorerkrankung selbst mangelernährt sind“, so Wenz.  

Wenn dann bei der Bestrahlung der besonders empfindliche Bereich zwischen Bauchnabel und Rippenbogen nicht ausgespart werden kann, sind Übelkeit und Erbrechen mögliche Nebenwirkungen. Nimmt der Patient in dieser Zeit zu wenige Nährstoffe auf, entwickelt er eine Mangelernährung oder verstärkt die bereits bestehende – das psychische und körperliche Wohlbefinden leiden. „Es ist aber nicht nur die Lebensqualität, die uns dann Sorgen macht“, erklärt der Experte. „Die Patienten sind mitunter infektionsanfälliger und Heilungsprozesse – insbesondere Reparaturmechanismen am Normalgewebe – können verlangsamt sein.“  

„Wichtig ist, ab der Erstdiagnose des Tumors regelmäßig eine ernährungsmedizinische Standarduntersuchung durchzuführen“, sagt Prof. Dr. Jürgen Debus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO). Ein spezieller Fragebogen – das sogenannte Nutritional Risk Screening (NRS 2002) – erfasst Anzeichen für eine Mangelernährung.

Für jeden Patienten ein individuelles Ernährungskonzept

Bei Tumoren im unteren Rumpfbereich wie bei gynäkologischen Tumoren oder Mastdarmkrebs sind Entzündungen des Darms möglich. Diese kann der Arzt mit antientzündlichen Medikamenten und Mikronährstoffen behandeln. „Der Patient sollte in dieser Zeit eher kein rohes Gemüse und wenig Ballaststoffe zu sich nehmen. Wir empfehlen eine leichte Vollkost, bei der auf Koffein, stark zucker- und fetthaltige Lebensmittel, scharfe Gewürze und schwer Verdauliches wie Hülsenfrüchte oder Pilze verzichtet wird“, so Debus. Wenn Patienten aufgrund ihrer Krebserkrankung und der Therapie keine Nahrung zu sich nehmen können, verhindert eine Ernährungssonde oder eine Infusion mit Nährstofflösung einen weiteren Gewichtsverlust.  

Für die Strahlenexperten heißt die Herausforderung: Trotz verbesserter und schonenderer Bestrahlungsmethoden muss für jeden Patienten ein individuelles Ernährungskonzept gefunden werden. „Das geht natürlich nur interdisziplinär zusammen mit Ernährungsmedizinern und Ernährungsberatern“, sagt Wenz.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 25.07.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Ernährung und Strahlentherapie: Mangelernährung und Gewichtsverlust gezielt abwenden
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