Überwachung reicht oft

Bei Prostatakrebs wird häufig schnell operiert. Dabei würde in vielen Fällen eine aktive Überwachung ausreichen – und Folgebeschwerden vermeiden.

Mann beim Arzt © Thinkstock
(Berlin – 25.11.2013) Die Diagnose Prostatakrebs ist für viele Männer ein Schock, der häufig zu blindem Aktionismus führt. „Möglichst schnell und radikal das Problem lösen, dabei auch Folgebeschwerden in Kauf nehmen, nur um schnell wieder als gesund zu gelten und sich nicht weiter mit der Thematik auseinandersetzen zu müssen: Das ist eine typische Reaktion auf die Diagnose“, berichtet Prof. Dr. Lothar Weißbach, wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung Männergesundheit.

Nur selten muss es schnell gehen

Dabei ist nur in wenigen Fällen Gefahr im Verzug: Die meisten Tumoren, die bei der urologischen Früherkennungsuntersuchung entdeckt werden, sind lokal begrenzt und wenig aggressiv, sie wachsen langsam oder oft auch gar nicht. Eine defensive Strategie wie die Aktive Überwachung („Active Surveillance“) ist dann eine mindestens ebenso gute Option wie die Operation oder Bestrahlung, zumal Impotenz und Inkontinenz häufige Folgen dieser Interventionen sind.

Bei der Aktiven Überwachung wird erst dann operiert, wenn es notwendig wird (falls überhaupt). Eine Analyse wissenschaftlicher Studien aus den Jahren 1980 bis 2011 zeigte, dass unter aktiver Überwachung einige Betroffene erst im weiteren Verlauf, die meisten aber gar nicht behandelt werden müssen. „Patienten sollten daher diese Behandlungsform nicht als passives, quälendes Abwarten empfinden, sondern als kluge Aktivstrategie, um möglichst lange mit guter Qualität leben zu können“, so Weißbach.

Zu wenig informiert

Die meisten Patienten nehmen sich aber weder ausreichend Zeit für eine überlegte Therapieentscheidung, noch nutzen sie das Angebot einer Zweitmeinung. Dabei werden die Kosten in der Regel von den privaten und gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen.

Ein weiteres Problem ist das Informationsdefizit: „Viele Patienten erfahren erst nach der Operation, dass die defensive Strategie der Aktiven Überwachung bei ihrem Tumor eine ebenso gute, wenn nicht gar bessere Alternative gewesen wäre“, erklärt Weißbach. Im Vergleich zu den Informationsangeboten über die anderen Therapiemöglichkeiten bei Prostatakrebs gebe es nur wenig Material zur Aktiven Überwachung.

Die Stiftung Männergesundheit hat nun einen Beitrag geleistet, um diese Lücke zu schließen. Sie hat ein Informationsportal zur Aktiven Überwachung („Active Surveillance“/AS)  erstellt: www.as-bei-prostatakrebs.de. Männer, bei denen Prostatakrebs diagnostiziert wurde, können sich hier umfassend darüber, aber auch über die anderen Therapiemöglichkeiten informieren.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 25.11.2013
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: Stiftung Männergesundheit
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