Pflanzliche Mittel bei Krebs

Manche Krebspatienten versprechen sich von pflanzlichen Präparaten zusätzliche Hilfe bei der Therapie. Doch die Mittel sind oft kontraproduktiv.

Frau nimmt Pille ein © Thinkstock
(Hamburg – 19.06.2013) Krebspatienten, die während einer Chemotherapie zusätzlich vermeintlich sanfte, alternative Präparate einnehmen, laufen Gefahr, den Erfolg ihrer Krebstherapie zu verringern. Davor warnt Dr. Wolfgang Wesiack, Präsident des Berufsverbands Deutscher Internisten (BDI) und praktizierender Internist in einer Hamburger Gemeinschaftspraxis für Innere Medizin. Er bezieht sich dabei auf die Ergebnisse einer aktuellen Studie mit 545 Krebspatienten im Alter zwischen 65 und 91 Jahren.

17 Prozent griffen zu Alternativpräparaten

17 Prozent der Studienteilnehmer griffen zu alternativmedizinischen, rezeptfreien Präparaten – und zwar häufiger in einem frühen als in einem späteren Krebsstadium, also zu einem Zeitpunkt, als ihr Gesundheitszustand noch relativ gut war. Besonders häufig kamen Glucosamin-Präparate (19 Prozent), Leinsamenöl (7 Prozent) und Coenzym Q10 (6 Prozent) zum Einsatz. Es wurden aber auch Präparate geschluckt, von denen bereits bekannt ist, dass sie sich negativ auf Stoffwechselvorgänge auswirken können – zum Beispiel Knoblauchpillen (3,5 Prozent) und Ginkgo-Zubereitungen (1 Prozent). Sie stellen daher ein hohes Risiko dar.

Pflanzliche Mittel können die Wirkung der Chemotherapie reduzieren

„Das Risiko für Arzneimittelwechselwirkungen ist gerade bei pflanzlichen Präparaten, von denen sich manche Krebspatienten irrtümlich zusätzliche Hilfe versprechen, leider recht hoch", betont Wesiack. „Bekannt ist beispielsweise auch der negative Einfluss von grünem Tee auf Patienten, die unter einer Chemotherapie stehen: Die Wirkung der Chemotherapie wird dadurch erheblich reduziert. Gerade bei älteren Patienten, die mehrere verschreibungspflichtige Medikamente zugleich einnehmen müssen, dürfte sich die Gefahr von unerwünschten Arzneimittelinteraktionen durch pflanzliche Alternativmittel vervielfachen“, so der Experte. „Leider ist den Betroffenen offenbar gar nicht bewusst, dass sie mit den vermeintlich sanften Mitteln auch die Effektivität ihrer Krebstherapie abschwächen können – und das fatalerweise besonders oft in einem frühen, also eigentlich noch gut therapierbaren Krebsstadium."
Autoren und Quellen Aktualisiert: 19.06.2013
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: www.internisten-im-netz.de
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