Ursache Genveränderung

Eine neue Studie zeigt: Die Ursache für Prostatakrebs bei jüngeren Männern sind Genveränderungen. Eine Chance für Diagnostik, Therapie und Prävention.

blaue Schleife © Thinkstock
(Hamburg – 14.02.2013) Prostatakrebs gilt typischerweise als Erkrankung älterer Männer. Dennoch sind etwa zwei Prozent der Betroffenen bei der Diagnose noch keine 50 Jahre alt. Diese Fälle könnten der Schlüssel zum Verständnis der Biologie dieser Erkrankung sein. Denn Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) konnten jetzt einen besonderen genetischen Mechanismus für die frühe Entstehung von Prostatakrebs aufdecken. Diese Erkenntnis könnte die Diagnostik und Therapie verbessern und erstmals eine Prävention ermöglichen.

„Treiber-Mutationen“ begünstigen Krebs

Früh auftretender Prostatakrebs ist durch eine relativ kleine Anzahl genetischer Veränderungen gekennzeichnet. Darunter sind wahrscheinlich einige sogenannte „Treiber-Mutationen“, die die Entstehung und das Wachstum von Prostatakrebs besonders stark begünstigen, wie die aktuellen Forschungen bestätigen.

„Es sind nur winzige Brüche im Erbgut, welche die Zellen anfällig für Krebs machen“, erläutert Prof. Dr. Thorsten Schlomm, leitender Arzt der Martini-Klinik, dem Prostatakrebszentrum am UKE. Diese Brüche entstehen an spezifischen Stellen der DNA, wenn das männliche Geschlechtshormon Testosteron auf die Zellen einwirkt. Sie führen dazu, dass bis dahin inaktive Krebsgene durch den hormonellen Einfluss aktiviert werden.

Erbgut aus Tumoren verglichen

Die Forscher analysierten das vollständige Erbgut von Tumoren besonders junger Patienten und verglichen es mit dem von Tumoren älterer Patienten. Dabei fanden sie markante Veränderungen bei den jüngeren Männern in hormonregulierten Genen. Diese Unterschiede konnten in einer Untersuchung an mehr als 10.000 operierten Patienten bestätigt werden. „Damit haben wir erstmals bewiesen, dass es bei einem häufigen Krebs altersabhängige Entstehungsmechanismen gibt“, erklärt Dr. Joachim Weischenfeldt, zusammen mit Prof. Schlomm Hauptautor der Studie.

Fortschritt für Diagnostik, Therapie und Prävention

Diese Feststellung könnte die Diagnostik und Therapie von Prostatakrebs verändern. „Wir hoffen, dass unsere Erkenntnisse die Entwicklung neuer Strategien zur Diagnose und individualisierten Therapie fördern“, sagt Prof. Schlomm. Beispielsweise könne im Blut von Risikopatienten nach diesen spezifischen Genveränderungen gefahndet werden. „Wir könnten dann die Diagnose von relevanten Tumoren in einem noch früheren Stadium als heute stellen und schneller handeln“, erklärt der Mediziner und fügt hinzu: „Des Weiteren gehen wir davon aus, dass durch das neue Verständnis der Entstehungsursachen von Prostatakrebs jetzt erstmals auch die Chance besteht, wirksame präventive Maßnahmen zu entwickeln, damit sich die Krankheit erst gar nicht entwickeln kann.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 14.02.2013
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: idw
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