Nützlichkeit nicht belegt

Frauen wird oft eine Untersuchung mit Ultraschall zur Früherkennung von Eierstockkrebs empfohlen. Ihr Nutzen ist jedoch nicht belegt.

Ultraschallbild © Thinkstock
(Erfurt – 01.10.2012) Nicht nur die Brust einer Frau wird beim Gynäkologen auf Veränderungen abgetastet, auch der Beckenraum wird untersucht: Einmal pro Jahr bezahlen Krankenkassen Frauen ab 20 Jahren die Untersuchung zur Früherkennung von Eierstockkrebs. Dabei werden eine Tastuntersuchung und ein Abstrich vorgenommen. Zusätzlich möglich ist eine Ultraschalluntersuchung durch die Scheide. Doch bislang konnte nicht nachgewiesen werden, dass diese Untersuchung einen Nutzen bringt.

Viele Frauen sind verunsichert

Tino Pfabe von der Erfurter Beratungsstelle der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland bekommt oft Anfragen von verunsicherten Frauen: Brauche ich diese Untersuchung? Denn es handelt sich um eine sogenannte IGeL-Leistung, die von den Patientinnen selbst bezahlt werden muss.  

„Es gibt bislang keinen sicheren Nachweis, dass der Ultraschall bei der Früherkennung von Eierstockkrebs nützlich ist“, erklärt Tino Pfabe und beruft sich auf eine große Analyse wissenschaftlicher Studien, die 2011 vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) herausgegeben wurde. Die Krux ist: Eierstockkrebs mache im Anfangsstadium keine Beschwerden. „Man hofft daher, mit dem Ultraschall frühzeitig Knoten oder Veränderungen zu erkennen, um den Krebs gut behandeln und heilen zu können.“ Diese gute und sinnvolle Absicht werde in der Realität aber laut Studien nicht bestätigt, sagt der Experte: „Der Ultraschall führt nicht zu einer Senkung der Sterblichkeit.“

Zum Teil unnötige Operationen

Die Ultraschalluntersuchung kann sogar mehr Schaden als Nutzen anrichten: „Werden Veränderungen im Ultraschall erkannt, weiß man nicht automatisch, ob es Krebs ist“, erläutert Pfabe. Der einzige Weg für eine sichere Diagnose ist die Entfernung der Eierstöcke und eine anschließende Gewebeuntersuchung. Pfabe dazu: „Nur bei einer von 20 operierten Frauen bestätigt sich der Krebsverdacht, 19 haben unnötig ihre Eierstöcke verloren.“

„Eierstockkrebs ist zudem eine seltene Krebsform und tritt nur bei 5 von 100 Frauen mit Krebs auf“, erklärt Pfabe. Frauen, die keine Beschwerden haben, rät der Experte, sich die kostenpflichtige Ultraschalluntersuchung gut zu überlegen. Wichtig ist zu wissen: „Sobald Patientinnen über Beschwerden im Beckenraum klagen, wird diese Untersuchung natürlich von der Kasse bezahlt.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 01.10.2012
  • Autor/in: vitanet.de-cw
  • Quellen: dapd
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung