Fehler bei Mammografie

Beim Mammografie-Screening ist bis zu einem Viertel der Diagnosen falsch-positiv. Mit verheerenden Folgen für betroffene Frauen.

Frau tastet Brust ab © Thinkstock
(Washington – 03.04.2012) Erneut bestätigt eine Studie, dass Ärzte beim Mammografie-Screening oft irrtümlich Brustkrebs diagnostizieren. In Norwegen sind bis zu einem Viertel der dadurch entdeckten Brustkrebsfälle falsch-positiv: Die Frauen erhielten die Diagnose Brustkrebs und wurden behandelt, obwohl es nicht nötig gewesen wäre. „Zehn Jahre nach Beginn des zweijährlichen Mammografie-Screening-Programms sind zwischen 1.169 und 1.948 Frauen überdiagnostiziert und unnötig therapiert worden“, berichtet das internationale Forscherteam im Fachmagazin „Annals of Internal Medicine“.

„Wenn 2.500 Frauen zum Screening eingeladen werden, dann wird bei 20 von ihnen korrekt Brustkrebs entdeckt, eine wird dadurch vor dem Tode bewahrt und sechs bis zehn Frauen werden überdiagnostiziert“, schreiben Mette Kalager von der Harvard School of Public Health in Boston und ihre Kollegen. Das habe die Studie an knapp 40.000 Brustkrebspatientinnen in Norwegen gezeigt.

Screening hat zwei Seiten

Aus der Auswertung geht hervor, dass in Landesteilen mit regelmäßigen Screenings weitaus mehr Frauen die Diagnose invasiver Brustkrebs erhielten als in Landesteilen ohne Screening-Programm. 18 bis 25 Prozent dieser Frauen seien überdiagnostiziert worden, meinen die Forscher. Andere Faktoren hätten diese Unterschiede nicht erklären können.

Trotz dieser Ergebnisse stellen die Wissenschaftler den Nutzen der Mammografie nicht infrage. Sie fordern aber eine bessere Aufklärung der Patientinnen über das Risiko solcher falsch-positiven Diagnosen. „Für die betroffenen Frauen, aber auch für das Gesundheitssystem bedeuten solche Überdiagnosen eine große Belastung“, meinen die Wissenschaftler.

Früherkennung ist trotzdem sinnvoll

Die regelmäßige Untersuchung der Brust durch Mammografie soll Brustkrebs schon in einem möglichst frühen Stadium finden und damit die Überlebenschance der betroffenen Frauen erhöhen. Dass dies der Fall ist, zeigten erst vor Kurzem Daten aus den Niederlanden. Dort sind die Todesfälle durch Brustkrebs nach 20 Jahren, in denen solche Reihenuntersuchungen stattfanden, deutlich zurückgegangen.

Doch die Kehrseite sind die sogenannten Überdiagnosen: Es gibt Brustkrebsformen, die ruhen oder so langsam wachsen, dass die betroffenen Frauen bis zu ihrem Lebensende nichts davon merken würden. Diese Fälle könne die Mammografie nicht verlässlich von den gefährlichen Tumoren unterscheiden, konstatieren Kalager und ihre Kollegen. Sie werden daher als Brustkrebs diagnostiziert und unnötigerweise behandelt. Der Anteil solcher Überdiagnosen war bisher strittig.

Gestaffelte Einführung der Mammografie

Für ihre Studie hatten die Forscher Daten des nationalen Mammografie-Programms in Norwegen ausgewertet. Dort wurde 1996 in einigen Landesteilen, seit 2005 dann landesweit allen Frauen über 50 Jahren eine kostenlose Mammografie-Untersuchung alle zwei Jahre angeboten.

Die gestaffelte Einführung nutzten die Wissenschaftler, um die Krebsdiagnosen in den jeweiligen Landesteilen vor und nach Beginn des Screenings zu vergleichen. Zusätzlich analysierten sie auch die Veränderungen zwischen Landesteilen mit Screening und ohne. Durch diesen doppelten Vergleich konnten die Forscher vermeiden, dass beispielsweise Fortschritte in der Therapie und in anderen Früherkennungsmethoden im Verlauf der Zeit die Ergebnisse verfälschten.
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