Neue Mittel gegen Gicht
Schmerzende Gelenke sind der tägliche Begleiter vieler Menschen. Experten erklären, wie der Gicht mit der richtigen Ernährung vorgebeugt werden kann und welche neuen Medikamente womöglich bald zur Verfügung stehen.
© Shutterstock(Hamburg – 23.07.2010) Rund zwei Prozent der Bundesbürger leiden an Gicht. Bei dieser Stoffwechselstörung kommt es zu einem erhöhten Harnsäurespiegel im Blut. Kristalle der Harnsäure lagern sich in den Gelenken ab und lösen dort Entzündungen aus. Mediziner haben inzwischen entschlüsselt, dass die körpereigene Immunabwehr bei der Erkrankung eine maßgebliche Rolle spielt. Anhand dieser Erkenntnisse konnte ein neuer Wirkstoff entwickelt werden, mit dem in ersten Studien vielversprechende Resultate erzielt wurden.
Vor allem beim Abbau bestimmter Lebensmittel, die sogenannte Purine enthalten, bildet sich vermehrt Harnsäure. „Der Verzehr mancher Fleisch- und Fischsorten treibt die Purinwerte massiv in die Höhe“, erläutert Professor Dr. Andreas Krause, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Immanuel Krankenhaus in Berlin. Dazu gehören etwa Forellen, Grillhähnchen, Leber, aber auch Fleischbrühe und Bäckerhefe. „Der Konsum von Alkohol kann das Problem zusätzlich verschärfen, weil er die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren senkt“, ergänzt der Rheumatologe. Beides zusammen könne den Harnsäuregehalt im Körper auf mehr als das 30-Fache des Normalwertes ansteigen lassen.
Rund ein Drittel der deutschen Männer und drei Prozent der Frauen haben erhöhte Harnsäurewerte, etwa jeder zehnte von ihnen erkrankt an Gicht. Bei Männern ist Gicht die häufigste Ursache einer sehr schmerzhaften, entzündlichen Arthritis in den Gelenken. Ärzte geben ihnen zunächst oft Ernährungstipps und verordnen Medikamente, die den Harnsäurewert senken. Nahrungsmittel wie Milch, Ei, Kartoffeln und Äpfel, aber auch Vollkornbrot und Käse weisen niedrige Purinwerte auf und wirken sich daher günstig aus. Dennoch kann eine Gicht bei manchen Patienten chronisch verlaufen und zu einer fortschreitenden Zerstörung der Gelenke führen.
In den vergangenen Jahren haben Forscher neue Erkenntnisse über die Krankheit gewonnen: Demnach stoßen Immunzellen, die in den Gelenken mit Harnsäurekristallen in Kontakt kommen, einen Entzündungsprozess an. Sie sorgen dafür, dass ein entzündungsfördernder Botenstoff freigesetzt wird. Die Folge: Das Gelenk rötet sich, schmerzt extrem, wird warm und schwillt an. Ein Krankheitsschub dauert etwa drei Tage. Die betroffenen Gelenke sind dabei typischerweise sehr berührungsempfindlich.
Wenn Schmerzmittel und Entzündungshemmer die Beschwerden nicht bessern, können heute zwei Wirkstoffe den entzündungsfördernden Botenstoff gezielt blockieren: Anakinra, entwickelt für die Behandlung der rheumatoiden Arthritis, erweist sich auch bei Gicht als erfolgreich. Ganz neu ist das sogenannte Canakinumab. „Beide Präparate sind zwar noch nicht zur Behandlung der Gicht zugelassen, aber die bisherigen Studienresultate sind sehr vielversprechend“, betont Professor Krause.
Neue Behandlungsmethoden gegen Gicht thematisieren Experten auf dem 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, der vom 15. bis 18. September 2010 im Congress Center Hamburg (CCH) stattfindet.
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Auf die Ernährung achten
Vor allem beim Abbau bestimmter Lebensmittel, die sogenannte Purine enthalten, bildet sich vermehrt Harnsäure. „Der Verzehr mancher Fleisch- und Fischsorten treibt die Purinwerte massiv in die Höhe“, erläutert Professor Dr. Andreas Krause, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Immanuel Krankenhaus in Berlin. Dazu gehören etwa Forellen, Grillhähnchen, Leber, aber auch Fleischbrühe und Bäckerhefe. „Der Konsum von Alkohol kann das Problem zusätzlich verschärfen, weil er die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren senkt“, ergänzt der Rheumatologe. Beides zusammen könne den Harnsäuregehalt im Körper auf mehr als das 30-Fache des Normalwertes ansteigen lassen.
Rund ein Drittel der deutschen Männer und drei Prozent der Frauen haben erhöhte Harnsäurewerte, etwa jeder zehnte von ihnen erkrankt an Gicht. Bei Männern ist Gicht die häufigste Ursache einer sehr schmerzhaften, entzündlichen Arthritis in den Gelenken. Ärzte geben ihnen zunächst oft Ernährungstipps und verordnen Medikamente, die den Harnsäurewert senken. Nahrungsmittel wie Milch, Ei, Kartoffeln und Äpfel, aber auch Vollkornbrot und Käse weisen niedrige Purinwerte auf und wirken sich daher günstig aus. Dennoch kann eine Gicht bei manchen Patienten chronisch verlaufen und zu einer fortschreitenden Zerstörung der Gelenke führen.
Neue Erkenntnisse – neue Medikamente
In den vergangenen Jahren haben Forscher neue Erkenntnisse über die Krankheit gewonnen: Demnach stoßen Immunzellen, die in den Gelenken mit Harnsäurekristallen in Kontakt kommen, einen Entzündungsprozess an. Sie sorgen dafür, dass ein entzündungsfördernder Botenstoff freigesetzt wird. Die Folge: Das Gelenk rötet sich, schmerzt extrem, wird warm und schwillt an. Ein Krankheitsschub dauert etwa drei Tage. Die betroffenen Gelenke sind dabei typischerweise sehr berührungsempfindlich.
Wenn Schmerzmittel und Entzündungshemmer die Beschwerden nicht bessern, können heute zwei Wirkstoffe den entzündungsfördernden Botenstoff gezielt blockieren: Anakinra, entwickelt für die Behandlung der rheumatoiden Arthritis, erweist sich auch bei Gicht als erfolgreich. Ganz neu ist das sogenannte Canakinumab. „Beide Präparate sind zwar noch nicht zur Behandlung der Gicht zugelassen, aber die bisherigen Studienresultate sind sehr vielversprechend“, betont Professor Krause.
Neue Behandlungsmethoden gegen Gicht thematisieren Experten auf dem 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, der vom 15. bis 18. September 2010 im Congress Center Hamburg (CCH) stattfindet.
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