Haltbarkeit von Hüft- und Knieprothesen

Endoprothesen halten viel länger als bisher gedacht. Doch die Ansprüche an die Implantate steigen. Worauf Sie vor einer Hüft- oder Knie-OP achten sollten.

Senioren Paar macht Nordic Walking © iStock
(Berlin – 01.04.2019) Künstliche Hüft- und Kniegelenke leisten sehr viel länger ihren Dienst als man bislang dachte: acht von zehn Knieprothesen und sechs von zehn Hüftprothesen haben heute eine Standzeit, also Haltbarkeit, von mindestens 25 Jahren. Doch aktivere und schwerere Patienten belasten Implantate mehr als früher.

Analyse: Wie lange Endoprothesen intakt sind

Zur Analyse der Standzeit von künstlichen Hüft- und Kniegelenken haben britische Forscher der Universität Bristol Daten aus Patientenregistern aus Australien, Finnland, Dänemark, Neuseeland, Norwegen und Schweden mit mindestens 15 Jahren Nachbeobachtung ausgewertet. Insgesamt lagen damit Daten von über 500 000 Patienten zugrunde. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Lancet veröffentlicht.

Bei den Hüftprothesen waren nach 15 Jahren 89 Prozent der Implantate, nach 20 Jahren 70 Prozent und nach 25 Jahren 58 Prozent der implantierten Prothesen intakt. Die Ergebnisse bei den künstlichen Kniegelenken waren noch besser: Nach 15 Jahren waren noch 93 Prozent implantiert, nach 20 Jahren noch 90 Prozent und nach 25 Jahren 82 Prozent. Die Lebensdauer von Knieteilendoprothesen betrug nach 15 Jahren noch 77 Prozent, nach 20 Jahren 72 Prozent und nach 25 Jahren noch 70 Prozent.

Deutsche Zahlen sind in die Studien nicht eingeflossen. „Bislang gibt es hierzulande kein Datenmaterial, das einen solch langen Zeitraum abdeckt", sagt Professor Dr. med. Karl-Dieter Heller, Vize-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik. Die Ergebnisse können zwar nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen werden und die Haltbarkeit allein ist nicht das einzige Kriterium für Patientenzufriedenheit, dennoch: „Die Endoprothetik ist eine der erfolgreichsten Operationen überhaupt. Sie gibt den Patienten Mobilität und Lebensqualität für viele Lebensjahre zurück."

Prothesen haben sich deutlich gebessert

Seit dem Beobachtungsbeginn vor 25 Jahren hat sich viel getan: „Aus heutiger Sicht sind die damals eingebauten Prothesen, insbesondere im Bereich der Knieendoprothetik, deutlich verbessert worden", so Heller. Eine weitere Verbesserung der Prothesenstandzeit ist hier kaum noch denkbar. Es zeigt aber auch, dass schon damals gute Standards gesetzt wurden. „Mittlerweile haben wir die Materialien an Hüfte und Knie weiterentwickelt – etwa ein deutlich abriebfesteres Polyethylen, bessere Keramiken und optimierte Prothesen wie die biomechanisch an den Oberschenkelknochen angepasste Kurzschaftprothese. Dies gilt auch für die OP-Techniken, beispielsweise zur idealen Ausrichtung der Implantate im Knochen.

Gestiegene Ansprüche: „Die heute 70-Jährigen sind die 50-Jährigen von früher“

Demgegenüber stehen gestiegene Ansprüche der Patienten an ein Leben mit Endoprothese. „Heute möchten viele wie vor der Arthrose Sport treiben – und tun dies auch", sagt Professor Heller. Das gilt nicht nur für jüngere Patienten: „Die heute 70-Jährigen sind die 50-Jährigen von früher". Tatsächlich erlauben etwa moderne Materialpaarungen bei den Kunstgelenken einen aktiveren Lebenswandel als früher. Der Grund: Sie erzeugen bei Belastung deutlich weniger Abriebpartikel – bisher eine der Hauptursachen für eine Lockerung des Implantats. Mit Belastung sei jedoch täglicher moderater Sport gemeint, etwa Nordic Walking oder Schwimmen. „Für größere Beanspruchungen fehlen Daten. So können wir langes Joggen, oder gar einen Marathon heute nicht empfehlen", sagt Professor Dr. Rudolf Ascherl, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik.

„Aufgrund der gestiegenen Ansprüche wird es schwer, die Haltbarkeit von Endoprothesen noch weiter zu verbessern", sagt Professor Heller. „Ich gehe jedoch davon aus, dass wir durch die umfassenden Weiterentwicklungen bei Material, Design und OP-Technik die Patientenzufriedenheit, etwa hinsichtlich einer bestmöglichen Funktion, noch weiter ausbauen können."

Sie bekommen eine Endoprothese? Das sollten Sie beachten

Menschen, die eine Endoprothese erhalten, sollten bei der Wahl der Klinik darauf achten, dass Operationsstandards eingehalten werden und ausreichend Expertise vorhanden ist. Das gilt beispielsweise für Kliniken mit einem EndoCert-Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 01.04.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. vom 12.03.2019: Hüft- und Knieprothesen halten länger als gedacht
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