Arthrose durch X- oder O-Beine

X- und O-Beine können zu frühzeitigem Verschleiß der Gelenkknorpel im Knie führen. Mögliche Folgen sind schmerzhafte Arthrosen, die ein künstliches Kniegelenk notwendig machen. Kniebeschwerden sollten Sie daher frühzeitig abklären.

Frau mit Knieschmerzen. © iStock
(Berlin – 11.05.2018) Der häufigste Grund warum Ärzte künstliche Kniegelenke implantieren, sind schmerzhafte und fortgeschrittene Gelenkarthrosen – also der krankhafte Verschleiß des Gelenkknorpels. Eine Gelenkarthrose entsteht, wenn das Kniegelenk – beispielsweise durch X- oder O-Beine – falsch belastet wird.  Denn durch diese Fehlbelastung nutzt sich der Knorpel im Kniegelenk ab.

Kniebeschwerden frühzeitig abklären lassen

Betroffene bemerken Fehlstellungen ihrer Beine oft nicht. „Wir raten deshalb dringend, schon leichtere Beschwerden, etwa einen Anlauf- und Belastungsschmerz beim Aufstehen oder Treppensteigen, abklären zu lassen“, sagt Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik (AE) und Chefarzt der Orthopädischen Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig. „Diese Beschwerden sind oft Frühwarnzeichen für eine Überlastung von Kniegelenken, Knorpeln und Menisken", so Heller. Wird die Fehlstellung der Beine rechtzeitig erkannt, kann der Gelenkknorpel noch gerettet werden. Besonders junge Erwachsene, die nach längerem Gehen oder Joggen an Knieschmerzen leiden, sollten deshalb mögliche Fehlstellungen ihrer Beine rechtzeitig von einem Orthopäden oder Unfallchirurgen abklären lassen.

Arthrose-Vorbeugung: eine gerade Beinstellung ist optimal

Optimal ist eine gerade Beinstellung – das heißt die Mitte von Hüft-, Knie- und Sprunggelenk liegt auf einer Achse. Mit Röntgenaufnahmen bestimmen Ärzte Abweichungen der Beinachsen. „Die meisten Menschen haben von Natur aus leichte X- oder O-Beine“, sagt Prof. Dr. med. Florian Gebhard, Präsident der AE und Ärztlicher Direktor der Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Ulm. „Verursachen die Fehlstellungen keine Beschwerden, bedürfen sie in der Regel auch keiner Behandlung.“

Woran erkannt man X- oder O-Beine?

Einen ersten Eindruck über Ihre Beinstellung bekommen Sie, wenn Sie Ihre Beine in kurzer Hose oder Leggings im Spiegel betrachten. Bei einer X-Bein-Stellung weichen Unterschenkel und Füße von der Ideallinie nach außen ab, die Knieinnenseiten berühren sich, nicht aber die Fußknöchel. Dadurch werden die Außenseiten des Kniegelenks zu stark belastet. Beim O-Bein haben die Fußknöchel Kontakt, die Knie stehen jedoch weit auseinander. Die Hauptlast liegt hier auf der Innenseite der Kniegelenke. Die Folge beider Achsabweichungen: frühzeitige Kniearthrosen.

Therapie: von Schuheinlage bis Operation

Bei X- oder O-Beinen verschreibt ein Arzt zunächst Schuheinlagen. Diese Einlagen werden so geformt, dass sie die Überbelastung der Kniegelenke ausgleichen. „Des Weiteren empfehlen wir gezielte Physiotherapie zur Stellungskorrektur und Kräftigung der beteiligten Muskelpartien rund um das Kniegelenk“, so Heller. Wichtig ist auch, Übergewicht abzubauen.

„Reichen diese Maßnahmen nicht aus, um die Lasten besser zu verteilen, lohnt es sich oft, die Beinachse operativ zu begradigen“, so Heller. Bei der sogenannten Umstellungsosteotomie sägt der Chirurg den Knochen zu 90 Prozent durch und klappt ihn so weit auf, dass die Beinachse wieder stimmt. Die dabei entstandene Lücke ist oft so gering, dass sie von selbst zuwächst. Alternativ kann der Arzt den Leerraum mit patienteneigenem Knochen aus dem Beckenkamm oder künstlichem Knochenmaterial füllen. Anschließend stabilisiert er das operierte Gebiet mit einer Platte, die er nach Abschluss der Heilung wieder entfernt. Bei O-Beinen findet die Korrektur meist am Schienbeinknochen statt, bei X-Beinen auch am Oberschenkelknochen. 

„Eine Osteotomie ist ein sehr hilfreicher und bewährter Eingriff, um den Gelenkknorpel in möglichst gutem Zustand zu erhalten und damit eine Knieprothese hinauszuzögern“, sagt auch Gebhard. „Wegen des besseren Heilungspotentials tendieren wir jedoch dazu, eher jüngere Patienten damit zu versorgen.“ Die Operation ergibt allerdings nur Sinn, solange die Arthrose nicht stark fortgeschritten ist. Deshalb ist es wichtig, den Eingriff rechtzeitig in Erwägung zu ziehen. „Ein Kunstgelenk stellt immer den letzten Ausweg dar“, sagt Heller.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 11.05.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. vom 27.03.2018: Beschwerden frühzeitig abklären – Gelenkersatz verhindern.