Mit Müsli gegen Arthritis

Forscher haben herausgefunden: Eine ballaststoffreiche Ernährung kann den Verlauf chronisch-entzündlicher Gelenkerkrankungen positiv beeinflussen.

Frau isst Müsli © iStock
(Erlangen – 07.03.2018) Dass eine gesunde Ernährung unser allgemeines Wohlbefinden steigert, ist bekannt. Jetzt haben Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) herausgefunden, dass eine ballaststoffreiche Kost den Krankheitsverlauf von chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankungen – wie die Rheumatoide Arthritis – positiv beeinflussen und gleichzeitig die Knochen stärken kann. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler im Fachmagazin Nature Communications veröffentlicht.

Gesunder Darm – gesunder Körper

Schlüssel für die Wirkung unserer Ernährung auf die Gesundheit sind die Darmbakterien: Eine gesunde Darmflora besteht aus einer Vielzahl verschiedener Bakterienarten. Jeder Erwachsene hat etwa zwei Kilogramm an gutartigen Bakterien in seinem Darm. Diese Verdauungshelfer zerlegen Ballaststoffe in einzelne Bestandteile. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren, die für den Körper wichtig sind. Diese liefern Energie, regen die Darmbewegung an und wirken entzündungshemmend.  

Die Darmbakterien bekämpfen darüber hinaus Krankheitserreger, die in den Verdauungstrakt gelangen. Bekannt ist, dass die Zusammensetzung der Darmflora schützende, aber auch krankmachende Effekte haben kann. Ein intaktes Zusammenleben der verschiedenen Bakterien schützt die Darmwand und verhindert, dass sie für Krankheitserreger durchlässig wird.

Nicht die Bakterien selbst wirken auf das Immunsystem

Nun haben die Forscher der Universität Erlangen-Nürnberg jedoch herausgefunden, dass es nicht die Darmbakterien selbst sind, die das Immunsystem beeinflussen und damit auch auf Autoimmunerkrankungen wie die rheumatoide Arthritis wirken. Es sind ihre Stoffwechselprodukte. Unklar ist noch, wie die Verständigung zwischen Darmbakterien und Immunsystem abläuft und wie die Bakterien gegebenenfalls positiv beeinflusst werden könnten.

Im Fokus der Forscher stehen dabei die kurzkettigen Fettsäuren Propionat und Butyrat, die innerhalb von Gärprozessen der Darmbakterien gebildet werden. Diese Fettsäuren sind unter anderem in der Gelenkflüssigkeit zu finden. Man nimmt an, dass sie einen wichtigen Einfluss auf die Funktionstüchtigkeit der Gelenke haben.

Entzündliche Gelenkerkrankungen und Osteoporose positiv beeinflussen

Die Wissenschaftler um Studienleiter Dr. Mario Zaiss von der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie am Universitätsklinikum Erlangen konnten zeigen, dass eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung die Darmflora so verändert, dass mehr kurzkettige Fettsäuren, vor allem Propionat, gebildet werden. Sie konnten eine erhöhte Konzentration der kurzkettigen Fettsäure unter anderem im Knochenmark nachweisen, wo das Propionat bewirkte, dass sich die Zahl der knochenabbauenden Zellen verringerte und damit auch den Knochenabbau deutlich verlangsamte.

„Wir konnten zeigen, dass eine bakterienfreundliche Ernährung entzündungshemmend ist und zugleich einen positiven Effekt auf die Knochenfestigkeit hat“, sagt Zaiss. „Unsere Erkenntnisse bieten einen vielversprechenden Ansatz für die Entwicklung innovativer Therapien bei entzündlichen Gelenkerkrankungen sowie für die Behandlung von Osteoporose, die häufig bei Frauen nach der Menopause auftritt. Wir können heute noch keine konkrete Empfehlung für eine bakterienfreundliche Ernährung geben, aber ein morgendliches Müsli und ausreichend Obst und Gemüse täglich hilft, einen artenreichen Bakterienmix aufrechtzuerhalten.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 07.03.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Anja Dolski
  • Quellen: Pressemitteilung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Dr. Susanne Langer: Mit Müsli gegen Arthritis