Rückenschmerzen – das Kreuz mit dem Kreuz

Fast jeder leidet mindestens einmal in seinem Leben unter akuten Rückenschmerzen. Welche Behandlungen dann wirklich helfen.

Frau hat am Arbeitsplatz Rückenschmerzen © iStock
 (Berlin – 08.11.2017) Bis zu 85 Prozent der Deutschen leiden mindestens einmal im Leben an Kreuzschmerzen. Sie sind auch der häufigste Grund für einen Besuch beim Orthopäden. Die Mehrzahl der Patienten mit Rückenschmerzen leidet unter dem sogenannten nicht-spezifischen Kreuzschmerz – das heißt, dass die Schmerzen keine organische Ursache wie eine Entzündung an der Wirbelsäule oder einen Wirbelkörperbruch haben. Solche Schäden kann der Arzt nach einem Patientengespräch bei einer gründlichen körperlichen Untersuchung mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen.

Vor allem Bewegung lindert akute Rückenschmerzen

Um akute Rückenschmerzen zu lindern, hilft vor allem Bewegung: „Wir raten Patienten deshalb, trotz der vermeintlichen Einschränkung körperlich aktiv zu sein. Wer sein Bewegungsprogramm Schritt für Schritt wieder aufnimmt und sich täglich bewegt, trägt immens zu seiner Genesung bei“, sagt Prof. Dr. Bernd Kladny von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC). Bei 85 Prozent der Patienten gehen die Schmerzen so nach einigen Wochen von selbst deutlich zurück. „Schmerzmittel und Entzündungshemmer können Patienten gut dabei unterstützen, wieder in Bewegung zu kommen“, so der Chefarzt der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie an der Fachklinik Herzogenaurach. Laut Leitlinie zum nicht-spezifischen Kreuzschmerz sollen diese aber so kurz wie möglich in geringstmöglicher Dosierung eingesetzt werden.

Bettruhe dagegen kann die Schmerzen verstärken und sogar dazu führen, dass diese chronisch werden. Deshalb raten Leitlinienautoren auch von passiven Therapien wie Massage oder Taping ab. Wenn Medikamente und die Behandlung der Symptome keine deutliche Linderung bringen, kann der Patient sich zusätzlich für eine Akupunktur entscheiden.

Auch psychische Belastungen können Rückenschmerzen begünstigen

Die neue Versorgungsleitlinie empfiehlt auch, eventuelle psychische Belastungen und Probleme im sozialen Umfeld stärker in den Fokus zu nehmen: Stress, Ängste oder Probleme in Beruf oder Familie können Rückenschmerzen genauso begünstigen wie Fehlhaltung, Bewegungsmangel oder harte Arbeit. „Seelische Belastungen und Rückenprobleme können sich sogar gegenseitig verstärken“, sagt Prof. Dr. Andrea Meurer, Präsidentin des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie 2017. „Unser seelisches Befinden beeinflusst zudem, wie stark wir Schmerzen wahrnehmen“, so die Expertin. „Die Psyche spielt auch eine entscheidende Rolle dabei, ob eine Behandlung erfolgreich ist oder nicht.“

Röntgen und MRT meistens überflüssig

Röntgenbilder und Magnetresonanztomografie (MRT) halten die Leitlinienautoren bei akuten nicht-spezifischen Kreuzschmerzen in den meisten Fällen für überflüssig: „Frühzeitige Bildgebung kann Abweichungen am Rücken anzeigen, die aber gar nicht Ursache der Schmerzen sein müssen“, erklärt Kladny. „Das kann den Patienten verunsichern und zu unnötigen Behandlungen führen.“ Halten die Kreuzschmerzen länger als vier bis sechs Wochen an, muss der Einsatz der Bildgebung sorgfältig geprüft werden.

Multimodales Behandlungsprogramm

Weiterhin rät die Leitlinie zu einem multimodalen Behandlungsprogramm bestehend aus Schmerztherapie, Bewegung, Gymnastik, Entspannungstraining und psychotherapeutischer Therapie. „In den allermeisten Fällen sind Rückenschmerzen ungefährlich“, so Kladny. „Wenn keine ernsten Erkrankungen vorliegen, gilt es, den Patienten darüber aufzuklären, wie er seinen Rücken langfristig stärken kann.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.11.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie: DKOU 2017: Bewegung statt Bettruhe – Was bei akutem Kreuzschmerz wirklich hilft