Sport gegen Arthrose

Wer sich regelmäßig bewegt, versorgt seine Gelenke mit Nährstoffen – und beugt so Gelenkverschleiß vor. Wie viel Sport es pro Woche sein sollte.

Seniorenpaar fährt Fahrrad © iStock
(Freiburg – 02.11.2017) Ob Digital Natives, Schulkinder oder Büroarbeiter: Ein sitzender Lebensstil kann Knie- und Hüftgelenksarthrosen begünstigen. Gelenkknorpel wird spröde und baut sich ab, wenn nicht regelmäßig im Rahmen von Bewegung Nährstoffe und Flüssigkeit in seine Oberfläche gepumpt werden. Schmerzhafte Arthrosen und Bewegungseinschränkungen können die Folge sein.

Arthrose betrifft ein Drittel der über 60-Jährigen

Seit der frühindustriellen Zeit hat sich die Zahl der Arthrosen mehr als verdoppelt. Das haben Forscher in einer aktuellen US-Studie herausgefunden. „Auch wir beobachten zunehmend mehr Arthrosen und Gelenkschäden bei unseren Patienten“, sagt Prof. Dr. Karl-Dieter Heller von der Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik (AE). Inzwischen betrifft die weltweit häufigste Gelenkerkrankung in Deutschland ein Drittel der über 60-Jährigen.  

Bei Arthrose bildet sich das Knorpelgrundgerüst der Gelenke irreversibel zurück. Zugleich können Knochenwucherungen um die Gelenke herum entstehen. Auch wenn noch nicht alle Risikofaktoren für diese Entwicklung erforscht sind, ist klar: „Die längere Lebensdauer, Übergewicht, aber auch Über- und Unterbeanspruchung der Gelenke gehören zu den Hauptursachen für die steigenden Zahlen“, so der Chefarzt der Orthopädischen Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig.

„Wer sich bewegt, füttert und schmiert sein Gelenk“

Viele Menschen bewegten sich kaum noch – im Beruf wie in der Freizeit. „Vielen ist nicht klar, dass der Gelenkknorpel regelmäßige Bewegung braucht, um Nährstoffe zu erhalten“, sagt Heller. Der Grund: „Anders als der Knochen, wird der Knorpel nicht durch Blutgefäße versorgt, sondern passiv durch Gelenkflüssigkeit – die Synovia.“ Damit das gut funktioniert, ist regelmäßige Be- und Entlastung notwendig. Die dadurch entstehenden Pumpbewegungen arbeiten das Nährsubstrat mechanisch in den Knorpel ein. „Wer sich bewegt, füttert und schmiert sein Gelenk“, erklärt der Experte. Auch wenn es bereits zu Arthrosen gekommen ist, kann maßvolle Bewegung helfen, das Fortschreiten einer Arthrose zu verlangsamen. Tierexperimentelle Studien haben gezeigt, dass dies den Knorpel zwar nicht regenerieren, wohl aber die gelartige Puffersubstanz im Knorpel aufbauen kann, so Heller. Der Orthopäde rät hier etwa zu Gymnastik, Fahrradfahren oder Gehen mit Nordic-Walking-Stöcken.

150 Minuten gezieltes Training pro Woche

Insgesamt gilt es, mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren: „Man sollte möglichst alle 30 Minuten aufstehen, viel zu Fuß gehen und Fahrrad fahren sowie Aufzüge und Rolltreppen meiden“, sagt Prof. Dr. Henning Windhagen, Präsident der AE und Direktor der Orthopädischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) im DIAKOVERE Annastift. Und statt abends stundenlang im Fernsehsessel zu versinken, sollte man besser noch einen Spaziergang um den Block machen. „Sinnvoll sind zudem mindestens weitere 150 Minuten in der Woche gezieltes Training“, so der Experte.  

Sport-Extreme wie Marathons sollte man seinem Körper jedoch nur unter Aufsicht eines Orthopäden oder Sportmediziners zumuten. Denn sie bergen besondere Risikofaktoren für Gelenke – etwa Verletzungen, Überlastung und Verschleiß. Zudem sei nicht jeder Körper für sportliche Höchstleistungen gemacht, so Windhagen: „Auf die Dosis kommt es an.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 02.11.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik (AE): Couch Potatoes riskieren Arthrose – AE rät zu mehr Bewegung im Alltag