Bei Rückenschmerzen wird selten an Rheuma gedacht

Hinter Rückenschmerzen kann auch eine rheumatische Erkrankung stecken. Häufig wird Rheuma jedoch nicht oder erst spät als Ursache erkannt.

Älterer Mann hat Rückenschmerzen © iStock
(Berlin – 12.10.2017) Viele Menschen leiden unter Rückenschmerzen. Meist liegt ein unspezifischer Schmerz vor, bei dem keine genaue Ursache erkannt wird. Bei etwa einem von vier Patienten mit chronischen Rückenschmerzen kann der Grund jedoch eine chronisch-entzündliche Wirbelsäulenerkrankung wie Morbus Bechterew sein. Hierbei entzünden sich Knochen und Weichteile der Wirbelsäule und verursachen große Schmerzen. Nur etwa jeder Vierte der Betroffenen erhält eine korrekte Diagnose erhält.  

„Als Ursache für den Rückenschmerz werden entzündlich-rheumatische Erkrankungen häufig gar nicht oder erst zu spät erkannt“, sagt Dr. Uta Kiltz, Oberärztin am Rheumazentrum Ruhrgebiet in Herne. Die zwei häufigsten rheumatischen Wirbelsäulenerkrankungen sind die rheumatoide Arthritis (RA) und die axiale Spondyloarthritis (SpA), deren schwere Verlaufsform hierzulande auch Morbus Bechterew genannt wird. Hierbei entzünden sich die Knochen sowie die anliegenden Sehnen und Bänder der Wirbelsäule und verursachen chronische Schmerzen im Rücken. „In Anbetracht der Erkrankungshäufigkeit von rund einem Prozent der Bevölkerung ist es besonders wichtig, schnelle und sichere Diagnosen zu stellen, um Betroffene frühzeitig zu therapieren. Nur so können Folgeschäden, Einschränkungen und schlimmstenfalls Arbeitsunfähigkeit verhindert werden“, so die Rheumatologin. Mitunter leiden Rheumapatienten viele Jahre an Rückenschmerzen bis sie – wenn überhaupt – die richtige Diagnose erhalten.

Patienten gehen mit Rückenschmerzen oft zum Hausarzt oder Orthopäden

Den Grund für die häufigen Fehl- und Spätdiagnosen bei Rheumapatienten sehen Experten der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) darin, dass diese zunächst Hausärzte und Orthopäden bei Rückenschmerzen aufsuchen. Zu selten ziehen die Ärzte dann rheumatische Erkrankungen in Erwägung und überweisen zum internistischen Rheumatologen.  

„Bereits in der Erstversorgung sollten Patienten unter 45 Jahren, die über zwölf Wochen chronische Rückenschmerzen haben, auf Charakteristika einer Rheumaerkrankung befragt werden“, sagt Kiltz. „Wacht beispielsweise der Patient aufgrund von Schmerzen regelmäßig in der zweiten Nachthälfte auf oder verbessern sich die Beschwerden bei Bewegung, sollte unbedingt an die Möglichkeit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung gedacht werden.“ Haben Patienten darüber hinaus bereits andere Vorerkrankungen wie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder Schuppenflechte, verdichtet sich laut der Expertin die Wahrscheinlichkeit, dass der Rückenschmerz beispielsweise Folge eines Morbus Bechterew ist.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 12.10.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh): Volksleiden Rückenschmerz – Rheuma zu selten als Ursache erkannt