Rheumatoide Arthritis: Ursachen für chronische Entzündung entschlüsselt

Warum bei der rheumatoiden Arthritis Gelenke chronisch entzündet sind, haben jetzt Forscher herausgefunden. Eröffnet das neue Therapiemöglichkeiten?

Seniorin leidet an rheumatoider Arthritis © iStock
(Erlangen/Nürnberg – 27.07.2017) Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste Autoimmunerkrankung der Gelenke. Bei der Erkrankung kommt es zu einer chronischen Entzündungsreaktion, wobei körpereigene Abwehrzellen das Gelenk inklusive Knorpel und Knochen angreifen. Dieser Prozess hört nicht spontan auf. Jetzt konnte ein internationales Forscherteam unter Leitung des Rheumatologen Dr. Andreas Ramming der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) einen Zelltyp des Immunsystems identifizieren, der einen Stopp der Entzündungsreaktion bei Arthritis gezielt steuert.

Spezielle Immunzellen kontrollieren die Entzündungsauflösung

In Deutschland leiden etwa 800.000 Menschen – vorwiegend Frauen – an rheumatoider Arthritis. Die Patienten leiden an Bewegungseinschränkungen und Schmerzen. „Besonders dramatisch für die Betroffenen ist die Tatsache, dass die Entzündungsreaktion im Gelenk ausgesprochen chronisch ist und daher meist eine lebenslange Therapie erforderlich macht“, erklärt Prof. Georg Schett, Direktor der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie des Universitätsklinikums Erlangen.

Zu wenig bekannt war bisher, wie sich Entzündungen auflösen und warum diese Auflösung bei Rheumatikern nicht funktioniert. Durch eine Kooperation mit internationalen Wissenschaftlern gelang es den Erlanger Forschern jetzt, dieses Rätsel zu lösen: Eine bislang wenig erforschte Zellgruppe des Immunsystems – die sogenannten Angeborenen Lymphozyten (englisch: Innate Lymphoid Cells) – übernehmen die zentrale Rolle bei der Auflösung von Entzündung, erklärt Simon Rauber, Immunologe und Erstautor der Studie.

Möglichkeit für neue Therapiemethoden

„Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis befinden sich diese Angeborenen Lymphozyten in einer Art Winterschlaf. Die Entzündung bleibt daher bestehen. Weckt man Angeborene Lymphozyten, kommt es zum Stopp der Entzündung und zur Beendigung der Gelenkschädigung“, so Studienleiter Dr. Ramming. Die Entdeckung dieses Mechanismus könnte einen völlig neuen Ansatz zur Entwicklung innovativer Behandlungsmethoden bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen liefern.

Schon jetzt ermöglicht die Messung der Anzahl dieser Angeborenen Lymphozyten im Blut eine Prognose des Behandlungsverlaufs. Sind nur wenige Angeborene Lymphozyten im Blut vorhanden, kommt es zum Krankheitsschub und das Gelenk nimmt weiteren Schaden. Steigen die Angeborenen Lymphozyten an, ist dies mit einer Entzündungsauflösung verbunden. Durch deren Messung im Blut kann frühzeitig eine individuelle, gezieltere Therapie begonnen werden und der Patient vor einem erneuten Krankheitsschub bewahrt werden. „Diese Erkenntnis ermöglicht es in Zukunft, mithilfe der Angeborenen Lymphozyten die Therapiequalität bei rheumatoider Arthritis entscheidend zu verbessern“ sagt Dr. Ramming.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.07.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU): Kontrollzellen im Winterschlaf: Warum Entzündung chronisch wird