Alternative Methoden

Viele Rheumapatienten fragen nach alternativen Heilverfahren. Doch können sie die Behandlung von entzündeten Gelenken sinnvoll ergänzen?

Pflanzenheilkunde © Thinkstock
(Bremen – 20.08.2015) Alternative Heilverfahren werden auch in der Rheuma-Therapie von den Patienten häufig nachgefragt. Um sie sinnvoll in die medizinische Versorgung der Betroffenen einbeziehen zu können, muss jedoch kritisch gewichtet werden. Denn es gibt auch viele „schwarze Schafe“ auf dem Markt. Die Wirksamkeit einiger komplementärer Methoden ist aber inzwischen wissenschaftlich belegt. Welche Verfahren helfen und wovon man lieber die Finger lassen sollte.

1,5 Millionen Rheumapatienten in Deutschland

Etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden an entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis (RA). „Neben der medikamentösen Therapie fragen uns die Patienten immer häufiger nach Verfahren der Naturheilkunde und Komplementärmedizin“, sagt Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung für Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus in Berlin.

Wilfords Dreiflügelfrucht: gute Wirkung, viele Nebenwirkungen

Einige Ärzte empfehlen pflanzliche Mittel wie Ingwer, grünen Tee, Granatapfel, Walnüsse oder Leinsamen. „Grundlagenstudien zeigen zwar entzündungshemmende Effekte für diese Nahrungsmittel, aber bei rheumatoider Arthritis konnte die Wirksamkeit bisher nicht belegt werden“, sagt der Experte. Nebenwirkungen bei Langzeitgebrauch wurden nicht geprüft.

Die Studien zeigen einen milden Effekt für Borretsch- und Nachtkerzenöl und für Katzenkralle. Für eine asiatische Pflanze, die Wilfords Dreiflügelfrucht, liegen gute Daten für deren Wirksamkeit bei rheumatoider Arthritis vor. Allerdings hat diese Pflanze erhebliche Nebenwirkungen. Auch bei anderen chinesischen Kräutern rät Michalsen zur Vorsicht. Denn oftmals ist die Qualität der Arzneipflanzen nicht gesichert.

Ebenso zurückhaltend bewertet Michalsen die Homöopathie aufgrund mangelnder Beweise. Nebenwirkungen seien hier aber in der Regel nicht zu befürchten. Als Folge des Placebo-Effekts kann sie im Einzelfall die Schmerzen lindern.

Hydrotherapie, Stressreduktion und Entspannungsübungen

Empirisch gut belegt ist der Nutzen der Kneipp´schen Hydrotherapie. Dabei wirken Wechselbäder, kalte und warme Güsse oder Wickel schmerzlindernd. „Patienten können auch Quarkwickel und Essigumschläge zur Kühlung anwenden, Bockshornklee oder Bienenwachs zur Wärmetherapie“, so der Experte.

Mit der sogenannten Mind-Body-Medizin lassen sich laut Michalsen ebenfalls Schmerzen reduzieren und die Lebensqualität verbessern. Im Mittelpunkt stehen Stressreduktion, Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen wie Yoga oder Tai Chi. „Allein, dass Betroffene sich selbstwirksam mit ihrem Körper beschäftigen, führt oft zu einem gesünderen Lebensstil“, erklärt der Internist. Hierzu liegen jedoch bislang nur Daten aus ersten kleineren Studien vor.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.08.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie: Komplementäre Medizin gegen entzündete Gelenke – Sinnvolle Ergänzung der Rheuma-Behandlung?
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