Warnsignal Hexenschuss

Ein Hexenschuss ist eine Warnung unseres Körpers. Wie Sie ihn wieder loswerden, wann Sie zum Arzt gehen sollten und wie Sie Ihren Rücken stärken.

Rückenschmerzen © Thinkstock
(Berlin – 16.03.2015) Der Hexenschuss (akute Lumbalgie) ist ein Warnschuss für den Rücken. Symptome sind plötzlich auftretende, oftmals stechende und manchmal anhaltende Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule. Ein Hexenschuss kann Ausdruck unkomplizierter akuter nicht-spezifischer Kreuzschmerzen sein, die innerhalb weniger Tage wieder abklingen. Sie sind nicht selten ein Hinweis auf eine schlecht trainierte Rücken- und Bauchmuskulatur oder einen bewegungsarmen Lebensstil. Hinter einem Hexenschuss kann aber auch eine ernsthafte Erkrankung wie ein Bandscheibenvorfall stecken. Darauf weisen die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU) und der Berufsverband der Orthopäden und Unfallchirurgen e.V. (BVOU) hin.

Warnschuss für den Rücken

80 bis 85 Prozent der Menschen in Deutschland leiden irgendwann in ihrem Leben an Rückenschmerzen. „Bewegung ist hervorragend gegen Kreuzschmerzen. Allerdings übertreiben es einige Menschen im Frühjahr und belasten in ihrem Tatendrang nach der Winterzeit ihre darauf nicht vorbereitete Wirbelsäule zu stark – zum Beispiel bei der Gartenarbeit, beim Frühjahrsputz oder beim Entrümpeln. Der Rücken sendet dann mit dem Hexenschuss ein Warnsignal“, sagt Prof. Bernd Kladny, Chefarzt der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie der m&i-Fachklinik Herzogenaurach und Generalsekretär der DGOU.  

Ein Hexenschuss äußert sich durch einen einschießenden Schmerz im Lendenwirbelbereich. Eine Überlastung der Zwischenwirbelgelenke oder gezerrte und verspannte Rückenmuskeln zwingen den Betroffenen dann meist in eine gebückte Haltung. Auslöser für einen Hexenschuss sind oftmals ruckartige Bewegungen, das Heben schwerer Lasten und Verdrehungen, die durch eine schwache und verkürzte Rumpfmuskulatur begünstigt werden.  

„Jeden kann es treffen. Trotzdem sollten Betroffene den Hexenschuss als Anlass nehmen, mehr für ihre Rückengesundheit zu tun. Das ist vor allem für Menschen wichtig, die aufgrund ihrer Arbeit viel sitzen müssen“, sagt Dr. Johannes Flechtenmacher, Niedergelassener Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in Karlsruhe und Präsident des BVOU.

Tipps für einen starken Rücken

Für einen starken Rücken empfehlen Orthopäden und Unfallchirurgen mehr Bewegung im Alltag, regelmäßigen Sport und die Berücksichtigung einer rückenschonenden Haltung bei allen Handgriffen des täglichen Lebens. Für mehr Bewegung im Alltag sorgen schon kleine Veränderungen wie Treppen zu steigen statt Rolltreppe zu fahren, Strecken zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegen anstatt mit dem Auto zu fahren oder im Büro einfach mal vom langen Sitzen Pause zu machen, aufzustehen und die Muskeln zu dehnen.  

Für das gezielte Training der Muskeln eignen sich gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Nordic Walking und Pilates. Im Alltag ist es wichtig, die Regeln einer rückenfreundlichen Haltung zu beachten: Wer im Berufsalltag viele Stunden am Computerbildschirm arbeiten muss, sollte eine rückenfreundliche Grundhaltung einnehmen. Denn eine mehrstündige falsche Sitzposition belastet die Bandscheiben nachhaltig negativ. Zum Anheben schwerer Gegenstände sollte man in die Knie gehen und den Rücken gerade halten, sodass Rücken und Bandscheiben geschont werden.

Bei Hexenschuss weiterhin aktiv bewegen

Menschen, die von einem Hexenschuss betroffen sind, sollten aufgrund der Schmerzen nicht in eine steife Schonhaltung verfallen, sondern sich weiterhin aktiv bewegen. Dies fördert in fast allen Fällen die Heilung der Rückenschmerzen. Die Einnahme eines rezeptfreien Schmerzmittels – maximal zwei bis drei Tage – kann helfen, ohne Schmerzen schnell wieder aktiv zu werden. Wärmeanwendungen wie ein heißes Bad oder Rotlichtanwendung ergänzen den Heilungsprozess. Auf starke körperliche Belastungen sollten Betroffene in dieser Zeit verzichten.

Bei lang anhaltenden starken Schmerzen zum Arzt gehen

Während eher geringe Schmerzen, die den Alltag nicht beeinträchtigen, in der Regel von selbst wieder abklingen, ist bei länger anhaltenden und starken Schmerzen eine fachärztliche Abklärung angeraten. Bei sehr starken Schmerzen und Begleitsymptomen wie Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen sollte der Betroffene umgehend zum Orthopäden gehen.  

„Am häufigsten handelt es sich bei einem Hexenschuss trotz der manchmal starken Schmerzen um ein Ereignis mit einer sehr guten Prognose, das nach ein bis sechs Wochen unter symptomatischer Behandlung wieder abklingen und keine weiteren Beeinträchtigungen verursachen wird“, sagt Kladny. „In seltenen Fällen kann ein Hexenschuss aber auch Ausdruck einer gravierenden, ernst zu nehmenden Wirbelsäulenerkrankung sein. Es könnte ein Bandscheibenvorfall vorliegen, der auf einen Nerv drückt.“  

Der Arzt stellt nach der Befragung des Patienten und einer körperlichen Untersuchung eine Diagnose und veranlasst gegebenenfalls bildgebende Verfahren wie Röntgen und Kernspintomografie. „Bei nicht-spezifischen Kreuzschmerzen behandelt er die Symptome in der Regel ohne Bildgebung – zum Beispiel mit Medikamenten zur Entzündungshemmung, Schmerzlinderung und Muskelentspannung“, so Flechtenmacher. „Bei einer ‚Blockierung‘ der Wirbelsäulengelenke können Verfahren der manuellen Medizin zum Einsatz kommen. Bei spezifischen Ursachen werden auch örtliche Betäubungsmittel und kortisonähnliche Medikamente an den schmerzverursachenden Stellen eingesetzt. Und manchmal ist eine Physiotherapie notwendig.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.03.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie: Hexenschuss ist Warnschuss für den Rücken
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