Gymnastik bei Fersensporn

Wenn jeder Schritt zur Qual wird: Beim Fersensporn haben Betroffene das Gefühl, mit der Ferse in etwas Spitzes zu treten. Was tun?

Füße © Thinkstock
(Bamberg/Köln – 18.07.2012) Stechender Schmerz beim Auftreten und das Gefühl, mit der Ferse in etwas Spitzes getreten zu sein – dahinter steckt häufig ein Fersensporn. „Jeder Zehnte ist von diesem Knochenauswuchs betroffen, er entsteht durch Kalkablagerungen an der Sehne“, berichtet der Bamberger Orthopäde und Unfallchirurg Markus Schneider. Die meisten Patienten sind zwischen 40 und 60 Jahre alt. In diesem Alter nehmen viele Menschen auch zu und belasteten damit ihre Füße stärker.

Kalkablagerungen kitten Risse in den Sehnen

„Eigentlich ist der Fersensporn keine Krankheit, sondern die Folge einer Krankheit“, erklärt Schneider. Denn am Anfang steht immer eine Sehnenentzündung, entweder an der Unterseite des Fersenbeins (unterer Fersensporn) oder am Ansatz der Achillessehne (oberer Fersensporn). „Wird ein Fuß dauerhaft überlastet, etwa durch Übergewicht, langes Stehen oder auch Fehlstellungen, bekommt die Sehne winzige Risse. Um sie zu kitten, lagert der Körper Kalk ab. So entsteht nach und nach der knochenähnliche Auswuchs.“

Erst entlasten, dann kräftigen

Bereitet solch ein Auswuchs Schmerzen, versucht der Arzt zunächst die Entzündung mit Hilfe von Schmerzmitteln, Kortison oder Ultraschall-Bestrahlung zum Abklingen zu bringen. Gleichzeitig sollten Fersenpolster den Fuß beim Laufen entlasten und Fußbäder ihn anschließend entspannen. „Erst nach dieser Erstversorgung beginnt die langfristige Therapie“, berichtet die Physiotherapeutin Ute Merz vom Deutschen Verband für Physiotherapie (ZVK). „Viele denken, wenn der Schmerz weg ist, ist wieder alles in Ordnung. Das ist falsch. Nur wer die Fußmuskeln gut dehnbar und kräftig hält, kann dauerhaft verhindern, dass sich die Sehne erneut entzündet.“

Dehnung soll deutlich zu spüren sein

Merz empfiehlt zur Prophylaxe täglich jeweils einmal eine Ferse mit der einen Hand festzuhalten und mit der anderen die Zehen in Richtung Schienbeinkante zu ziehen. „Das dehnt und entlastet die Sehne“, so die Expertin. Auch die klassische Wadendehnung aus dem Sport hilft: In Schrittstellung wird die Wadenmuskulatur des hinteren Unterschenkels gedehnt, die Ferse sollte Bodenkontakt haben: „Achten Sie darauf, dass Sie den Fuß dabei nicht nach außen drehen, um der Dehnung auszuweichen“, betont Merz. Grundsätzlich gilt für derartige Dehnungsübungen: „Es darf nicht weh tun, aber ein starkes Ziehen ist erwünscht. Sonst stimmt etwas nicht mit der Übung.“

Füße beim Sitzen gerade lassen

„Unbedingt ablassen sollten Betroffene  von der verbreiteten Gewohnheit, beim Sitzen die Füße unter dem Tisch „einzuklappen“ oder beim Tragen hinten offener Schuhe die Zehen einzukrallen“, erklärt Merz. Auf Dauer verkürzt sich so die Fußmuskulatur. Auch Schuhe mit dünnen Sohlen sind Gift für die Füße. Orthopäde Schneider: „Das stoßdämpfende Fettpolster unter der Ferse schwindet ohnehin mit den Jahren – da werden gut gefederte Schuhe immer wichtiger.“

Stoßwellentherapie und Operation sind letzte Mittel

„Um den Fuß wieder belastbar und schmerzfrei zu machen, setzen Experten vor allem auf Gymnastik und Schuheinlagen“, sagt Schneider. Nur wenn sie über Monate kaum etwas bewirken, greifen er und andere Experten zum Mittel der Stoßwellentherapie. Dabei richtet man gebündelte Energie auf die schmerzende Stelle, um so einen Heilungsprozess in Gang zu setzen. Versagt auch diese Therapie, kann der knöcherne Fersensporn durch eine Operation abgetragen und die Sehnenplatte entlastet werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.07.2012
  • Autor/in: vitanet.de-cd
  • Quellen: dapd
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