Jetzt kommen die Zecken

Auch der Kälteeinbruch über Ostern hat die Zecken nicht gestoppt. Was Sie jetzt beachten müssen und wie Sie sich schützen.

Zecke und Zange © Thinkstock
(Berlin – 10.04.2011) Eines schon vorweg: Warum manche Menschen von Zecken verschont werden, andere jedoch häufig von ihnen angezapft werden, ist noch nicht wissenschaftlich geklärt. Möglicherweise liegt es am Geruch. Denn Zecken lassen sich bei der Suche nach einem Wirtstier für ihre Blutmahlzeit von drei Reizen leiten: Bewegung, Wärme und chemotaktische Faktoren, also vor allem Duftstoffe, wie Christine Klaus vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Jena erklärt. Weil die Spinnentiere gefährliche Krankheiten wie Hirnhautentzündung FSME oder Borreliose übertragen können, ist in jedem Fall Wachsamkeit oberstes Gebot.

Gegen FSME, die vor allem in bestimmten Risikogebieten auftritt, kann man sich mit einer Impfung schützen. Bei Borreliose helfen Vorsichtsmaßnahmen wie die Verwendung zeckenabweisender Mittel oder das Tragen langer Hosen. Klaus, Wissenschaftlerin im Nationalen Referenzlabor für durch Zecken übertragene Krankheiten am FLI, rät zu Gelassenheit: „Man muss sich mit den Zecken arrangieren wie mit jedem anderen Risiko auch.“ Denn Zecken gäbe es seit vielen hundert Jahren, und „es wird sie immer geben“, sagt sie.

Für die Zecke ist der Kontakt mit einem Menschen meist jedoch gefährlich: Der Mensch trägt die Zecke mit in seine Wohnung, dort kann sie wegen mangelnder Luftfeuchtigkeit in der Regel nicht überleben, trocknet aus, fällt ab und landet im Staubsauger. Ähnliches passiere, wenn die Zecke über ein Haustier in die Wohnung gelange. Übrigens können sich auch Hunde und Katzen mit FSME oder Borreliose infizieren.

Zecken verkraften Frost bis minus 20 Grad

Zecken benötigen zum Überleben bestimmte Temperaturen, eine hohe Luftfeuchtigkeit und ausreichend Wirtstiere für ihre Blutmahlzeit: Mäuse, Igel, Füchse oder andere Waldsäugetiere. Ob der Winter mild oder weniger mild verläuft, spielt nur eine Nebenrolle: Zecken verkraften Frost bis minus 20 Grad locker. Ab fünf bis sechs Grad plus steigt ihre Aktivität.

In bestimmten Gegenden Deutschlands können die Zecken den FSME-Erreger übertragen. Vom Robert-Koch-Institut (RKI) definierte Risikogebiete liegen vor allem in Bayern und Baden-Württemberg sowie in einigen Regionen im südlichen Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der FSME-Erkrankungen relativ stabil geblieben, wie RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher sagt: 2011 wurden 423 Fälle registriert, im Jahr zuvor 260, 2009 waren es 313 Fälle. 2008 erkrankten 289 Menschen an FSME, 2007 waren es 239, 2006 und 2005 546 beziehungsweise 432 Menschen.

Keine verlässlichen Zahlen

Bei Borreliose ist es komplizierter: Die Infektion, die meist das Nervensystem des Menschen betrifft, ist in den meisten westlichen Bundesländern keine meldepflichtige Krankheit. In den Jahren 2004 bis 2010 wurden aus Ostdeutschland beim RKI zwischen 4.000 und 6.000 Fälle gemeldet. Allerdings dürfte die Dunkelziffer hoch sein, weil Borreliose oft erst spät diagnostiziert wird. Zwischen 5 bis 40 Prozent der Zecken können mit Borrelien infiziert sein. Impfen lassen kann man sich nicht, eine Infektion schützt nach einer gewissen Zeit auch nicht vor einer Neuansteckung.

Dass sich die Zecken angesichts des Klimawandels in den vergangenen Jahren besonders ausgebreitet haben könnten, lasse sich so eindeutig nicht sagen, betont Klaus. Studien aus Schweden legen die Vermutung nahe, dass es eine Verbreitung in Richtung Norden gegeben haben könnte. Tschechische Forscher haben Zecken in hohen Lagen über 1.000 Meter nachgewiesen. Es gibt aber nicht immer verlässliche Vergleichsdaten früherer Jahre. Dies gälte besonders für die Frage, ob die Zahl der Zecken insgesamt zugenommen habe, erklärt die Wissenschaftlerin.

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