Maserninfektion löscht Immungedächtnis

Forscher haben nun herausgefunden, warum Menschen nach einer Maserninfektion auch anfälliger für andere Krankheiten sind. Der Grund: Das Immunsystem vergisst sozusagen mit welchen Erregern es bereits in Kontakt war.

Mutter prüft Fieber. © iStock
(Langen – 13.12.2019) Maserninfektionen sind nicht harmlos – sie können schwere Krankheitsverläufe verursachen, die auch tödlich enden können. Jetzt haben Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts im Verbund mit Wissenschaftlern aus Großbritannien und den Niederlanden herausgefunden, dass Masernviren darüber hinaus einen Teil des immunologischen Gedächtnisses über Jahre löschen. Damit werden Betroffene auch nach überstandener Maserinfektion empfänglicher für Infektionen mit anderen Erregern. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Science Immunology veröffentlicht.

Masernfälle nehmen zu

Die Masernfälle nehmen wieder zu. In den ersten sechs Monaten 2019 wurden weltweit fast dreimal mehr Fälle gemeldet als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten spricht von einem Wiederaufleben der Masern in der Europäischen Union beziehungsweise im Europäischen Wirtschaftsraum. Verantwortlich hierfür sind vor allem fünf Länder, darunter Deutschland, in denen Übertragungen noch endemisch – also innerhalb der Bevölkerung – stattfinden.

Das Masernvirus macht auch für andere Krankheiten anfälliger

Schon lange ist bekannt, dass die Maserninfektion nicht nur selbst durchaus schwer und sogar tödlich verlaufen kann, sondern das Masernvirus zusätzlich das Immunsystem des Erkrankten gegenüber anderen Krankheitserregern schwächt. So kommt es bei einer Maserninfektion häufiger auch zu weiteren Infektionen, beispielsweise bakteriell bedingten Lungen- oder Mittelohrentzündungen.

In einer kürzlich durchgeführten Masern-Kohortenstudie im Vereinigten Königreich wurde nachgewiesen, dass zehn bis 15 Prozent der Kinder noch fünf Jahre nach einer Maserninfektion Anzeichen einer deutlichen Beeinträchtigung des Immunsystems hatten, was zu einem erhöhten Auftreten weiterer Infektionen führte.

Wissenschaftler vom Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel des Paul-Ehrlich-Instituts, haben innerhalb des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung und mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gemeinsam mit Forschern aus Großbritannien und den Niederlanden untersucht, welche Mechanismen zu dieser Immunsuppression führen.

Mehr Mutation, weniger Vielfalt

Hierzu analysierten sie die Rezeptorvielfalt der Immunzellen und die Entwicklung einer wichtigen Gruppe von Immunzellen für das Immungedächtnis, den B-Gedächtniszellen, bei ungeimpften Personen mit und ohne vorangegangene Maserninfektion sowie bei gegen Masern geimpften Personen. Während die genetische Zusammensetzung und Vielfalt der B-Gedächtniszellen bei Personen ohne Maserninfektion und bei geimpften Personen stabil war, fand sich bei Personen nach Maserninfektionen eine signifikante Zunahme der Mutationsfrequenz in diesen Zellen sowie ein verändertes Isotypen(Variations)-Profil. Bei etwa zehn Prozent der mit Masern infizierten Personen in der Untersuchung war die Vielfalt der Immunzellen sogar sehr stark beeinträchtigt. Zudem fand sich eine Verschiebung hin zu immunologisch unreifen B-Zellen, was auf eine beeinträchtigte B-Zellreifung im Knochenmark hinweist.

Wenn das Immunsystem nach einer Maserninfektion vergisst

Die Ergebnisse bestätigen, dass das Immunsystem nach einer Maserninfektion quasi vergisst, mit welchen Erregern es zuvor in Kontakt gekommen war. Es kommt zu einer „Immunamnesie". Forscher im Paul-Ehrlich-Institut bestätigten diese Befunde im Tiermodell an Frettchen. Die Tiere wurden zunächst gegen Influenza (Grippe) immunisiert und einige Tiere mit einem mutierten Hundestaupevirus, das mit dem Masernvirus verwandt ist, infiziert. Die mit Hundestaupevirus infizierten Tiere verloren die meisten Antikörper gegen Influenza und hatten einen schwereren Krankheitsverlauf als nicht zuvor mit Hundestaupevirus infizierte Tiere, als sie zu einem späteren Zeitpunkt mit dem Influenzavirus infiziert wurden.

„Die Masernimpfung ist nicht nur für den Schutz vor Masernviren wichtig, sondern schützt auch vor dem Auftreten oder schweren Verläufen anderer Infektionskrankheiten. Es schützt das Immungedächtnis, das bei Maserninfektionen schwer beeinträchtigt werden kann", sagt Prof. Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 13.12.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung vom Paul-Ehrlich-Institut – Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel vom 01.11.2019: Maserninfektion löscht Immungedächtnis – Masernimpfung schützt
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung