PrEP: Medikament zur HIV-Prophylaxe zahlt jetzt die Kasse

Seit dem 1. September ist die HIV-Prophylaxe PrEP eine reguläre Leistung der Gesetzlichen Krankenkassen. Bei Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko übernehmen sie die Kosten für das Medikament und die erforderlichen Begleituntersuchungen. So regelt es das Terminservice- und Versorgungsgesetz. 

Medikamente zur HIV Prophylaxe © iStock
(Berlin – 06.09.2019) „Die Einführung der PrEP als Kassenleistung ist ein Meilenstein für die HIV-Prävention: Eine weitere Möglichkeit, sich vor HIV zu schützen, wird leichter zugänglich – unabhängig vom Geldbeutel. Jetzt geht es darum, dass auch alle von PrEP erfahren, die sie brauchen, und dass ausreichend geeignete Praxen zur Verfügung stehen.“, sagt Björn Beck vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe.

Durch Kassenfinanzierung Neuninfektionen verhindern

Mit der Kassenfinanzierung wird sich die PrEP, also die „Prä-Expositions-Prophylaxe“ – die Vorsorge vor einem möglichen HIV-Kontakt – vermutlich weiter etablieren und kann in den nächsten Jahren viele Tausend HIV-Infektionen in Deutschland verhindern – laut einer Studie rund 21.000 bis zum Jahr 2030.

Die PrEP wird andere Schutzmöglichkeiten dabei nicht ablösen. Sie ist eine von drei heute verfügbaren Methoden, um beim Sex eine HIV-Übertragung zu vermeiden. Die anderen beiden sind Kondome und die Schutzwirkung der HIV-Therapie – auch sie verhindert die Übertragung von HIV. „Schutz vor HIV gelingt am besten, wenn Menschen die Methode wählen können, die am besten zu ihnen persönlich und der jeweiligen Situation passt“, sagt Björn Beck.

Engpässe in der ärztlichen Versorgung

Die PrEP dürfen auf einem Kassenrezept nur Ärzte verschreiben, die auf HIV spezialisiert sind oder auf andere Weise eine entsprechende Qualifikation nachweisen. Das ist eine Hospitation und eine Mindestanzahl bereits behandelter HIV- oder PrEP-Patienten. Diese Anforderungen können nach Einschätzung der Deutschen Aidshilfe zu Versorgungsengpässen führen, zum Beispiel in kleineren Städten und auf dem Land. In manchen Regionen gibt es keine oder kaum HIV-Schwerpunkt-Praxen. „Wir brauchen eine Lösung, die lange Wege vermeidet und Überlastung von Arztpraxen vorbeugt. (…) Es darf nicht passieren, dass Menschen aufgrund fehlender Angebote von dieser Schutzmethode abgeschreckt werden – das könnte vermeidbare HIV-Infektionen zur Folge haben.“, sagt Björn Beck.
Was genau ist PrEP?
Bei der PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe) nehmen HIV-negative Menschen ein HIV-Medikament mit zwei Wirkstoffen ein und sind damit vor einer Ansteckung geschützt. Das Medikament verhindert, dass sich das HI-Virus in Körperzellen festsetzen kann, wenn es zu einem Kontakt mit dem Virus kommt.

Für manche Menschen, die sich beispielsweise bisher nicht immer vor HIV geschützt haben, ist die PrEP eine sichere Möglichkeit eine Infektion zu verhindern: PrEP wirkt unabhängig vom Verhalten in einer konkreten sexuellen Situation. Anders als bei Kondomen können Leidenschaft, Rausch oder Ängste nicht dazu führen, dass die Anwendung unterbleibt. Zudem sind PrEP-Nutzer nicht auf die Mitwirkung der Partner angewiesen. PrEP kann Ängste nehmen und bei manchen Menschen eine lustvolle Sexualität wieder ermöglichen. Die meisten Menschen vertragen das Medikament gut. Treten Nebenwirkungen auf, lassen sie sich in der Regel gut handhaben.

Tests auf Geschlechtskrankheiten – nicht nur bei PrEP!

Unverzichtbar ist bei einer PrEP die medizinische Begleitung. Dazu gehören regelmäßige HIV-Tests und die Überprüfung der Nierenwerte. Im Rahmen der PrEP-Versorgung sind auch routinemäßige Tests auf andere sexuell übertragbare Infektionen möglich und wichtig. „Dass hier etwas für frühe Erkennung und Behandlung von Infektionen getan wird, ist gut für die Gesundheit und verhindert weitere Übertragungen.“, sagt Björn Beck.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.09.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen AIDS-Hilfe vom 30. August 2019: Für die HIV-Prophylaxe zahlt jetzt die Kasse
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