Was Eltern über Masern wissen sollten

Woran erkennt man Masern, wie groß ist die Gefahr einer Ansteckung und warum ist eine Masern-Impfung so wichtig? Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema Masern.

Arzt Injektion junges Mädchen © iStock
(München – 03.06.2019) Das Risiko steigt, mit Masern angesteckt zu werden. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt die Zahl der in den ersten drei Monaten dieses Jahres gemeldeten Fälle um 300 Prozent höher als im Vorjahr. Was Sie über die Krankheit wissen sollten.

Masern – eine unterschätzte Krankheit

„Viele junge Eltern sind sich der Gefährlichkeit dieser Krankheit nicht mehr bewusst", sagt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Früher, als es noch keine Impfung gegen Masern gab, kannte man viele Menschen, die durch eine Maserninfektion schwere Schäden und Behinderungen davongetragen haben. Wir Ärzte sehen solche Fälle immer noch in unseren Krankenhäusern. Die jüngere Elterngeneration kennt jedoch kaum noch diese Risiken. Wir müssen deshalb den vielen, sachlich meist falschen, aber beständig wiederholten Behauptungen ... im Internet mit seriösen Informationen begegnen".

Woran erkennt man Masern?

Masern verlaufen in zwei Phasen. Die ersten Anzeichen sind noch untypisch: Das Kind fühlt sich unwohl, hat Schnupfen und Reizhusten, verquollene und rote Augen und Halsschmerzen. Das Fieber steigt leicht an. Zwei bis drei Tage später zeigen sich auf der Mundschleimhaut gegenüber den Backenzähnen Kalkspritzern ähnliche grauweiße Flecken. Wenn die Flecken da sind, folgt in der Regel ein bis drei Tage später auch der Hautausschlag.

Die Flecken sind anfangs klein und hellrot, werden dann immer größer und zahlreicher, verfärben sich bläulich und fließen mehr und mehr zu größeren, geröteten Flecken zusammen. Während des Ausschlags sind auch die Schleimhäute der Augen, der Nase, der Mundhöhle und der Atemwege entzündet. Babys und kleine Kinder können außerdem mit Durchfall und Erbrechen reagieren. Fieberwerte um 40 Grad sind keine Seltenheit.

Wie groß ist die Gefahr einer Ansteckung?

Masern sind eine der ansteckendsten Infektionskrankheiten. Die Viren werden meist durch die Luft durch sehr feine Tröpfchen übertragen. Zu 98 Prozent wird ein Mensch, der noch keine Masern hatte, von einem Infizierten angesteckt, selbst aus einigen Metern Entfernung. Masernkranke sind schon vier Tage vor dem Erscheinen des typischen Ausschlags ansteckend. Einen Schutz vor Ansteckung bietet nur die Impfung.

Komplikationen bei Masern

Im frühen Kindesalter besteht vor allem die Gefahr von Lungenentzündungen (Masernpneumonie), Mittelohrentzündungen (Otitis media), Vereiterungen der Nebenhöhlen und Entzündungen der Augen. Häufig kommt es auch zu Entzündungen des Kehlkopfes. Am meisten gefürchtet ist aber die Masernenzephalitis (Gehirnentzündung) mit Krampfanfällen und Bewusstseinsstörungen. Sie führt häufig zu bleibenden Hirnschäden, manchmal sogar zum Tod.

Eine weitere schwere Komplikation tritt wesentlich seltener auf, verläuft aber in jedem Falle tödlich: die sogenannte subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). Diese Krankheit setzt schleichend, oft erst Jahre nach der Masernerkrankung ein, führt zu einem fortschreitenden Abbau des Gehirns und seiner Funktionen, und schließlich bei allen Betroffenen zum Tod – eine Heilung ist nicht möglich.

Bedrohen Masern nur kleine Kinder?

Kinder unter zwei Jahren erkranken besonders häufig an Masern, deshalb gilt das Leiden als Kinderkrankheit. Der Begriff ist aber irreführend: Auch Jugendliche und Erwachsene, die keine Masern hatten und nicht geimpft sind, können erkranken.

Die Masern-Impfung schützt nicht nur vor Masern

Masernviren entfalten im Organismus zwei Wirkungen auf das Immunsystem, die einander widersprechen. Dieser Widerspruch wird als „Masern-Paradoxon" bezeichnet. Seine Entstehungsweise ist noch nicht genau geklärt. Zum einen lösen die Viren eine gezielte Immunabwehr gegen sich selbst aus. Das ist der Grund, weshalb nach einer durchgemachten Maserninfektion ein lebenslanger Schutz vor der Krankheit besteht. Zum anderen bewirken sie aber auch eine generelle Schwächung des Immunsystems, die mehrere Wochen bis Monate nach dem Ende der eigentlichen Erkrankung dauern kann. In dieser Zeit besteht eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen mit anderen Viruskrankheiten, sowie Bakterien, Pilzen oder Parasiten. Das bedeutet: Sonst eher harmlose Infektionen können nach Masern gefährlich werden. Dieser Vorgang könnte die häufigen Todesfälle durch andere Erreger nach einer Masernerkrankung erklären. Vor allem in der Dritten Welt sterben viele Masernkranke an anderen, zusätzlichen Infektionen.

Durch die Impfung gegen Masern wird dagegen das Immunsystem nicht beeinträchtigt: Es kann also weiterhin feindliche Erreger erkennen und bekämpfen, bevor sie Schaden anrichten. So entfaltet die gut verträgliche und effektive Impfung eine zusätzliche Wirkung: Epidemiologen registrierten nach Einführung der Masernimpfung auch in europäischen Ländern nicht nur einen enormen Rückgang von Masern, sondern auch eine Halbierung der Todesfälle durch andere Infektionskrankheiten.

Eine aktuelle Untersuchung der Daten von fast 300.000 Kindern in Dänemark ergab: Kinder mit einer abgeschlossenen Grundimmunisierung mussten danach wesentlich seltener wegen einer Infektion für zwei oder mehr Tage in einem Krankenhaus behandelt werden. Die Masern-Impfung verhindert also nicht nur die durch die Masern verursachten Komplikationen, sondern schützt auch das Immunsystem.

Meldepflicht der Masern

Um die Ausbreitung der Krankheit verhindern zu können, müssen Masernfälle umgehend an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden. So können die Behörden wichtige Maßnahmen zum Schutz anderer Menschen einleiten: Sie informieren die möglicherweise betroffenen Kitas, Schulen, Kliniken, Ärzte und die Bevölkerung.

Die Meldepflicht dient insbesondere dem Schutz von Menschen, bei denen keine Impfung gegen Masern durchgeführt werden kann, etwa Schwangere oder Menschen, die aufgrund einer sogenannten Kontraindikation nicht geimpft werden können, zum Beispiel bei einer angeborenen Immunstörung oder weil sie wegen einer bösartigen Krankheit eine immunitätsunterdrückende Behandlung erhalten. Auch junge und deshalb nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission noch nicht vollständig geimpfte Babys und kleine Kinder im ersten und zweiten Lebensjahr müssen vor einer Ansteckung geschützt werden.

Können Masern tödlich enden?

Ja. Weltweit gehören die Masern immer noch zu den führenden Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren. Sie verursachen laut Weltgesundheitsorganisation etwa 130.000 bis 160.000 Todesfälle pro Jahr. Im Jahr 2018 traten in zehn europäischen Ländern 72 Sterbefälle in Verbindung mit Masern auf. Unter anderen in Albanien, Italien und Rumänien. 61 Prozent dieser Sterbefälle betrafen Kinder unter zehn Jahren.

Mögliche Nebenwirkungen der Impfung

Der meist verwendete kombinierte MMR-Impfstoff enthält abgeschwächte lebende Masern-, Röteln- und Mumpsviren sowie Stoffe zur Stabilisierung und Konservierung des Impfstoffs. Er enthält kein Quecksilber und kein Aluminium.

Wie nach jeder Impfung ist eine vorübergehende Lokalreaktion an der Einstichstelle möglich: Schmerz, Rötung, Schwellung. Gelegentlich können Fieber, rote Hautflecken oder eine Schwellung der Speicheldrüsen auftreten. Sehr selten kann hohes Fieber zu einem Fieberkrampf führen, der in der Regel harmlos ist. Noch seltener kann die MMR-Impfung eine vorübergehende Abnahme der Blutplättchen zur Folge haben. Schwere Nebenwirkungen wie eine Hirnentzündung sind extrem selten. Bei Frauen, die sich nach der Pubertät impfen lassen, treten gelegentlich vorübergehende Gelenkschmerzen auf. Schwerwiegende Komplikationen infolge von Masern treten jedoch eindeutig häufiger auf als unerwünschte Nebenwirkungen der Impfung.

Gemeinschaftsschutz oder Herdenimmunität

Unter Gemeinschaftsschutz oder Herdenimmunität versteht man den Schutz für alle. „Eine Impfung schützt nicht nur das geimpfte Kind selbst vor einer Ansteckung: Da dieses Kind die Krankheit nicht mehr verbreitet, kann es andere Menschen nicht in Gefahr bringen. So werden auch noch nicht geimpfte Babys und unfreiwillig nichtgeimpfte Kinder und Erwachsene mitgeschützt", sagt Professor Berthold Koletzko. Auch Epidemien werden so verhindert: Wenn genügend Menschen geimpft sind, mindestens 95 Prozent, reißt die Übertragungskette ab und die Krankheit kann sich nicht weiter verbreiten.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 03.06.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Stiftung Kindergesundheit vom 02.05.2019: Stiftung Kindergesundheit informiert über die oft unterschätzten Risiken einer besonders ansteckenden Infektionskrankheit
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