Zecken: Das erwartet uns dieses Jahr

Das Jahr 2018: Eine Tropen-Zecke wird entdeckt und so viele FSME-Erkrankungen wie seit 19 Jahren nicht mehr diagnostiziert. Was erwartet uns in der diesjährigen Zeckensaison?

Zeckenwarnung © iStock
(Stuttgart – 08.03.2019) Im vergangenen Jahr meldete die Universität Hohenheim in Stuttgart die ersten Funde der tropischen Hyalomma-Zecke in Deutschland. Auch die klassische Holzbock-Zecke war 2018 besonders aktiv: Bundesweit erkranken 583 Menschen an der von ihr übertragenen Hirnhautentzündung. Die meisten Krankheitsfälle treten in Baden-Württemberg auf, gleichzeitig benennt das Robert-Koch-Institut neue Risikogebiete.

Die Hyalomma-Zecke

Hyalomma-Zecke © Uni Hohenheim/Marco DrehmannGeringelte Beine und deutlich größer als die
europäische Holzbock-Zecke – die
Hyalomma-Zecke ist gut zu identifizieren.
Sie ist doppelt bis dreimal so groß wie ihre europäischen Verwandten und hat auffällig geringelte Beine: die tropischen Hyalomma-Zecke. Im Jahr 2018 wurden erste Exemplare in Deutschland gefunden. Die beiden Arten Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes stammen ursprünglich aus den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Südeuropas. Nach Deutschland wurde sie vermutlich durch Vögel eingeschleppt. „Der Klimawandel scheint es der Hyalomma-Zecke zu erlauben, auch dauerhaft in Deutschland Fuß zu fassen“, sagt Prof. Dr. Mackenstedt, Parasitologin und Expertin für Zecken an der Universität Hohenheim. Auch in ihrem Jagdverhalten unterscheidet sich die neue Art von ihren europäischen Verwandten: Letztere klettern an Gräsern, Kräutern und Büschen in die Höhe, wo sie sich von Wildtieren und Wanderern abstreifen lassen. „Die Hyalomma-Zecke jagt dagegen aktiv: Sie erkennt Warmblütler auf Distanzen von bis zu zehn Metern und kann sie über mehrere 100 Meter verfolgen“, so Prof. Dr. Mackenstedt.

Wie weit die neue Art auch Krankheiten überträgt, ist noch unklar „In ihrer Heimat gilt die Hyalomma-Zecke als Überträgerin einiger Krankheitserreger. Dazu gehören die Erreger des sogenannten Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers, des Arabisch Hämorrhagischen Fiebers und einer Form des Zecken-Fleckfiebers.“ Die Bakterienart (Rickettsien), die unter anderem das Zecken-Fleckfieber auslöst, wurde in einigen Zecken, die in Deutschland gefundenen wurden, nachgewiesen. Die Erreger der hämorrhagischen Fieber-Formen bislang jedoch noch nicht.

Erwachsene Zecken bevorzugen große Tiere als Wirte, auf die sie sich aktiv bis zu 100 Meter zubewegen. Larven und Nymphen befallen vor allem Vögel und Kleinsäuger. Sie bleiben bis zu 28 Tage auf ihrem Wirt. Vor allem Reiterinnen und Reiter sollten beim täglichen Pferdestriegeln aufmerksam sein, da die Hyalomma-Zecke gern auch große Säugetiere befällt. Festgebissene Zecken am besten, wie europäische Zecken, mit Zeckenzange, Zeckenkarte oder Pinzette entfernen.

Um die Ausbreitung und mögliche Gefahren durch die neue Hyalomma-Zecke zu erforschen, bittet die Zecken-Expertin Prof. Dr. Mackenstedt nun die Bevölkerung um Mithilfe: „Wir sind dankbar um jede eingesandte Hyalomma-Zecke, die wir im Labor erforschen können.“

2018: Rekordjahr für FSME-Erkrankungen

Auch in anderer Hinsicht war das vergangene Jahr 2018 auffällig: „Die hohen Temperaturen und eine hohe Aktivität der Zecken bescherten uns auch ein Rekordjahr an FSME-Erkrankungen“, sagt PD Dr. Gerhard Dobler, Mikrobiologe und Leiter des Nationalen Konsiliarlabors für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr.

Bundesweit erkrankten 583 Menschen an der eigentlich vermeidbaren Erkrankung. „Diese hohen Krankheitszahlen sind eigentlich unnötig“, so Prof. Dobler. Anders als zum Beispiel in Österreich sind in Deutschland nur 20 bis 40 Prozent der Bevölkerung gegen FSME geimpft. Die Krankheitszahlen in Deutschland liegen deshalb rund viermal höher als Österreich, wo 80 Prozent der Bevölkerung durch eine Impfung geschützt sind.

Deutschland wird zum bundesweiten Risikogebiet

Im Jahr 2018 wurden die meisten Krankheitsfälle nicht mehr aus Bayern, sondern aus Baden-Württemberg gemeldet. Zum besonderen Risikogebiet entwickelt sich der Landkreis Ravensburg. Doch auch in nördlicheren Bundesländern verbreitet sich der FSME-Erreger. „Erstmals finden wir 2018 mit dem Landkreis Emsland auch in Niedersachsen ein Risikogebiet“, sagt PD Dr. Dobler. „Generell beobachten wir seit einigen Jahren, dass sich das Risiko nicht mehr lokal eingrenzen lässt“, sagt Prof. Mackenstedt. Manche HotSpots mit besonders hohem Krankheitsrisiko bleiben über Jahre stabil. Andere tauchten von Jahr zu Jahr neu auf, verschieben sich und verschwinden wieder. „Im vergangenen Jahr trat jede fünfte Erkrankung außerhalb der bekannten Risikogebiete auf.“

„Ein Fazit ist, dass man dem FSME-Risiko in Deutschland nicht mehr ausweichen kann“, sagt Prof. Mackenstedt. Das gilt nicht nur für Waldgebiete, sondern auch für Grünanlagen oder den eigenen Garten, wie die Universität Hohenheim bereits zwischen 2014 bis 2016 in Studien belegt hat.

Grund zur Panik ist dies jedoch keiner: „Unsere Nachbarländer machen uns vor, wie erfolgreich eine möglichst flächendeckende Impfung die Krankheitszahlen nach unten drückt.“ Die Impfung wird von der Krankenkasse bezahlt und wird in endemischen Regionen für die ganze Familie empfohlen.

Hirnhautentzündung oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

FSME-Erreger werden durch europäische Zecken wie den europäischen Holzbock übertragen. In den Risikogebieten liegt die Wahrscheinlichkeit einer FSME-Infektion nach einem Zeckenstich bei 1:50 bis 1:100. Danach treten nach zirka zehn Tagen grippeähnliche Symptome auf. Bei zirka einem Drittel der Betroffenen kommt es nach vorübergehender Besserung zu einem erneuten Fieberanstieg und der zweiten Krankheitsphase. Bei leichten Verläufen klagten die Patienten vorwiegend über starke Kopfschmerzen. Bei schwereren Verläufen sind Gehirn und Rückenmark beteiligt. Zu den Symptomen gehören Koordinationsstörungen, Lähmungen, Sprach- und Sprechstörungen sowie Bewusstseinsstörungen und epileptische Anfälle. Für etwa ein Prozent der Betroffenen endet die Krankheit tödlich. Ist die Krankheit erst einmal ausgebrochen, können nur die Symptome therapiert werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.03.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressmitteilung der Universität Hohenheim vom 27. Februar 2019: Tropen-Zecken in Deutschland: Uni Hohenheim bittet um Zusendung auffälliger Zeckenfunde