Hepatitis: Warum die Leber versagt

Warum kann eine Infektion mit Hepatitis-Viren zu Leberversagen führen? Der Grund ist ein anderer, als bisher gedacht.

Arzt untersucht Leber © iStock
(München – 06.02.2019) Eine Infektion mit Hepatitis-Viren kann im schlechtesten Fall zum Leberversagen führen. Ein Team der Technischen Universität München fand nun den Grund: Immunzellen greifen Zellen des Blutgefäßsystems an und stören so die Blut- und Nährstoffversorgung des Organs. Erst das ruft die massiven Schäden hervor, die zum Leberversagen führen. Sie identifizierten im Tiermodell einen Wirkstoff, der diese tödlichen Prozesse verhinderte.

Verlauf einer Hepatitis-Infektion

Eine Infektion der Leber mit Hepatitis-Viren, wie dem Hepatitis-B-Virus, kann sehr unterschiedlich ablaufen: Die Leberentzündung (Hepatitis) kann problemlos ausheilen, chronisch werden, so dass eine lebenslange Einnahme von Medikamenten notwendig ist oder sie kann fulminant verlaufen – das heißt, dass sie sich schnell und schwerwiegend entwickelt. Die immunvermittelten Schäden in der Leber sind dann so stark, dass es zum Leberversagen kommt und als letzte mögliche therapeutische Maßnahme nur noch eine Lebertransplantation bleibt.

Wie und wo Hepatitis-Viren wirken

Das Ziel der Hepatitis-Viren sind die Leberzellen, sogenannte Hepatozyten. Das Immunsystem versucht die Infektion dadurch in den Griff zu bekommen, indem sie mithilfe von bestimmten Immunzellen, den T-Killerzellen, die infizierten Leberzellen angreift und abtötet. Bisher wurde angenommen, dass dieser Prozess für die starken Organschäden bei einer akuten Hepatitis verantwortlich ist. Wissenschaftler der Technischen Universität München, der Universität Würzburg und der Universität Bonn haben nun eine ganz andere Erklärung für das Problem gefunden: Nicht der Tod der Leberzellen, sondern Defekte im Blutgefäßsystem sind die Gründe für das Versagen des Organs.

Störung der Blutversorgung durch Immunzellen

In der Leber gibt es wichtige Zellen, die sinusoidale Leberendothelzellen. Sie sind die Verbindung der Leberzellen zum Blutgefäßsystem und regeln den Austausch von Nähstoffen und Sauerstoff mit dem Blut. Sie haben zudem die Fähigkeiten kleine Teile von Viren auf ihrer Außenseite zu präsentieren, ähnlich wie Zellen des Immunsystems. Die Forscher beobachteten, dass die T-Killerzellen diese Virenstücke spezifisch erkannten. Die Immunzellen hielten sinusoidale Leberendothelzellen für infizierte Leberzellen und töteten sie. Dafür nutzten sie Proteine, die sich in die Zellmembran der Zielzelle einbauen und eine Pore bilden. Diese sogenannten Perforine durchlöchern die Membran und zerstören die Zelle.

„Wir haben beobachtet, dass das Abtöten der sinusoidale Leberendothelzellen durch die Immunzellen massive Auswirkungen auf das Lebergewebe hat. Der Blutfluss in der Leber ist stark gestört und das führt dazu, dass sehr viele – auch nicht-infizierte – Leberzellen sterben. Die Auswirkung dieser Immunantwort ist sehr viel dramatischer als der Angriff auf die eigentlich infizierten Leberzellen.", sagt Dr. Dirk Wohlleber, Forschungsgruppenleiter an der Technischen Universität München. Möglich war diese Erkenntnis nur, weil die Wissenschaftler ein neues Mausmodell entwickelten, das ausschließlich diesen fulminanten Verlauf der Virushepatitis nachbildet.

Therapie mit Perforin-Inhibitoren: im Mausmodell erfolgreich

„Erst jetzt, wo wir den eigentlichen zerstörerischen Mechanismus bei einer akuten Hepatitis kennen, können wir auch bei der Hepatitis-Therapie in neue Richtungen denken und diesen Prozess gezielt angreifen.", sagt Percy Knolle, Professor für Molekulare Immunologie. Die Forscher konnten in ihrem Mausmodell zeigen, dass ein neuer Wirkstoff eine fulminante Hepatitis verhindert. Es handelt sich dabei um einen Perforin-Inhibitor, der die Porenbildung durch Killer-T-Zellen verhindert und damit auch den Angriff auf sinusoidale Leberendothelzellen hemmte. Die Mäuse konnten durch den Einsatz des Wirkstoffs vor einer fulminanten Hepatitis bewahrt werden, weil die sinusoidale Leberendothelzellen und damit die Blutversorgung der Leberzellen intakt blieben.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.02.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Technischen Universität München vom 19. Dezember 2018: Hepatitis: Störung in der Blutversorgung als Ursache für Leberversagen