Rückgang der HIV-Neuinfektionen

Gute Nachricht zum Welt-Aids-Tag: Im Jahr 2017 haben sich in Deutschland weniger Menschen mit dem HI-Virus infiziert als im Vorjahr. Die Gründe dafür und alle wichtigen Daten zu HIV und AIDS in Deutschland.

Rote Schleifen © iStock
(Berlin – 30.11.2018) Anlässlich des Welt-AIDS-Tages am 1. Dezember hat das Robert Koch-Institut neue Zahlen zum HIV/AIDS-Geschehen in Deutschland veröffentlicht. Im Jahr 2017 haben sich etwa 2.700 Menschen in Deutschland mit HIV infiziert, die Zahl der Neuinfektionen ist damit gegenüber 2016, mit 2.900 Neuinfektionen, leicht gesunken. Bei Männern, die Sex mit Männern haben, ist die Zahl der geschätzten Neuinfektionen deutlich zurückgegangen.

Gründe für den Rückgang der HIV-Infektionen

„Dank der erfolgreichen Präventionsarbeit und der guten Behandlungsmöglichkeiten gehört Deutschland bereits zu den Ländern mit den niedrigsten HIV-Neuinfektionsraten in Europa. Aber der Kampf gegen HIV und AIDS ist damit noch lange nicht vorbei. Wir wollen die Zahl der Neuinfektionen weiter senken. Deswegen haben wir den Verkauf von HIV-Selbsttests freigegeben. Und deswegen haben wir die Kassen verpflichtet, den medikamentösen Schutz gegen eine Infektion (PrEP) für Menschen mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko zu übernehmen. Deutschland will seinen Beitrag leisten, HIV und AIDS endgültig zu besiegen.“, sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Viele wissen nicht, dass sie HIV-positiv sind

„In Deutschland gibt es geschätzt 11.400 Menschen mit HIV, die nicht wissen, dass sie infiziert sind. Freiwillige Selbsttests und niedrigschwellige Testangebote, auch für Menschen ohne Krankenversicherung, sind daher wichtig, damit Menschen mit HIV-Infektion behandelt werden können“, sagt Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts. Grundsätzlich gilt: Sobald durch die Therapie die Viruslast stabil gesenkt wurde, werden keine Übertragungen mehr beobachtet. „Die effektive und frühe Behandlung nach der Diagnose, der Ausbau zielgruppenspezifischer Testangebote und die gestiegene Testbereitschaft der Betroffenen sind wesentliche Gründe für die sinkende Zahl der HIV-Neuinfektionen“.

Daten und Fakten: HIV und AIDS in Deutschland

Insgesamt lebten Ende 2017 geschätzt 86.100 Menschen mit HIV in Deutschland. Die größte Betroffenengruppe sind nach wie vor Männer, die Sex mit Männern haben – rund 53.000 Männer. Daneben gibt es zirka 11.000 heterosexuelle Männer und Frauen und etwa 8.100 intravenös spritzende Drogengebrauchende, die das HI-Virus in sich tragen. Die Trends der Neuinfektionen sind in den jeweiligen Gruppen unterschiedlich. Bei Männern, die mit Männern Geschlechtsverkehr haben, ist die Zahl der geschätzten Neuinfektionen zurückgegangen – von 2.300 im Jahr 2013 auf 1.700 in 2017. Im Gegensatz dazu scheint die Zahl der Neuinfektionen bei Heterosexuellen und intravenös spritzenden Drogengebrauchenden auf niedrigem Niveau etwas zu steigen. Bei Drogengebrauchenden könnte der vermehrte Gebrauch neuer psychoaktiver Substanzen, der zum Teil mit hohen Injektionsfrequenzen verbunden ist, eine Rolle spielen.  

Menschen, bei denen die HIV-Infektion erst nach vielen Jahren erkannt wird, leiden oft an Erkrankungen, die in ihrer Gesamtheit als AIDS bezeichnet werden. Etwa ein Drittel aller Menschen hat bei der HIV-Diagnose in Deutschland bereits ein sehr geschwächtes Immunsystem und knapp die Hälfte davon eine AIDS-Erkrankung. Das kann zu Komplikationen bei der Behandlung, langfristigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen sowie einer sinkenden Lebenserwartung führen. Wenn sogenannte HIV-Indikatorerkrankungen, wie Tuberkulose oder eine durch Pilze verursachten Pneumonie auftreten, sollte generell ein HIV-Test durchgeführt werden. Rund 450 Menschen sind gemäß der neuen Schätzung vom Robert-Koch-Institut von 2017 mit oder an HIV gestorben.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 30.11.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Gemeinsame Pressemitteilung des Bundesministeriums für Gesundheit und des Robert Koch-Instituts vom 22.11.2018: Rückgang der HIV-Neuinfektionen – BM Spahn: „Wir wollen die Zahl der Neuinfektionen weiter senken"
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