FSME-Virus wirft Fragen auf

Verbreitet sich das Virus Frühsommer-Meningoenzephalitis – kurz FSME – weiter? Vergangenes Jahr erkrankten so viele Menschen wie seit 2007 nicht mehr, das Virus dringt nach Norden vor und neue Zeckenarten – potentielle Wirte von FSME – wurden in Deutschland gesichtet. Die neuesten Forschungserkenntnisse und wie Sie sich vor FSME schützen.

Achtung Zecken © iStock
(Köln, Stuttgart – 20.04.2018) – 499 Menschen erkrankten vergangenes Jahr an FSME – so viele, wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Vor allem Zecken übertragen die Virusinfektion. Die Viren können eine Entzündung des Gehirns, der Hirnhäute oder des Rückenmarks hervorrufen. PD Dr. Dobler an der Universität Hohenheim warnt, die Krankheit zu unterschätzen: „Zu den schweren Krankheitsverläufen gehören Lähmungen, Koma, Krampfanfälle, Defektheilungen und vereinzelt auch Todesfälle.“ Erwachsene und Kinder sind gleichermaßen betroffen.

Anstieg der FSME-Erkrankungen im Jahr 2017

Knapp 500 Menschen infizierten sich im letzten Jahr mit dem FSME-Virus – nur 2007 gab es mehr Fälle. In Eurasien treten schätzungsweise mehr als 10.000 Erkrankungsfälle jährlich auf. Den deutlichsten Anstieg in Deutschland gab es entlang des Alpenkamms. Dagegen ist die Zahl der Erkrankungsfälle beispielsweise in Unterfranken im Jahr 2017 deutlich zurückgegangen. Auch in Baden-Württemberg ist die Zahl der Erkrankungen 2017 ungewöhnlich hoch gewesen, bestätigt Dr. Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Stuttgart.

Warum sich vergangenes Jahr besonders viele Menschen mit FSME infizierten, ist unklar. Ein Grund für die hohe Erkrankungszahl könnte das Wetter gewesen sein, so Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Parasitologin der Universität Hohenheim: „Im Sommer 2017 gab es eine große Kältewelle. Zwei Wochen später wurde es sehr warm und wieder zwei Wochen später gab es einen großen Krankheitsausbruch. Vermutlich lag das daran, dass es nach den kalten Tagen Menschen gerade zu dem Zeitpunkt massiv ins Freie trieb, als die jahreszeitlich höchste Aktivität von Ixodes ricinus, der am weitesten verbreiteten Zeckenart, stattfand.“

Verbreitung des FSME-Virus in Deutschland

Vor allem in Süddeutschland ist die Gefahr, sich mit FSME zu infizieren besonders hoch. 85 Prozent der Erkrankungsfälle traten in Bayern und Baden-Württemberg auf. Auch im südlichen Hessen (Odenwald) und im südöstlichen Thüringen ist das Risiko besonders hoch. Außerdem betroffen: die Landkreise Marburg-Biedenkopf (in Mittelhessen), Saar-Pfalz-Kreis (im Saarland), Birkenfeld (in Rheinland-Pfalz) und Vogtlandkreis (in Sachsen).

Neu ist, dass sich die Krankheit nach Norden hin ausbreitet: „Die Statistik zeigt uns ganz neue Hot-Spots in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Zum allerersten Mal erhalten wir sogar Erkrankungsberichte aus den Niederlanden“, so Prof. Mackenstedt.

Neue Zeckenarten werden heimisch

Laut der Universität Hohenheim ist die Gefahr, die bisher von neuen Zeckenarten in Deutschland ausgeht noch unklar. 2016 stießen Forscher beispielsweise auf eine in Deutschland neue Art – Ixodes inopinatus. Sie wanderte wohl aus dem Mittelmeerraum ein. Dazu sagt so Prof. Dr. Mackenstedt: „Noch ist nicht klar, wie lange diese Art schon in Deutschland heimisch ist und ob sie als FSME-Überträgerin in Frage kommt.“ Hingegen stießen Parasitologen der Universität Hohenheim und Virologen des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr und der Uni Leipzig 2016 erstmals auf das FSME-Virus in der Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) – diese Zecke wandert zunehmend ein.

Lange Kleidung schützt vor Zecken

Zecken können neben FSME auch weitere Krankheiten, wie Borreliose, übertragen. Deshalb sollten Sie sich, auch wenn Sie nicht in FSME gefährdeten Gebieten leben, mit langen Hosen, langärmligen Oberteilen, Strümpfen und festem Schuhwerk vor diesen Tieren schützen. Zeckenabweisende Mittel bieten nur einen kurzfristigen Schutz. Zecken sitzen im Gras, Gebüsch oder Unterholz. Wenn Sie in diesen Gebieten unterwegs waren, sollten Sie danach Ihren Körper und die Kleidung sorgfältig absuchen und, wenn Sie Zecken gefunden haben, diese umgehend entfernen.

Achtung bei Rohmilch

Rohmilch, vor allem von Weidetieren, kann das FSME-Virus ebenfalls übertragen. Tatsächlich ist das Krankheitsrisiko nach dem Verzehr von FSME-infizierter Rohmilch um das Dreifache höher, als nach dem Biss einer infizierten Zecken – eine Impfung schützt in diesem Fall. Daher sagt Prof. Dr. Mackenstedt: „Wer Rohmilch-Produkte in einem Risikogebiet für FSME zu sich nimmt, muss gegen FSME geimpft sein!“.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.04.2018
  • Autor/in: Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Universität Hohenheim vom 06.03.2018: Zecken: Neue Arten & FSME-Hot-Spots könnten Krankheits-Risiko erhöhen
  • Pressemitteilung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) vom 16.03.2018: Zecken werden wieder aktiv. BZgA informiert über FSME-Risikogebiete und Impfschutz