HIV: oft späte Diagnose

Zehntausende Europäer haben sich mit dem HI-Virus infiziert – und wissen nichts davon. In Deutschland ist die Situation etwas besser.

Frau mit AIDS-Schleife in der Hand © iStock
(Kopenhagen/Stockholm – 01.12.2017) Zum heutigen Welt-AIDS-Tag gibt es keine guten Nachrichten aus Europa: Die Europäische Region ist weltweit die einzige WHO-Region, in der die Zahl der HIV-Neuinfektionen noch steigt. Dieser Trend setzte sich auch 2016 mit über 160.000 HIV-Neudiagnosen in der Europäischen Region – darunter 29.000 Fälle aus den Ländern der Europäischen Union (EU) und des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) – fort. „Die HIV-Epidemie breitet sich in der Europäischen Region weiter mit alarmierender Geschwindigkeit aus – vor allem im östlichen Teil der Region, auf den fast 80 Prozent der insgesamt 160.000 HIV-Neudiagnosen entfallen. Das ist die bisher höchste registrierte Zahl von neuen Fällen innerhalb eines Jahres. Wenn dieser Trend sich fortsetzt, werden wir die in den Zielen für nachhaltige Entwicklung enthaltene Zielvorgabe, die HIV-Epidemie bis 2030 zu beenden, nicht erfüllen können“, sagt Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa.

Diagnose oft erst in spätem Stadium

Ein Grund für diese besorgniserregende Entwicklung liegt darin, dass bei über der Hälfte aller Betroffenen in der Europäischen Region die Diagnose erst in einem späten Stadium der Infektion erfolgen. „Eine verspätete Diagnose – vor allem bei Hochrisikogruppen – hat eine verspätete Behandlung zur Folge und trägt zur weiteren Ausbreitung des HIV bei. Je später eine Person diagnostiziert wird, desto wahrscheinlicher wird sie an AIDS erkranken, wodurch sich ihr Leiden und auch ihr Sterberisiko erhöhen“, so Jakab.

Durchschnittlich vergehen in Europa von der Infektion bis zur HIV-Diagnose drei Jahre – eine lange Zeit, in der das Virus weiterübertragen werden kann. Und oft bricht bei den Infizierten nur wenige Monate nach der HIV-Diagnose die Krankheit AIDS aus. Das spricht dafür, dass sich die Patienten bereits Jahre zuvor mit dem Virus infiziert haben.

In Deutschland ist die Situation nicht ganz so dramatisch: Laut Schätzungen des Robert Koch-Instituts wissen hierzulande 12.700 Betroffene nichts von ihrer Infektion – das entspricht etwa 14 Prozent. Bedenklich ist jedoch: Die Zahl der nicht diagnostizierten HIV-Infektionen steigt kontinuierlich an.

Warum eine frühe Diagnose so wichtig ist

Eine frühzeitige HIV-Diagnose ist wichtig, da sie den Betroffenen einen früheren Therapiebeginnermöglicht, was wiederum ihre Chancen auf ein langes und gesundes Leben erhöht. Darüber hinaus verringert eine frühzeitige Behandlung das Risiko
  • einer Weiterübertragung des HIV, da sie zu einer nicht nachweisbaren Viruslast führt, das Virus also nicht mehr auf andere Personen übertragen werden kann,
  • einer Ausbildung von AIDS (die Zahl der AIDS-Fälle hat sich in den vergangenen zehn Jahren im östlichen Teil der Europäischen Region fast verdoppelt) und
  • einer Ansteckung mit und einer Erkrankung an Tuberkulose, der häufigsten AIDS-definierenden Erkrankung in der Europäischen Region – insbesondere im östlichen Teil.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 01.12.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Die Hälfte aller mit HIV lebenden Menschen in der Europäischen Region erhalten eine verspätete Diagnose: ECDC und WHO fordern dringend Verbesserungen bei den Testverfahren
  • Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin vom 23.11.2017
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