HIV bei Frauen

Bei vielen Frauen wird eine HIV-Infektion erst spät diagnostiziert. Oft ist es dann schon zu gefährlichen Gesundheitsschäden gekommen.

AIDS-Schleife in Frauenhand © Thinkstock
(Düsseldorf – 17.03.2016) Viele Frauen erfahren erst, dass sie HIV-positiv sind, wenn sich bei ihnen lebensbedrohliche Erkrankungen entwickeln. Häufig schöpfen Ärzte und die Frauen selbst über lange Zeit sogar dann keinen Verdacht, wenn bereits hartnäckig wiederkehrende, schwere Infektionen oder sehr rasch wachsende Krebserkrankungen aufgetreten sind. Da HIV oft mit Drogenkonsum und häufig wechselndem, ungeschütztem Sex assoziiert wird, denken viele Ärzte und Patientinnen nicht an HIV – oder es bestehen Hemmungen, das Thema anzusprechen. Auch die Vorstellung, dass eine HIV-Infektion nur bei jüngeren Frauen in Betracht kommt, ist falsch: Das durchschnittliche Alter bei der Diagnose sind 34 Jahre. Im Jahr 2014 war die älteste Frau, bei der eine Infektion neu diagnostiziert wurde, 76 Jahre alt.

HIV bei der Diagnose oft schon im Spätstadium

Dass HIV-Infektionen bei Frauen oft über einen langen Zeitraum übersehen werden, belegen die Statistiken des Robert Koch-Instituts: Eine HIV-Infektion wurde im Jahr 2013 in Deutschland bei 2838 Männern und bei 463 Frauen diagnostiziert. Im Spätstadium der Erkrankung befanden sich zu diesem Zeitpunkt 30 Prozent der infizierten Männer, bei den infizierten Frauen waren es bereits 54 Prozent. Hinzu kommt: Je älter die Patientin und je kleiner der Wohnort, umso häufiger wird die Krankheit erst spät diagnostiziert. „Oft sind bei so späten Diagnosen bereits irreparable Gesundheitsschäden entstanden“, sagt Steffen Taubert von der Deutschen AIDS-Hilfe.

Eine HIV-Infektion lässt sich heute in den allermeisten Fällen gut beherrschen, wenn sie frühzeitig entdeckt wird. „Frauen, die irgendwann im Leben einmal ein HIV-Risiko hatten, sollten keine Scheu haben, einen HIV-Test durchführen zu lassen“, rät Taubert.

HIV-Test beim Gesundheitsamt oder Frauenarzt

Beim örtlichen Gesundheitsamt wird der HIV-Test kostenlos oder gegen geringe Gebühr und anonym durchgeführt. Eine weitere Möglichkeit: in der Frauenarztpraxis des Vertrauens um eine Untersuchung bitten. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten im Rahmen der Schwangerenvorsorge oder wenn Symptome einen Test nahelegen. Auch bei einem bedeutsamen Übertragungsrisiko wird der Test gezahlt. Ein erhöhtes Risiko besteht zum Beispiel auch bei Entzündungen oder anderen Schleimhautschäden im Intimbereich oder – bei oralen Praktiken – im Mund-Rachen-Raum.

Auch auf andere Geschlechtskrankheiten testen lassen

Über Sex werden auch andere sexuell übertragbare Infektionen (sexually transmitted diseases, kurz STD) übertragen, die aufgrund der Schleimhautschäden das Risiko für eine HIV-Übertragung erhöhen. Frauen mit häufig wechselnden Partnern sollten sich deswegen regelmäßig auf Syphilis, Chlamydien und andere STD testen lassen. „Kondome schützen zuverlässig vor HIV und reduzieren zwar das Risiko, sich mit anderen sexuell übertragbaren Infektionen anzustecken“, erklärt der Experte. „Die meisten Geschlechtskrankheiten sind aber viel leichter übertragbar als HIV – das Kondom kann sie nicht immer verhindern.“

HIV-Infektion und Schwangerschaft

Durch eine frühzeitige Behandlung der Infektion ist es heute auch für HIV-positive Frauen möglich, schwanger zu werden und ein Kind mit einer natürlichen Geburt zu bekommen. Die beste Chance haben Mutter und Kind, wenn die Infektion spätestens bei Beginn der Schwangerschaft entdeckt wird. Deshalb sollten Frauen auch das Angebot zum HIV-Test im Rahmen der Schwangerenvorsorge wahrnehmen, empfiehlt Taubert. Im Vorsorgepass wird auf Wunsch der Frau lediglich eingetragen, dass eine Beratung stattgefunden hat, nicht aber, dass ein Test durchgeführt wurde und welches Ergebnis der Test hatte. So können Dritte, die den Mutterpass in die Hände bekommen – zum Beispiel Flugpersonal im Zusammenhang mit einer Flugreise – nicht erkennen, ob der Test positiv war.

Im Laufe der Schwangerschaft kann mit geeigneten Medikamenten, die das Baby nicht schädigen, die Viruslast so weit gesenkt werden, dass eine Übertragung der Erreger auf das Kind während der Geburt faktisch ausgeschlossen ist. Zur Sicherheit bekommt das Baby nach der Geburt als Prophylaxe für eine kurze Zeit ebenfalls Medikamente gegen die Viren.  Eine Übertragung von HIV auf das Kind lässt sich mit diesen Maßnahmen fast immer verhindern.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.03.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Berufsverbands der Frauenärzte e.V. und der Frauenärztlichen BundesAkademie GmbH: HIV-Test kommt bei vielen Frauen viel zu spät
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