Zecken! Jetzt schon?

Zecken sind inzwischen fast das ganze Jahr aktiv – auch in unseren Gärten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle deutsche Studie.

Zecke © Thinkstock
(Hohenheim – 11.03.2016) Der Lebensraum der Zecken beginnt vor der Haustür – so lautet das wichtigste Ergebnis einer aktuellen Studie der Universität Hohenheim, für die rund hundert Gärten im Großraum Stuttgart untersucht wurden. Aufgrund des Klimawandels sind die Spinnentiere auch nicht mehr nur im Sommer, sondern fast ganzjährig aktiv, so Prof. Dr. Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim.

Insgesamt rund 220 Menschen erkrankten in Deutschland im vergangenen Jahr an der Hirnhautentzündung FSME, die durch Zecken übertragen wird – eine verhältnismäßig geringe Zahl. Auch 2014 war die Zahl mit 265 gemeldeten Fällen unterdurchschnittlich: 2013 waren es noch 420. Doch der Trend ist trügerisch, so die Zeckenexpertin: „Grund für die rückläufigen Zahlen sind zwei besonders heiße und trockene Sommer. Bei solchen Temperaturen sind weder Mensch noch Ixodes ricinus – der Gemeine Holzbock – sonderlich aktiv, sodass beide nicht zusammenkommen.“

Die Zecke wird zum fast ganzjährig aktiven Tier

Gleichzeitig bewirkt das veränderte Wetter jedoch, dass Zecken bereits ab Februar und bis in den Dezember hinein aktiv sind. Die Gefahr: „Wir sind es nicht gewohnt, in den ehemals kalten Monaten mit Zeckenstichen zu rechnen und schützen uns nicht entsprechend“, sagt Mackenstedt. Auch Ärzte seien noch nicht unbedingt gewohnt, bei FSME-Symptomen außerhalb des Sommers gleich an Hirnhautentzündung zu denken. Doch: „Der Klimawandel hat die Zecke in Deutschland zu einem quasi ganzjährig aktiven Tier gemacht.“

Gärten werden als Zecken-Lebensraum unterschätzt

Auch in anderer Hinsicht wähnen sich viele Menschen laut Expertin in trügerischer Sicherheit – im eigenen Garten. Zu Unrecht: „Wer aus der Haustür tritt, steht im Lebensraum der Zecken.“ Seit 2014 kontrolliert die Parasitologin rund hundert Gärten im Großraum Stuttgart regelmäßig auf Zecken. Das Ergebnis: „Inzwischen können wir in 60 Prozent aller Gärten Zecken nachweisen – in Einzelfällen fanden wir in einer halben Stunde bis zu 800 Tiere.“ Bislang beschränken sich die Untersuchungen auf den Raum Stuttgart. „Wir können jedoch davon ausgehen, dass sich die Ergebnisse auf andere Städte übertragen lassen“, sagt Mackenstedt.

Vögel, Haus- und Wildtiere schleppen Zecken ein

Zur Überraschung der Studienleiterin scheinen sich die Blutsauger in ganz unterschiedlichen Umgebungen wohlzufühlen – vom verwilderten Garten am Waldrand bis zum akkurat gepflegten Stadtgarten. Faktoren wie ein naher Wald, Unterholz und hohes Gras begünstigen zwar große Zeckenpopulationen, sind aber keinesfalls Voraussetzung. „Selbst in kleinen und gepflegten Gärten in den Stadtaußengebieten waren die Zecken noch anzutreffen“, so die Expertin.

Ein Grund für die große Verbreitung sind Haus-, Wild- und Nagetiere: „Wir haben insgesamt drei verschiedene Arten von Zecken gefunden. Eine davon wird vor allem durch Vögel verbreitet.“ Andere seien typisch für Wild- und Haustiere. „Man kann einen Garten nicht zeckenfrei halten“, schlussfolgert Mackenstedt. „Einmal eingeschleppt, bilden sie stabile Populationen.“

Ein weiterer Befund der Studie: Die Tiere breiten sich nicht gleichmäßig in den Gärten aus, sondern beschränken sich mitunter auf extrem kleine Stellen. „In einem Garten fanden wir Zecken nur in einem kleinen Rosmarinstrauch.“ Laut der Parasitologin zeigen die Ergebnisse, dass der Mensch lernen muss, mit Zecken zu leben: „Wir müssen akzeptieren, dass wir die Zecken nicht vollständig vermeiden können. Umso wichtiger ist es, sich entsprechend zu schützen.“

Verbreitungsgebiete in Deutschland weiten sich aus

„Nicht nur im Jahresverlauf, auch geografisch dehnt sich die Aktivität der Zecken aus“, berichtet PD Dr. Gerhard Dobler, Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr und Leiter des Deutschen Konsiliarlabors für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Die Gebiete mit FSME-Vorkommen liegen überwiegend in Baden-Württemberg und Bayern und in kleineren Teilen von Thüringen, Hessen, Sachsen und Rheinland-Pfalz. In den vergangenen Jahren mehrten sich allerdings auch Berichte von FSME-Fällen außerhalb dieser bekannten Verbreitungsgebiete – unter anderem in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Große Bandbreite an übertragenen Krankheiten

„Gleichzeitig ist die Bandbreite der Krankheiten, die durch Zecken übertragen werden, größer als oft bekannt“, berichtet Dr. Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Stuttgart. So können die Spinnentiere Viren, Bakterien und auch Parasiten übertragen. Die bisher wichtigsten Krankheitserreger in Deutschland sind das FSME-Virus und das Bakterium Borrelia burgdorferi sensu lato, das die Lyme-Borreliose auslöst. Aber auch in Zellen lebende Bakterien wie Rickettsien, Anaplasmen, Ehrlichien und Coxiella burnetii, der Erreger des Q-Fiebers, seien laut Experten nachgewiesen worden – und die Liste der Pathogen sei sicher noch nicht abgeschlossen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 11.03.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Universität Hohenheim: Zecken fast ganzjährig und selbst in waldfernen Gärten aktiv
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