Bakterium im Magen

Eine Infektion mit Helicobacter pylori kann Erkrankungen verursachen, soll aber auch nützliche Effekte haben. Also behandeln oder besser nicht?

Frau haelt Bauch © Thinkstock
(Berlin/Leipzig – 28.09.2015) Eine Infektion mit Helicobacter pylori kann zu lebensbedrohlichen Krankheiten wie Magenkrebs und Geschwüren führen. Meistens bleibt sie aber harmlos, und es gibt sogar Hinweise auf nützliche Effekte. Warum ein Befall mit dem Bakterium dennoch in jedem Fall therapiert werden sollte, erläutern Experten auf dem Kongress Viszeralmedizin 2015 der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).  

Helicobacter pylori ist ein Bakterium der Extreme: Es kann sich trotz der Magensäure im Magen des Menschen einnisten, was lange Zeit als unmöglich galt. Und es ist dasjenige Bakterium, mit dem die meisten Menschen chronisch infiziert sind – nämlich rund die Hälfte der Weltbevölkerung. In Ländern mit hohem Lebensstandard wie Deutschland beträgt der Anteil zirka ein Drittel.

Infektion kann zu Folgeerkrankungen führen

„Eine Infektion mit Helicobacter kann zu einer Reihe von Erkrankungen führen“, erklärt Prof. Dr. Joachim Labenz, Chefarzt am Jung-Stilling-Krankenhaus in Siegen. Zu den möglichen Folgeerkrankungen zählen Magenschleimhautentzündungen, Geschwüre im Magen oder im Zwölffingerdarm, Tumore im Lymphgewebe und Magenkrebs. Allerdings bleibt die Infektion in den meisten Fällen symptomfrei – nur bei etwa einem Fünftel der Betroffenen führt sie zu einer Erkrankung. Aus diesem Grund zögern Ärzte und Patienten bei der Diagnose häufig, die Infektion zu behandeln.

Risiko scheint größer als der Nutzen zu sein

„Die Frage ‚behandeln oder nicht?‘ ist eindeutig zu beantworten: Jede Infektion sollte therapiert werden“, so der Experte. Zwar gebe es Hinweise darauf, dass das Bakterium vor bestimmten Erkrankungen schütze – beispielsweise hätten Fettleibigkeit, Sodbrennen und Speiseröhrenkrebs in Ländern mit abnehmender Helicobacter-Durchseuchung zugenommen. Ein direkter Zusammenhang sei aber bisher nicht erwiesen. Zudem sei es noch nicht möglich, zuverlässig eine möglicherweise harmlose von einer riskanten Infektion zu unterscheiden. „Nach kritischer Abwägung aller bisherigen Erkenntnisse, scheint das Risiko einer Infektion weit größer als deren Nutzen zu sein“, sagt Labenz. Schließlich könne ein Träger des Helicobacter jederzeit schwer erkranken. Außerdem reduziere eine erfolgreiche Therapie das Risiko für andere Menschen, ebenfalls von dem Keim befallen zu werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 28.09.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Viszeralmedizin 2015: Helicobacter pylori – Freund, Feind oder beides? Gastroenterologen empfehlen Behandlung des Magenkeims
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