OP nach Blasenentzündung?

Wenn Kinder häufig unter fiebrigen Blasenentzündungen leiden, könnte ein angeborener Defekt des Harnsystems Ursache sein. Wann eine OP nötig ist.

Krankes Kind © Thinkstock
(Düsseldorf – 09.09.2013) Harnwegsinfekte bei Kindern sind in der Regel einfach zu behandelnde Blasenentzündungen. Gehen sie jedoch mit Fieber einher und treten häufiger auf, könnte das Kind an einem angeborenen, sogenannten vesikorenalen Reflux (VUR) leiden. Bei dieser Störung wird der Urin nicht vollständig über die Blase ausgeschieden, sondern der Harn staut sich in die Nieren zurück. Dies kann zu schweren Nierenentzündungen und dauerhaften Nierenschäden führen. Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) informiert darüber, wann bei einem solchen Defekt abgewartet werden kann und wann es sinnvoll ist, ihn chirurgisch zu beheben.

Ventilfunktion gestört

Über die Hälfte aller Säuglinge und Kinder mit einem fieberhaften Harnwegsinfekt und etwa 20 bis 30 Prozent aller Kinder mit häufig wiederkehrenden Blasenentzündungen leiden an dem angeborenen Defekt des Harnsystems. Der Harnleitertunnel ist bei ihnen zu kurz, um die Funktion eines Ventils erfüllen zu können. So fließt Restharn von der Blase zu den Nieren zurück. Dieser Restharn ist besonders anfällig für Bakterien und kann das Nierengewebe schädigen. Bei gesunden Kindern verhindert dies die Ventilfunktion des Harnleiters. „Erkrankt ein Kind fünfmal im Jahr an einer fieberhaften Harnwegsinfektion, beträgt das Risiko, dass es eine Nierennarbe und damit einen messbaren Nierenfunktionsverlust davonträgt, etwa 70 Prozent“, erklärt Professor Dr. med. Maximilian Stehr, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Kinderurologie der DGKCH.

Operation oft nicht nötig

„Wichtigstes Ziel bei Kindern mit dem angeborenen Defekt ist es, fieberhafte Harnwegsinfekte rasch und effektiv zu behandeln oder sie – besser noch – gar nicht erst entstehen zu lassen“, betont Professor Stehr. Ein vesikorenaler Reflux wächst sich, wenn er nicht zu stark ausgeprägt ist, gerade bei kleinen Kindern oft von selbst aus. Eine Operation ist deshalb häufig gar nicht nötig. Die jungen Patienten erhalten dann jedoch über einen längeren Zeitraum ein Antibiotikum, mit dem ein Harnwegsinfekt verhindert werden soll.

Bei einem hochgradigen vesikorenalen Reflux ist dagegen oft ein chirurgischer Eingriff erforderlich. „Dabei bestehen mehrere Möglichkeiten: die endoskopische Unterspritzungsmethode über eine Blasenspiegelung oder eine Operation, die entweder laparoskopisch oder offen chirurgisch durchgeführt werden kann“, sagt der Kinderchirurg. Die Wirksamkeit aller Methoden sei annähernd vergleichbar, wenn auch bei der Unterspritzung noch keine Daten zur Langzeitwirkung vorlägen. Welche Therapie, ob konservativ oder operativ, für die kleinen Patienten mit vesikorenalem Reflux die richtige sei, sei abhängig von vielen verschieden Faktoren wie Alter, Geschlecht, klinischen Beschwerden, aber auch Blasenfunktion und vielem mehr, erklärt Stehr.

Vorbeugende Maßnahmen wichtig

Bestimmte Verhaltensweisen helfen Eltern außerdem, das Risiko von Infektionen zu verringern. So sollten sie Windeln regelmäßig wechseln und ältere Kinder anhalten, regelmäßig zur Toilette zu gehen. Gute Hygiene ist ebenso wichtig wie eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 09.09.2013
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH)
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