Immer mehr Masernfälle

Die Zahl der Masernerkrankungen hat sich 2011 im Vergleich zum Jahr 2010 mehr als verdoppelt. Das Robert Koch-Institut ruft zur Impfung auf.

(Berlin – 02.01.2012) Mehr als doppelt so viele Menschen wie im Jahr 2010 sind 2011 in Deutschland an Masern erkrankt. Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin registrierte bis Jahresende 1.607 Fälle, 2010 waren es nur 780. Häufig sind Jugendliche und junge Erwachsene betroffen, wie RKI-Präsident Reinhard Burger mitteilte. Alle Personen, die nach 1970 geboren seien, sollten sich gegen Masern impfen lassen, sofern der Impfstatus unklar sei, erklärte er.

Masern sind in Deutschland keine reine Kinderkrankheit mehr. „Durch die recht guten Impfquoten bei Kindern erkranken eher Jugendliche und junge Erwachsene“, so Burger. Bei der Schuleingangsuntersuchung hätten 96 Prozent aller Kinder mindestens eine Masernimpfung im Impfausweis stehen, sagte der RKI-Präsident. Allerdings liegt die Impfquote für die zweite Masernimpfung unter 90 Prozent. Sie wird auch häufig nicht, wie empfohlen, im zweiten Lebensjahr gegeben, sondern erst später. „Dies deutet darauf hin, dass die Masernimpfung in vielen Fällen nicht grundsätzlich abgelehnt wird, sondern die zweite Impfung öfter mal vergessen wird“, erklärte Burger.

Masern können in Einzelfällen zum Tod führen

Ließen Eltern ihre Kinder bewusst nicht gegen Masern impfen, könne er dies nicht nachvollziehen, sagte Burger. „Die Masern-Erkrankung ist nicht so harmlos, wie mancher vielleicht denkt. In Einzelfällen kann die Erkrankung sogar tödlich enden oder zu einer bleibenden Schädigung des Gehirns führen“, erklärte er. Man solle auch daran denken, dass man durch die eigene Impfung indirekt andere Menschen schütze – etwa Säuglinge oder Patienten mit Immundefekten, die nicht gegen Masern geimpft werden könnten.

In Ostdeutschland sind die Impfquoten gegen die meisten Erkrankungen, nicht nur Masern, besser als in Westdeutschland. „Auch die Sozialschicht kann einen Einfluss auf die Impfquote haben“, sagte Burger. Die vom RKI durchgeführte Kindergesundheitsstudie KiGGS hat gezeigt, dass Kinder und Jugendliche aus Familien mit hohem Sozialstatus tendenziell weniger gut gegen Masern geimpft sind.

Dass Masern sich im vergangenen Jahr so verbreitet haben, hat zwei Gründe: „Das Virus wird eingeschleppt und es ist ein zu geringer Anteil geimpft“, so der RKI-Präsident. Von 2001 bis 2010 ist die Zahl der jährlich gemeldeten Masernerkrankungen um etwa 85 Prozent zurückgegangen. „Da sich aber nicht alle Menschen impfen lassen, für die es empfohlen ist, nimmt die Anzahl der empfänglichen Personen über die Jahre zwangsläufig zu. Es ist dann nur eine Frage der Zeit, dass eine Viruseinschleppung zu einer fortgesetzten Übertragung in der Bevölkerung führt. Das ist das, was wir 2011 gesehen haben.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 02.01.2012
  • Autor/in: vitanet.de-cw
  • Quellen: dapd
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