Depression und Schlaganfall

Studien zeigen: Menschen, die an einer Depression leiden, haben ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Wie lässt sich dieser unerwartete Zusammenhang erklären?

(Chicago – 22.09.2011) Depressive Menschen haben ein deutlich erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Zu diesem Schluss kommen US-amerikanische Forscher, nachdem sie mehrere Studien mit insgesamt fast 320.000 Teilnehmern ausgewertet haben. Demnach ist bei einer Depression gleichzeitig das Risiko für einen Schlaganfall um fast 45 Prozent erhöht. Das berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Journal of the American Medical Association“ (JAMA).

„Damit liefert diese Analyse starke Belege dafür, dass eine Depression einen wichtigen Risikofaktor für einen Schlaganfall darstellt“, schreiben die Forscher um Studienleiter An Pan von der Harvard School of Public Health in Boston. Bisher sei dieser Zusammenhang unklar gewesen. Die neuen Erkenntnisse ergänzen vorhergehende Studien, die Hinweise auf eine Verbindung zwischen Depressionen und einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen geliefert hatten.

Was ist der Grund für den Zusammenhang?

Warum eine Depression zu einem erhöhten Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko führt, ist noch unklar. Nach Ansicht der Forscher gibt es verschiedene mögliche Ursachen.

Bei einer Depression spielen unter anderem ein veränderter Hirnstoffwechsel und Hormonhaushalt eine wichtige Rolle. Dies könnte dazu beitragen, dass das Risiko für einen Schlaganfall steigt. Um die veränderten Stoffwechselprozesse zu beeinflussen, werden häufig Antidepressive verabreicht. Auch die Gabe dieser Medikamente könnte zum erhöhten Schlaganfallrisiko beitragen. Eine veränderte Immunreaktion und verstärkte Entzündungsneigung, wie sie bei einer Depression auftreten können, sind nach Ansicht der Forscher als Ursache ebenfalls denkbar.

Spielt der Lebensstil eine Rolle?

Aus früheren Studien ist zudem bekannt, dass depressive Menschen eher zu gesundheitsschädlichem Verhalten neigen. Sie bewegen sich oft weniger, rauchen mehr und achten weniger auf eine gesunde Ernährung. Insgesamt sind dies Verhaltensweisen, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.

All diese möglichen Ursachen müssten nun genauer untersucht werden, erklären die Forscher. Unabhängig davon sollten Betroffene und Ärzte bei der Behandlung einer Depression die gefundenen Zusammenhänge im Hinterkopf behalten. So beugt ein bewusst geführter, gesunder Lebensstil mit viel Bewegung nicht nur Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor, sondern kann auch dabei helfen, eine Depression zu überwinden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 22.09.2011
  • Autor/in: vitanet.de-cg
  • Quellen: dapd
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung