Corona-Pandemie und Herznotfälle: Bei Herzinfarkt-Verdacht 112 unbedingt rufen

Bei Verdacht auf Herzinfarkt oder andere Herznotfälle – auch in Zeiten von Corona – sofort den Notruf 112 absetzen. Kliniken sind trotz Corona-Pandemie für Herz- und andere Notfälle gerüstet.

Frau mit Schwindelanfall. © iStock
(Frankfurt am Main – 17.04.2020) Jedes Jahr sterben pro Jahr bundesweit fast 345.000 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, davon rund 47.000 Menschen allein am Herzinfarkt. Unter den Herzinfarkt-Sterbefällen sind auch Menschen im mittleren Alter. Etwa 30 Prozent der Herzinfarktpatienten versterben außerhalb der Klinik, auch weil sie zu spät oder gar nicht den Notarzt (112) alarmieren.
„Bei Herzinfarkt-Verdacht zögern immer noch viele Betroffene davor, den lebensrettenden Notruf 112 abzusetzen, häufig aus Scheu vor dem Rettungswagen vor der eigenen Haustür oder weil die Symptome nicht richtig zugeordnet werden“, sagt der Kardiologe Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Herzinfarkt, aber auch andere Herznotfälle wie eine akut dekompensierte Herzinsuffizienz. oder lebensbedrohliche Herzrythmusstörungen sind keine aufschiebbaren Krankheitsfälle, sondern unterliegen selbstverständlich weiterhin der Notfallversorgung“, sagt Prof. Voigtländer. „Eine Notfallversorgung für diese Patienten ist weiterhin gewährleistet.“

Herzinfarkt in Zeiten der Corona-Pandemie: Wird der Notruf 112 zögerlicher gewählt?

Zu langes Warten bei Herzinfarkt-Verdacht ist besonders gravierend bei Frauen und Männern, die älter als 65 Jahre sind. Bei Ihnen dauert es im Schnitt, laut aktueller MEDEA-Studie, drei bis vier Stunden, bis sie nach dem Auftreten der ersten Herzinfarkt-Symptome in die Notaufnahme gelangen.

„Dieses fatale Verzögerungsverhalten bei Notfallpatienten dürfte sich angesichts der Corona-Pandemie noch deutlich verstärken“, sagt Prof. Voigtländer. „Schließlich gelten mit der Pandemie verbundene Einschränkungen wie eine soziale Distanz besonders für den Schutz der Risikogruppe der über 60-Jährigen mit Vorerkrankungen wie chronische Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese Art Rückzugsgebot dürfte bei diesen Menschen die Hemmschwelle für den Notruf 112 oder den Schritt in die Klinik um ein Weiteres erhöhen.

“Menschen mit Vorbelastung für Herzinfarkt und andere Herzkrankheiten sollten bei Verdacht auf Herzinfarkt sofort den Notruf 112 absetzen. „Der Notarzt ist hier so wichtig, weil der Herzinfarkt jederzeit in Herzkammerflimmern übergehen und der Patient in wenigen Minuten am plötzlichen Herztod versterben kann. Ebenso kann durch den Infarkt ein größerer Teil des Herzmuskels irreparabel zerstört werden und der Patient entwickelt dadurch akut oder auch langfristig eine Herzschwäche“, betont Voigtländer. „Beim Herzinfarkt zählt deshalb jede Minute nach dem Prinzip: Zeit ist Herzmuskel.

Herzinfarkt: Das sind erste Anzeichen

Typische Herzinfarkt-Symptome sind insbesondere plötzlich einsetzende starke Schmerzen, die länger als fünf Minuten anhalten und sich in Ruhe nicht bessern. Häufig: kalter Schweiß, Blässe, Übelkeit, Atemnot, Unruhe und Angst. Die Schmerzen sind überwiegend im Brustkorb, häufig hinter dem Brustbein, bisweilen auch nur im Rücken zwischen den Schulterblättern oder im Oberbauch. Die Schmerzen können in den Arm, den Hals oder Kiefer ausstrahlen.

Bei diesen Warnzeichen sofort zum Arzt!

Generell sollten Betroffene bei den folgenden Warnzeichen umgehend zum Internisten oder Kardiologen.
  • Schmerzen oder ein unangenehmes Engegefühl im Brustkorb (Angina pectoris) und/oder Luftnot
  • Herzrasen mit Einschränkung der Belastbarkeit
  • Hartnäckiges Herzstolpern
  • Kurze Bewusstlosigkeiten (Synkopen)
  • Schwindelanfälle, drohende Bewusstlosigkeiten
Die Ärzte untersuchen, ob eine Herzrhythmusstörung als Folge einer koronaren Herzkrankheit, der Grunderkrankung des Herzinfarkts, oder andere Herzerkrankungen wie Herzklappenerkrankungen oder eine Herzschwäche vorliegt. Unbehandelt können diese Erkrankungen zu schwerwiegenden, auch notfallmäßigen, Komplikationen führen. Die Beschwerden können Warnzeichen auch für mehrere Herzerkrankungen zugleich sein. „Angina pectoris-Beschwerden können Vorboten für eine fortgeschrittene Herzkranzgefäßverengung bis hin zum Herzinfarkt sein, aber auch Anzeichen einer operationsbedürftigen Herzklappeninsuffizienz“, sagt Prof. Voigtländer. Auch Atemnot und Leistungsschwäche sind typische Symptome für eine Herzschwäche oder eine andere Herzproblematik wie Herzklappenerkrankung oder aber Vorhofflimmern. Kurze Synkopen können ein harmloses neurologisches Problem, aber auch Vorboten einer bösartigen Herzrhythmusstörung (Kammerflimmern) sein. „Deshalb sollte man bei diesen Symptomen einen Facharzt aufsuchen“.

Unbemerktes Vorhofflimmern und Schlaganfallgefahr

Bei etwa 50 Prozent der über 1,8 Millionen Betroffenen mit Vorhofflimmern macht sich die Herzrhythmusstörung mit spürbaren Beschwerden wie Herzstolpern und Herzschlag bis zum Hals, Druckgefühl im Brustkorb, Angst, Luftnot, Schwindelgefühl und Leistungsschwäche bemerkbar. Bei Vorhofflimmern ist meistens das Herz völlig außer Takt, es schlägt chaotisch mit einem Puls von bis zu 160 Schlägen pro Minute, selten sogar schneller. Ist der Puls unregelmäßig oder liegt er in Ruhe über 100 Schlägen pro Minute, sollte man den Hausarzt oder Internisten aufsuchen. Bei Vorhofflimmern können schon in wenigen Stunden in den Herzvorhöfen Blutgerinnsel entstehen, die vom Blutstrom mitgeschleppt Arterien verschließen und je nach betroffenem Areal einen Schlaganfall verursachen.

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Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.04.2020
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung vom 20.03.2020: Corona-Pandemie und Herznotfälle: Bei Herzinfarkt-Verdacht keine Scheu vor dem Notruf 112
  • MEDEA-Studie: Comparison of Delay Times Between Symptom Onset of an Acute ST-elevation Myocarclial Infarction and Hospital Arrival in Men and Women
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