Telemonitoring senkt die Sterberate bei Herzschwäche deutlich

Um fast ein Drittel sinkt die Sterberate von Menschen mit chronischer Herzschwäche (Herzinsuffizienz), wenn Sie eine intensive telemedizinische Betreuung erhalten. Das ergibt eine Analyse von Krankenkassendaten.

Arzt hält Stethoskop. © iStock
(Berlin – 06.11.2019) Herzinsuffizienz ist in Deutschland seit Jahren der häufigste Grund für einen Krankenhausaufenthalt. Mehr als 450.000 Patienten, die unter der Herzschwäche leiden, werden jährlich in deutschen Krankenhäusern betreut.

Telemedizinische Betreuung bei Herzinsuffizienz

In den Bundesländern Berlin und Brandenburg wird die Routineversorgung von AOK-Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz durch ein telemedizinisches Betreuungsprogramm der AOK Nordost in Zusammenarbeit mit dem telemedizinischen Betreuungszentrum der Gesellschaft für Patientenhilfe ergänzt. Im Rahmen der Betreuung ermitteln Patienten täglich Symptome und Zeichen der Herzinsuffizienz sowie ihr Körpergewicht. Diese Messwerte werden automatisiert telemetrisch an ein Betreuungszentrum übermittelt und analysiert. Wenn dort Frühwarnzeichen einer Verschlechterung der Erkrankung erkannt werden, informiert dieses schnellstmöglich den Patienten und den betreuenden niedergelassenen Arzt. Letzterer kann so rechtzeitig ambulante Gegenmaßnahmen einleiten.

Was nützt Telemonitoring?

Inwiefern eine solche telemedizinische Betreuung die Sterblichkeit von Herzinsuffizienz-Patienten beeinflusst, untersuchte die Krankenkasse in einer internen Analyse ihres telemedizinischen Versorgungsprogrammes. „Unsere Auswertung zeigt klar: Auch über einen längeren Zeitraum hinweg betrachtet, führt die telemedizinische Betreuung von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz zu positiven Effekten", sagt Dr. Werner Wyrwich, Mediziner im Versorgungsmanagement der AOK Nordost.

Geringere Sterberate bei den telemedizinisch versorgten Patienten

In der Studie wurden insgesamt 9.472 Patienten aus dem Programm einbezogen und über mindestens ein Jahr beobachtet. Als Kontrollgruppe wurden ihnen nicht telemedizinisch betreute Herzinsuffizienz-Patienten gegenübergestellt, deren Daten zum Zweck der Abrechnung von Versorgungsleistungen bei der Krankenkasse erhoben wurden. Insgesamt gingen 17.494 Patienten in die Bewertung ein, die im Mittel 73 Jahre alt waren.

In der Gruppe der telemedizinisch betreuten Patienten starben im Beobachtungszeitraum 2.166 Personen, in der Kontrollgruppe der regulär versorgten Betroffenen wurden 3.027 Todesfälle verzeichnet. Das bedeutet eine Mortalitätsrate von 9,1 pro 100 Personenjahre in der ersten Gruppe und 13,9 pro 100 Personenjahre in der zweiten. „Wir konnten feststellen, dass die Patienten über 76 Jahre sogar noch ein wenig mehr von der Betreuung profitierten als jüngere Patienten", so Dr. Wyrwich. „Insgesamt reduzierte die telemedizinische Betreuung die Sterblichkeit im Beobachtungszeitraum um ein Drittel."

Wirkungsvollere Therapie durch Telemedizin

„Die Früherkennung von Anzeichen für eine Verschlechterung einer Herzschwäche ist außerordentlich wichtig", sagt Prof. Dr. Michael Böhm, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. „Viele Patienten nehmen Symptome wie Wassereinlagerungen in den Beinen, Abgeschlagenheit und Müdigkeit nicht ernst und reagieren zu spät. Die Evaluationsergebnisse zeigen uns, wie effektiv eine telemedizinische Betreuung der Patienten uns dabei unterstützen kann, bei Dekompensationen rasch zu reagieren und gegenzusteuern."
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.11.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V. vom 11.10.2019: Telemonitoring senkt die Sterberate bei Herzschwäche-Patienten deutlich
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