Herzinfarkt schneller und sicherer erkennen

Mit einem personalisierten Algorithmus soll ein akuter Herzinfarkt in Zukunft schneller und sicherer erkannt werden – auch wenn das Elektrokardiogramm (EKG) keine eindeutige Diagnose liefert. 

Notaufnahme Krankenhaus © iStock
(Hamburg – 24.07.2019) Patienten mit Verdacht auf akuten Herzinfarkt können zukünftig auf eine schnellere und sicherere Diagnose hoffen: Dank eines neuen auch online verfügbaren Risiko-Rechners können Kardiologen früher und sicherer abschätzen, ob tatsächlich ein Infarkt vorliegt. Entwickelt wurde die Diagnosehilfe von einem internationalen Wissenschaftlerteam unter Federführung des Herz- und Gefäßzentrums der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf.

Wie ein Algorithmus einen Herzinfarkt diagnostizieren kann

Grundlage der Diagnosehilfe sind moderne Tests, die auch sehr geringe Troponin-Konzentrationen feststellen können. Troponin ist ein Proteinkomplex, der nur im Herzmuskel vorkommt und bei Schädigungen der Muskelzellen ins Blut gelangt. „Mithilfe der gemessenen Troponin-Werte und der genauen Zeit zwischen den Messungen kann man nun unter Berücksichtigung der Art des verwendeten Bluttests ausrechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der betreffende Patient einen akuten Herzinfarkt hat. Das ist ein Novum“, sagt Dr. Johannes Neumann, Kardiologe und Studienautor der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie des Universitären Herz- und Gefäßzentrums.

Diagnose Herzinfarkt binnen einer Stunde möglich

Entscheidend für die Infarktdiagnose ist nicht mehr ein fester Grenzwert der Troponin-Konzentration im Blut, sondern das Ansteigen der Troponin-Werte während des Messzeitraums. „Wir haben das in den medizinischen Leitlinien niedergeschriebene Konzept zur Diagnose eines akuten Herzinfarkts aufgebrochen“, sagt Prof. Dr. Stefan Blankenberg, ärztlicher Leiter des Universitären Herz- und Gefäßzentrums. Für die klinische Praxis bedeutet das: Wenn bei Verdacht auf einen akuten Herzinfarkt das EKG (Elektrokardiogramm) keine eindeutigen Zeichen für einen Infarkt liefert, können Ärzte dennoch innerhalb von rund einer Stunde zu einer gesicherten Diagnose kommen, um dann die notwendigen Therapiemaßnahmen einzuleiten. Bislang konnte es passieren, dass solche Patienten bis zu zwölf Stunden warten mussten, bis die Ärzte einen Infarkt sicher diagnostizieren oder ausschließen konnten.

Weltweite Studie mit 22.000 Patienten

Das neue Konzept haben die Hamburger Forscher gemeinsam mit internationalen Kollegen in der aktuellen Ausgabe der renommierten medizinischen Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht. Es ist das Ergebnis der Datenauswertung von mehr als 22.000 Patienten aus 13 Ländern. Bei allen Patienten, die mit Verdacht auf einen Herzinfarkt in eine Notaufnahme kamen, maßen die Ärzte unmittelbar bei der Eingangsuntersuchung und bis zu dreieinhalb Stunden später jeweils mithilfe hochsensitiver Bluttests die Konzentration von Troponin I oder Troponin T. „Wir haben hier in Hamburg den Algorithmus entwickelt. Dazu haben wir die weltweiten Daten harmonisiert und dann als gemeinsamen Datensatz für die Analyse verwendet“, sagt Dr. Neumann.

Lediglich 15 Prozent der Studienpatienten hatten einen Herzinfarkt. Wenn die Ausgangskonzentrationen an Troponin gering war und die Konzentration nur wenig anstieg, war die Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt ebenfalls gering. Diese Patienten hatten zudem ein niedriges Risiko für weitere Herz-Kreislauf-Komplikationen in den kommenden 30 Tagen. Insgesamt gehörte mehr als die Hälfte aller Patienten (57 Prozent) zu dieser Niedrig-Risiko-Gruppe.

Im ersten Schritt lieferte die Studie den Wissenschaftlern wertvolle Daten zur Erstellung des Algorithmus, um im zweiten Schritt daraus einen Risiko-Rechner zu entwickeln, der künftig Ärzten bei der Entscheidung zu weiteren therapeutischen Maßnahmen die Richtung weisen kann.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 24.07.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf vom 27.06.2019: UKE: Personalisierter Algorithmus hilft Herzinfarkt schneller und sicherer zu erkennen
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