Smartwatches können Vorhofflimmern rechtzeitig erkennen

Eine Studie zeigt: Smartwatches können den Herzrhythmus überwachen, Vorhofflimmern rechtzeitig erkennen und so das Risiko für einen Schlaganfall deutlich reduzieren. Noch hakt die Technik allerdings.

Smartwatch am Handgelenk © iStock
(Berlin – 17.04.2019) Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Kommt das Herz aus dem Takt, steigt das Risiko für einen Schlaganfall. Die Einnahme von Blutgerinnungshemmern, sogenannten Antikoagulantien, kann dieses Risiko jedoch um bis zu 70 Prozent reduzieren. Das Problem jedoch ist, dass Vorhofflimmern häufig unentdeckt und damit unbehandelt bleibt, da es oft nur anfallartig auftritt und keine Beschwerden verursacht.

Wie Smartwatches Vorhofflimmern erkennen

Durch verstärkte und verlängerte Screenings des Herzrhythmus kann Vorhofflimmern rechtzeitig erkannt werden. Wissenschaftler der Universitätsmedizin Greifswald und vom Universitätsspital Basel konnten nun zeigen, dass Smartwatches den Herzrhythmus bequem und vergleichsweise günstig überwachen können.

In einer Studie haben sie an 508 Personen mit und ohne Vorhofflimmern untersucht, ob eine Smartwatch mit einer App zur Aufzeichnung des Herzrhythmus Vorhofflimmern akkurat erkennt. Ein automatischer Algorithmus analysierte anhand der Aufzeichnungen der Smartwatches, ob Vorhofflimmern auftrat. Die Ergebnisse wurden mit einem mobilen Elektrokardiogramm (EKG)-Gerät verglichen, bei dem für die Messung je zwei Finger der rechten und linken Hand auf eine Elektrode gelegt werden. Diese EKGs wurden anschließend von Ärzten ausgewertet, denen keine weiteren Informationen über die Teilnehmer vorlagen.

Es zeigte sich: Die Smartwatch erkennt Vorhofflimmern mindestens genauso gut und akkurat wie das mobile EKG. „Besonders wichtig war, dass durch die App nicht zu viele falsch-positive Befunde erhoben wurden. Also Vorhofflimmern angezeigt wurde, wenn tatsächlich keines vorlag", sagt Professor Marcus Dörr von der Universitätsmedizin Greifswald. Das würde unnötige Untersuchungen und Kosten nach sich ziehen.

Signalstörungen bei Bewegung

Allerdings gab es Probleme mit der Qualität des Signals. Meistens traten diese Störungen auf, wenn die Träger sich bewegten. Dann konnte die Smartwatch den Herzrhythmus nicht immer korrekt erfassen. In der Studie konnten die Wissenschaftler deshalb 20 Prozent der Daten nicht auswerten. „Eine mögliche Lösung könnte sein, neben der Verbesserung des Algorithmus, den Herzrhythmus nachts mehrfach automatisiert aufzuzeichnen, wenn man sich weniger bewegt", so Dörr.

Die Studie zeigte außerdem, dass eine wiederholte einminütige Aufzeichnung ausreicht, um Herzrhythmusstörungen zuverlässig zu entdecken. Wurde der Herzrhythmus länger aufgezeichnet, drei oder fünf Minuten lang, konnten keine besseren Ergebnisse erzielt werden.

Smartwatch könnte diagnostische Lücke füllen

Bevor die Smartwatch jedoch tatsächlich für ein Screening bei Risikopatienten eingesetzt werden kann, sind noch weitere größere klinische Studien nötig. Dafür läuft schon eine EU-finanzierte Studie, die untersucht, ob mit einer Smartwatch beschwerdefreies Vorhofflimmern bei Risikopatienten zuverlässig erkannt werden kann.

Herzrhythmusüberwachung heute

Derzeit bekommen Patienten mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern ein Langzeit-EKG, das den Herzrhythmus für bis zu 72 Stunden aufzeichnet. Wird in dieser Zeitspanne nichts entdeckt, kann man nach den Leitlinien theoretisch aufhören, den Herzrhythmus zu überwachen. Ist das Risiko sehr hoch, können in ausgewählten Fällen kleine implantierbare Ereignisrekorder hinter das Brustbein operativ eingesetzt werden. Eine teure und invasive Methode. Auch andere, externe Geräte zur Rhythmusüberwachung sind kostspielig und werden von den Krankenkassen nicht bezahlt. Eine Smartwatch ist hier vergleichsweise günstig und kann theoretisch von jedermann erworben werden. Sie könnte daher zukünftig die Lücke zwischen dem Langzeit-EKG und einem implantierten Gerät schließen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.04.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung e. V. (DZHK) vom 13. März 2019: Vorhofflimmern rechtzeitig erkennen dank Smartwatch
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