Organschäden durch Bluthochdruck

Bluthochdruck ist kein „Wehwehchen“. Unbehandelt kann er zu lebensbedrohlichen Krankheiten führen. Die möglichen Folgen und wie Sie vorbeugen. 

Frau misst Blutdruck © iStock
(Heidelberg – 25.03.2019) Bluthochdruck (Hypertonie) wird oft als eine Befindlichkeitsstörung abgetan. Viele Betroffene suchen deswegen gar nicht erst einen Arzt auf. Außerdem schaffen es 28 Prozent der behandelten Patienten nicht, ihren Blutdruck in den Zielbereich zu bringen. Aber: Bluthochdruck ist kein „Wehwehchen“. Viele wissen nicht, dass Bluthochdruck eine ernste, sogar gefährliche Krankheit ist, die zu irreparablen Organschäden führen kann. Jeder zweite Herzinfarkt und Schlaganfall und jedes fünfte Nierenversagen geht auf das Konto von Bluthochdruck. Darüber informierte die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL und die Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention anlässlich ihres 42. Wissenschaftlichen Kongresses „Hypertonie 2018“.

Stiller Killer

Hochdruck gilt als wichtigster Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die wiederum für die meisten Todesfälle verantwortlich sind. Eine langjährige Hypertonie kann zudem andere wichtige Organe wie die Nieren schädigen. Die mögliche Folge: lebensbedrohliche Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen.

Etwa 20 bis 30 Millionen Menschen in Deutschland haben Bluthochdruck. Und die Dunkelziffer ist hoch, weil viele Patienten nicht merken, dass sie einen dauerhaft erhöhten Blutdruck haben: Jeder Fünfte weiß nichts von seiner Erkrankung, weil sie lange Zeit keine Beschwerden verursacht. Deshalb gilt sie als „stiller Killer“. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat erhöhten Blutdruck inzwischen als größte globale Gesundheitsgefahr eingestuft. Forscher gehen davon aus, dass die Volkskrankheit Bluthochdruck aufgrund der immer älter werdenden Gesellschaft noch weiter zunimmt.

Bluthochdruck als Ursache für eine chronische Herzerkrankung

Ein erhöhter Blutdruck ist häufig die Ursache für eine chronische Herzerkrankung. Die anhaltende Hypertonie führt zur Verkalkung und Verengung der Blutgefäße (Arteriosklerose) und der Herzkranzgefäße. Es drohen Gefäßverschlüsse – die Ursache für Herzinfarkt und Schlaganfall. Durch die Arteriosklerose verengen sich auch zunehmend die Arterien und das Herz wird unter eine hohe Druckbelastung gesetzt. Die Folge: Das Herz muss übermäßig stark pumpen, um das Blut weiterhin abtransportieren zu können.

Diese starke Belastung kann das Herz meist noch für eine Weile ausgleichen. Der Herzmuskel verdickt und vergrößert sich und ist somit in seiner Funktion eingeschränkt. Auf Dauer wird das lebensgefährlich: Etwa 80 Prozent der Patienten mit Hochdruck erleiden einen Herzinfarkt und rund 50 Prozent der Schlaganfälle werden durch Hypertonie verursacht. Die Hälfte aller Herzinfarkte und Schlaganfälle ließen sich vermeiden, wenn der Blutdruck rechtzeitig gut einstellen wäre.

Nierenschaden durch Bluthochdruck

Bluthochdruck zieht auch in vielen Fällen eine Nierenschädigung nach sich. Hier setzt sich ein Teufelskreis in Gang, da eine Nierenerkrankung sowohl Ursache als auch Folge eines Hochdrucks sein kann. Das heißt: Auch geschädigte Nieren lassen den Blutdruck steigen. Bei einer terminalen Niereninsuffizienz muss der Hochdruckpatient schließlich an die Dialyse.

Dialyse aufgrund von Bluthochdruck

Laut einer Analyse des „US Renal Data System” aus dem Jahr 2013 war Bluthochdruck der zweithäufigste Grund, warum Amerikaner an die Dialyse mussten. Fast 30 Prozent davon kamen an die Dialyse aufgrund von Schädigungen der Niere, die durch Bluthochdruck verursacht wurden. In Europa liegt dieser Anteil etwas niedriger – wahrscheinlich, weil der Anteil fettleibiger Menschen geringer ist: Im Durchschnitt ist bei 15 Prozent aller europäischen Patienten Bluthochdruck die Ursache für die terminale, dialysepflichtige Nierenschädigung, bei den älteren Patienten über 65 Jahre liegt dieser Anteil bei 19 Prozent. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Registers der „European Renal Association – European Dialysis and Transplant Association“, einer internationalen Nierengesellschaft.

„Deutsche Zahlen sind allerdings nicht mit in die europäische Erhebung eingegangen, weil Deutschland als eines der wenigen europäischen Länder nicht über ein Dialyseregister verfügt. Dennoch können wir diese Zahlen guten Gewissens auch auf Deutschland übertragen, da auch das alte, seit über zehn Jahren eingestellte Dialyseregister „Quasi-Niere“ bereits ähnliche ergeben hatte. In Deutschland wird die Zahl der Dialysepatienten auf 80.000 geschätzt. Überträgt man die Daten, hätten allein 12.000 bis 15.000 dieser Dialysefälle verhindert werden können, wenn bei diesen Patienten der Bluthochdruck früh erkannt und behandelt worden wäre“, sagt Prof. Dr. med. Helmut Geiger, Frankfurt, Präsident des 42. Wissenschaftlichen Kongresses der Deutschen Hochdruckliga.

Wie Sie Bluthochdruck vorbeugen

Bluthochdruck lässt sich oft vermeiden. Denn als Hauptrisikofaktoren gelten: Bewegungsmangel, Übergewicht, ungesunde Ernährung, Stress und erhöhter Alkoholkonsum. Eine Veränderung des Lebensstils hin zu einer gesünderen Lebensweise kann den Hochdruck verringern und somit den gefürchteten Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenschädigungen vorbeugen. Funktioniert das nicht, müssen zusätzlich Blutdrucksenker eingenommen werden. Derzeit ist rund die Hälfte aller Menschen mit Bluthochdruck in Deutschland unwissend, nicht behandelt beziehungsweise nicht ausreichend behandelt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 25.03.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutsche Hochdruckliga vom 22.11.2018: Mit Hochdruck auf Herz und Niere – wie viele Organschädigungen Bluthochdruck wirklich macht
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