Depression bei Herzschwäche

Menschen mit Herzschwäche entwickeln häufig Depressionen. Klassische Antidepressiva sind dann aber oft ungeeignet. Was stattdessen hilft.

Frau traurig zuhause © iStock
(Frankfurt am Main – 06.03.2019) Nach aktuellen Schätzungen leiden mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland an einer Herzschwäche. Je schwerer die Herzschwäche ist, umso mehr Patienten werden depressiv.

Herzschwäche (Herzinsuffizienz) beeinflusst die Psyche

Luftnot, Abnahme der Leistungsfähigkeit, Müdigkeit und Wassereinlagerungen in den Beinen: Herzschwäche (Herzinsuffizienz) schränkt bei vielen Betroffenen massiv die Lebensqualität ein. „Zu den körperlichen Beschwerden kommen häufig psychische Probleme wie Depression, Angst und eine verringerte geistige Leistungsfähigkeit. Mindestens ein Viertel der Patienten mit Herzschwäche hat nicht nur depressive, sondern auch ängstliche Symptome", sagt Prof. Dr. med. Thomas Meinertz vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Klassische Antidepressiva sind bei Patienten mit Herzschwäche häufig nicht geeignet oder weniger wirksam als bei Depressionen ohne körperliche Einschränkungen.

Viele Antidepressiva sind für Herzpatienten ungeeignet

Bei vielen herzgesunden Menschen mit Depression sind Antidepressiva gut wirksam. „Liegt eine Herzschwäche vor, ist besonders kritisch zu prüfen, ob Antidepressiva eingenommen werden sollten", sagt Prof. Dr. med. Stefan Störk, Leiter der Klinischen Forschung am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz am Universitätsklinikum Würzburg. Insbesondere die sogenannten trizyklischen Antidepressiva sollten wegen vegetativer Nebenwirkungen sowie der Gefahr von Herzrhythmusstörungen und einer Steigerung der Infarkthäufigkeit bei Herzkranken möglichst vermieden werden. Sogenannte Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) sind da besser verträglich, können aber ungünstige Wechselwirkungen mit manchen Herzmedikamenten haben. Neuere Studien, die Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer mit einem Scheinmedikament verglichen, haben zudem gezeigt, dass SSRI bei vielen Patienten mit symptomatischer Herzschwäche – wie übrigens auch bei anderen chronischen körperlichen Erkrankungen, wie der Niere – depressive Symptome nicht mildern.

Was bei Herzschwäche gegen Depression hilft

Warum Antidepressiva bei Herzschwächepatienten schlechter zu wirken scheinen als bei Herzgesunden, ist noch nicht abschließend erforscht. Möglich ist, dass die Depressionsursachen bei schweren chronischen Krankheiten wie der Herzschwäche andere sind als bei körperlich gesunden Menschen. Dennoch gibt es auch für Menschen mit Herzschwäche gute Möglichkeiten, die depressiven Symptome zu behandeln.

Psychotherapie, vor allem kognitive Verhaltenstherapie in Kombination mit regelmäßiger körperlicher Aktivität, kann oft sowohl die Stimmung als auch die Lebensqualität von Herzpatienten verbessern", sagt Prof. Dr. med. Christiane E. Angermann vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz am Universitätsklinikum Würzburg. „Durch die kognitive Verhaltenstherapie können im Gespräch mit dem Therapeuten negative Denkmuster und Einstellungen sowie Defizite in der Wahrnehmung abgebaut werden." Körperliches Training verbessert die Durchblutung in Gehirn und Muskulatur und stärkt dadurch die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit von Herzpatienten. „All das wirkt sich auch günstig auf die Depression und deren Symptome wie verminderte Konzentrationsfähigkeit und Schlaflosigkeit aus."

Außerdem profitieren Menschen mit Herzschwäche und Depressionen von einer optimalen Dosierung der Herzmedikamente und von gezielt auf die Herzschwäche zugeschnittenen multidisziplinären Betreuungsprogrammen.

So erkennen Sie eine Depression

Nicht immer wird die Depression bei Herzpatienten frühzeitig erkannt. Das kann sich wiederum negativ auf die Herzschwäche auswirken, denn depressive Menschen halten sich oftmals weniger genau an Therapieempfehlungen, essen häufig unvernünftig oder bewegen sich zu wenig. Umso wichtiger ist es, dass Ärzte und Patienten auf psychisch bedingte Begleitsymptome besonders achten.

Als Hauptsymptome einer Depression gelten:
  • Anhaltend gedrückte, depressive Stimmung
  • Interessenverlust, Freudlosigkeit
  • Antriebsmangel
  • Erhöhte Ermüdbarkeit

Daneben können weitere Symptome wie Schlaflosigkeit, verminderte Konzentration oder Schuldgefühle auftreten. Trotzdem kann die Depression von Ärzten und sogar von den Betroffenen leicht übersehen werden, da eben auch die Herzerkrankung selbst mit ähnlichen Symptomen, nämlich Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Antriebslosigkeit und häufig auch Schlafstörungen einhergeht.

Selbsttest Depression

Je früher eine Depression erkannt und die komplexen Wechselwirkungen mit der Herzschwäche bei der Behandlung nach den individuellen Bedürfnissen jedes Patienten berücksichtigt werden, umso besser stehen die Chancen, wieder gesünder und leistungsfähiger zu werden und mehr Lebensqualität zurück zu gewinnen. Dieser Selbsttest gibt eine erste Orientierung, ob Sie an einer Depression erkrankt sein könnten. Fällt er positiv aus, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.03.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung vom 10.12.2018: Schwere Last: Depression bei Herzschwäche
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