Wie Ballaststoffe unser Herz schützen

Verzehren wir Ballaststoffe, stellen Darmbakterien daraus die Fettsäure Propionsäure her. Eine neue Studie an Mäusen zeigt: Die Substanz schützt vor den Folgen von Bluthochdruck wie Arteriosklerose oder Gewebeumbau des Herzens.

Junge Frau frühstückt © iStock

Ballaststoffe und Darmbakterien

(Berlin – 21.01.2019) Der Mensch ist nicht nur, was er isst. Unser Wohlbefinden hängt auch von den Darmbakterien ab. Denn sie stellen aus der Nahrung essenzielle Mikronährstoffe, wie Vitamine her. Aus den Ballaststoffen in der Nahrung stellen nützliche Darmkeime unter anderem Propionsäure her – eine Fettsäure über die es nun neue Erkenntnisse gibt.

Die kurzkettige Fettsäure Propionsäure, deren Rückgrat aus nur drei Kohlenstoffatomen besteht, schützt vor den schädlichen Folgen von Bluthochdruck. Das fand ein Berliner Forschungsteam vom Experimental and Clinical Research Center, eine gemeinsame Einrichtung von Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin, heraus. Ihre Studie erschien vorab online im Fachjournal Circulation.

Wie Propionsäure vor den Folgen von Bluthochdruck schützt

Die Forscher verfütterten Propionsäure an Mäuse mit erhöhtem Blutdruck. Die Tiere hatten anschließend weniger ausgeprägte Herzschäden oder krankhafte Vergrößerungen des Organs und waren in der Folge weniger anfällig für Herzrhythmusstörungen. Auch Gefäßschäden wie Arteriosklerose gingen bei den Mäusen zurück. „Propionsäure wirkt gegen ein Spektrum an bluthochdruckbedingten Schädigungen des Herz-Kreislaufsystems“, sagt Arbeitsgruppenleiter Professor Dominik Müller vom Max-Delbrück-Centrum. „Interessant könnte das vor allem für die Behandlung von Patienten werden, die zu wenig von dieser Fettsäure haben.“

„Erst durch unsere Studie ist klar geworden, dass die Substanz den Umweg über das Immunsystem nimmt und so auf Herz und Gefäße einwirkt“, sagen Dr. Nicola Wilck und Hendrik Bartolomaeus vom Experimental and Clinical Research Center. Insbesondere werden jene T-Helferzellen, also Immunzellen, die entzündliche Prozesse befeuern und Bluthochdruck mitverursachen beruhigt.

Dies wirkt sich unmittelbar etwa auf die Leistungsfähigkeit des Herzens aus. So konnte das Forschungsteam bei 70 Prozent der unbehandelten Mäuse durch einen gezielten elektrischen Reiz Herzrhythmusstörungen auslösen. Waren die Mäuse mit der Fettsäure behandelt, war lediglich ein Fünftel der Tiere dafür anfällig. Weitere Untersuchungen mit Ultraschall, Gewebeschnitten oder Einzelzellanalysen zeigten, dass Propionsäure auch blutdruckbedingte Schäden am Herz-Kreislauf-System der Tiere verminderte und ihre Überlebensrate wesentlich steigerte.

Schalteten die Forscher jedoch einen bestimmten Subtyp der T-Zellen, sogenannten regulatorische T-Zellen, im Körper der Mäuse aus, verschwanden die positiven Effekte der Propionsäure. Die Immunzellen sind also für den heilsamen Effekt der Substanz unabdingbar. Ein zweites Tiermodell vom Universitätsklinikum Düsseldorf bestätigte diese Befunde.

Propionsäure als Medikament

„Bisher war nicht geklärt, welche Fettsäure für die positiven Effekte verantwortlich ist und wie sie wirkt“, sagt Dr. Wilck. Durch die Studie ergeben sich nun neue Wege in der Therapie von Herzkreislauferkrankungen. „Vielleicht ist es sinnvoll, Propionsäure oder eine chemische Vorstufe direkt als Medikament zu verabreichen“ –  etwa, wenn die Betroffenen selbst zu wenig davon im Blut haben.

Im Klinikalltag muss sich Propionsäure noch bewähren. Daher möchte das Forschungsteam nun menschliche Probanden untersuchen. Dass die Propionsäure sicher für den menschlichen Konsum ist und kostengünstig herstellbar, steht bereits fest: Die Substanz wird seit Jahrhunderten benutzt, etwa als Konservierungsmittel. Sie ist als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. „Unter diesen günstigen Voraussetzungen schafft die Propionsäure hoffentlich schnell den Sprung vom Labor zu den Betroffenen“, sagt Dr. Wilck.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 21.01.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft vom 13.12.2018: Wie Ballaststoffe und Darmbakterien den Herz-Kreislauf schützen
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