Vorhofflimmern: Wenn das Herz aus dem Takt ist

Es rast, stockt, stolpert – das Herz. Vorhofflimmern kann Herzschwäche und einen Schlaganfall auslösen. Die Ursachen, wie Sie sich schützen und die Herzrhythmusstörung behandelt wird.

Frau bekommt Herzinfarkt © iStock
(Frankfurt am Main – 16.11.2018) „Vorhofflimmern ist eine ernst zu nehmende Herzrhythmusstörung, die unbemerkt und unbehandelt lebensbedrohlich für Herz und Gehirn werden kann, bis hin zu Herzschwäche und Schlaganfall. Das zu verhindern, muss Vorhofflimmern frühzeitig vom Arzt diagnostiziert und konsequent behandelt werden“, sagt Prof. Dr. med. Dietrich Andresen, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

In Deutschland haben über 1,8 Millionen Menschen Vorhofflimmern, es verursacht pro Jahr rund 35.000 Schlaganfälle. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, bei den über 80-Jährigen leiden etwa 15 Prozent darunter. Aus diesem Grund informiert die Deutsche Herzstiftung unter dem Motto „Herz außer Takt – Vorhofflimmern und Gerinnungshemmung“ im November in einer bundesweiten Kampagne über die Erkrankung.

Symptome und bei welchen Beschwerden Sie den Arzt aufsuchen sollten

Bei Vorhofflimmern ist das Herz meist völlig außer Takt. Der erste Anfall kann mit heftigen Schlägen bis in den Hals hinauf, Druckgefühl im Brustkorb und einer ungewohnten Luftnot bei leichten Tätigkeiten wie Treppensteigen auftreten. Betroffene verspüren eine plötzliche Unruhe, wenn das Herz völlig unregelmäßig und schnell mit einem Puls von bis zu 160 Schlägen pro Minute rast, selten auch schneller. Die chaotische Herzschlagfolge kann aber auch mit einer normalen Herzfrequenz einhergehen, also zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute.

Häufige Anzeichen „sind Herzstolpern und Herzrasen verbunden mit innerer Unruhe, Angst, einer Neigung zu schwitzen, Atemnot und Leistungsschwäche“, sagt Andresen. „Allerdings sind bei Herzpatienten, deren angeschlagenes Herz die Rhythmusstörung schlechter verträgt, Atemnot, Brustschmerzen und Schwindel besonders häufig. Bei diesen Symptomen sollte man sofort den Arzt aufzusuchen!“ Er kann mit einem EKG, Langzeit-EKG oder Ereignis-Rekorder klären, ob das Herzstolpern eine harmlose Unregelmäßigkeit des Herzschlags ist oder ob Vorhofflimmern vorliegt, das zum Schlaganfall führen kann.

Vorhofflimmern kann Schlaganfall auslösen

Durch den unregelmäßigen Herzschlag können sich im Herzohr – einer Ausbuchtung im Herzvorhof – Blutgerinnsel bilden. Wenn diese ausgeschwemmt werden und mit dem Blutstrom in den Kopf gelangen, verstopfen sie ein Hirngefäß. Je größer das verstopfte Gefäß, desto schwerer die Schäden. Das kann von Lähmungen bis hin zum Tod reichen. „Der Schlaganfall ist die größte Gefahr, die vom Vorhofflimmern ausgeht. Ein besonders hohes Risiko haben Alte und herzkranke Patienten“, sagt Andresen. „Um sie vor Schlaganfall zu schützen, müssen daher konsequent gerinnungshemmende Medikamente – ,Blutverdünner‘ – gegeben werden.“

Tückisch ist, dass Vorhofflimmern bei mehr als jedem zweiten ohne Symptome oder Beschwerden auftritt und dadurch oft lange Zeit unbemerkt bleibt. Manchmal erfahren Patienten mit einer Herzschwäche oder einem Schlaganfall erst im Krankenhaus, dass ein – bislang unbemerktes – Vorhofflimmern dafür verantwortlich ist. Vor allem bei älteren Personen wird Vorhofflimmern oft per Zufallsbefund festgestellt. Das ist problematisch, denn Schlaganfälle, die durch Vorhofflimmern ausgelöst werden, verlaufen besonders schwer.

Wie Sie unregelmäßigen Herzschlag feststellen

Um unregelmäßigen Herzschlag festzustellen, können Sie wiederholt den eigenen Puls tasten, den Blutdruck messen oder eine Handy-App verwenden, die Pulsunregelmäßigkeiten feststellen kann. Allerdings sollte die App nur der Orientierung dienen, eine sichere Diagnose kann nur ein Arzt stellen. Besonders Herzkranke und Personen ab 60 sollten bei Routinekontrollen beim Arzt den Herzschlag durch Pulsmessung prüfen lassen.

Die Ursache erkennen und behandeln

Wenn Vorhofflimmern nur ein- bis dreimal im Monat auftritt, ist es häufig sinnvoll, zunächst nur die Ursache der Rhythmusstörung zu behandeln. Die Grunderkrankung ermitteln Kardiologen mithilfe von Blutdruckmessung, Laborwerten, EKG/Belastungs-EKG und Herzecho. Am häufigsten – etwa in 70 Prozent der Fälle – ist Bluthochdruck die Ursache von Vorhofflimmern. Weitere Ursachen sind: koronare Herzkrankheit (KHK), Herzschwäche (Herzinsuffizienz), Klappenerkrankungen, Übergewicht, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen, COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) und Schlafstörungen (Schlafapnoe-Syndrom).

„Diese Grunderkrankungen sind konsequent mit Medikamenten und einem gesunden Lebensstil zu behandeln: mit Ausdauertraining je 20 bis 30 Minuten drei bis fünfmal die Woche, Abnehmen bei Übergewicht, gesunder Ernährung und Rauchverzicht.“, sagt Prof. Dr. med. Andreas Götte vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Chefarzt der Kardiologie am St. Vincenz-Krankenhaus in Paderborn. Zudem gibt es bestimmte Reize bei Herzkranken, aber auch bei Gesunden, die Vorhofflimmern auslösen können. Dazu gehören: Alkohol (mehr als 36 Gramm – das entspricht mehr als zwei Gläsern Wein pro Tag), Schlafentzug, extremer Stress, Rauchen, starker Koffeinkonsum und opulente Mahlzeiten. Außerdem können erbliche Neigungen und Störungen des Salzhaushalts (Elektrolyte) mit einem Mangel von Kalium und Magnesium Vorhofflimmern begünstigen.

Therapie von Vorhofflimmern: Katheterablation

Vorhofflimmern wird durch elektrische Störimpulse aus den vier Lungenvenen (Pulmonalvenen), die in den linken Vorhof münden, ausgelöst. Wenn Patienten, die bereits Rhythmusmedikamente (Antiarrhythmika) einnehmen unter Atemnot, Herzrasen oder Leistungsschwäche leiden, ist eine Katheterablation sinnvoll. Mit „Feuer“ (Hochfrequenzstromablation) oder „Eis“ (Kryoablation) werden gezielt Herzzellen verödet. Durch diese Verödungszonen beziehungsweise Narben entstehen elektrische Barrieren zwischen den vier Lungenvenen und dem linken Vorhof. Sie verhindern, dass Vorhofflimmern auftritt und aufrecht erhalten bleibt. „Die Katheterablation gilt in erfahrenen Zentren als sicheres Verfahren: Bei rund 95 Prozent der Patienten treten keine wesentlichen Komplikationen auf. Aber der Eingriff ist nicht ohne Risiken“, sagt Prof. Dr. med. Gerhard Hindricks vom Wissenschaftlichen Beirat der Herzstiftung und Leiter der Abteilung für Rhythmologie am Herzzentrum Leipzig.

Wenn Vorhofflimmern lange Zeit besteht, kann das zu einer Herzschwäche führen. Neueste Studien zeigen, dass auch hier die Katheterablation aber auch der operative Eingriff zur Behandlung von Vorhofflimmern erfolgversprechend sein kann.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.11.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung vom 23.10.2018: Herz stolpert oder rast: Wie schützt man sich vor Vorhofflimmern und seinen Gefahren?
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