Herzinfarkt: emotionaler Stress als Auslöser

Trauer, Mobbing, Streit: Emotionaler Stress belastet das Herz und erhöht das Herzinfarktrisiko. Was in solchen Fällen im Körper abläuft und wie Sie stressbedingte Herzinfarkte vermeiden.

Trauriger Mann vorm Fenster © iStock
(Düsseldorf – 15.10.2018) Enorme psychische Belastungssituationen steigern das Herzinfarktrisiko nicht nur bei Patienten mit bereits bestehender koronarer Herzerkrankung, sondern auch bei Patienten ohne nachgewiesene Vorerkrankung an den Herzkranzgefäßen. Die Gründe, die verschiedenen Arten von Herzinfarkten sowie Therapie und Prävention stressbedingter Herzinfarkte.

Emotionaler Stress führt zu Alarmreaktion des Körpers

Emotional aufwühlende Ereignisse führen zu einer Alarmreaktion des Körpers: Die Stresshormone und das sympathische Nervensystem werden aktiviert. Das wirkt sich negativ auf das Herz-Kreislaufsystem aus. Die Herzleistung steigt an, der Herzmuskel benötigt mehr Sauerstoff, der Herzschlag beschleunigt. Herzmuskel und Gefäße werden stark belastet, denn die Gefäße verengen sich als Reaktion auf die Stresssituation und es kommt zu einer kritischen Blutdrucksteigerung. Weiße Blutkörperchen werden aktiviert und immer mehr Blutplättchen verkleben. „All diese Faktoren zusammen und viele andere zelluläre Phänomene erklären gut, warum es bei Stress leichter zu einem Herzinfarkt kommen kann. Das betrifft besonders häufig die Patienten, die schon eine bestehende koronare Herzkrankheit haben, aber es kann auch Menschen betreffen, die keine nennenswerte Erkrankung an den Herzgefäßen haben.“, sagt Prof. Dr. med. Hugo Katus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.

Situationen, die das Herz besonders belasten

Extreme Stresssituationen reichen von einem Trauerfall in der Familie bis hin zum Mobbing am Arbeitsplatz. Besonders auffallend ist, dass der stressbedingte Herzinfarkt vor allem von emotionaler Belastung ausgelöst wird, die durch zwischenmenschliche Probleme entstanden ist. „Der übliche Alltagsstress wie eine verpasste Straßenbahn ist dabei lange nicht so relevant wie zwischenmenschlicher Stress, beispielsweise mit Arbeitskollegen, dem Partner oder der Familie.“, sagt Prof. Dr. med. Christiane Waller, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie-Arbeitsgruppe Psychosoziale Kardiologie.

Herzinfarktarten: der klassische Herzinfarkt

Ein Herzinfarkt kann viele Ursachen haben. Der klassische Herzinfarkt entsteht durch eine vorbestehende Erkrankung der Herzkranzgefäße und einen Verschluss des Herzkranzgefäßes durch eine Gerinnselbildung an einer arterioskleotischen Ablagerung (Typ 1-Herzinfarkt).

Herzinfarkt durch Sauerstoffschuld

Bei 20 bis 30 Prozent aller Herzinfarkte finden sich keine Verschlüsse von Herzkranzgefäßen. Hier entsteht eine kritische Sauerstoffschuld – also ein Mangel an Sauerstoff – im Herzmuskel, da er nicht ausreichend durchblutet wird. Die Kardiologie spricht dann von einem Typ 2-Herzinfarkt. Auch bei diesem Infarkt sind die Angina pectoris Beschwerden und viele klinische Befunde mit einem klassischen Herzinfarkt, der durch einen kompletten Gefäßverschluss bedingt ist, identisch.

Herzinfarkt durch emotionalen Stress

Rätsel geben die Patienten auf, deren Herzkranzgefäße trotz Herzinfarkt keinerlei kritische Engstellen aufweisen. Die Ursache für den Infarkt bei diesen Patienten ist noch nicht geklärt, könnte aber in einer Verkrampfung der Gefäße (Spasmus) liegen. Dieses Phänomen wird als MINOCA bezeichnet. Eine besondere Ursache für eine herzinfarktähnliche akute Erkrankung ist das Broken Heart Syndrom. Bei circa zwei bis drei Prozent aller Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt wird diese Erkrankung gefunden. Sie ist genauso lebensbedrohlich wie ein Herzinfarkt. Die Erkrankung, die besonders häufig bei Frauen in der Post-Menopause zu beobachten ist, wird auch Tako-Tsubo-Syndrom oder Stress-Kardiomyopathie genannt. Auslöser sind häufig extreme emotionale Belastungen aber auch lebensbedrohende Situationen.

Mehr Herzinfarkte während der Fußball-WM

Die Sterblichkeitsrate bei den unterschiedlichen Herzinfarkttypen ist im Wesentlichen vergleichbar. Allerdings: „Registerdaten nach Situationen mit hoher Stressbelastung – wie zum Beispiel nach Erdbeben – zeigen, dass die durch Stress getriggerten Herzinfarkte mit mehr Komplikationen und größeren Herzinfarkten einhergehen.“, sagt Prof. Dr. Katus. Unklar ist allerdings, ob Herzinfarkte – je nach Auslösesituation – unterschiedliche Sterblichkeitsraten haben.  

Auch weniger existenzieller Stress kann das Risiko für Herzinfarkt erhöhen. So zeigten Kardiologen aus München, dass es während der Fußball-Weltmeisterschaftsspiele der deutschen Mannschaft signifikant mehr Herzinfarkte gab.

Therapie und Prävention stressbedingter Herzinfarkte

Die akute Behandlung stressbedingter Herzinfarkte unterscheidet sich nicht von typischen Herzinfarkten. Allerdings sollten Fachärzte die auslösenden psychosomatischen Faktoren insbesondere bei der Nachsorge der Betroffenen beachten, damit sie entsprechende Maßnahmen zur Stressreduktion vornehmen können. Welche das sind, hängt von den individuellen Bedürfnissen des Einzelnen ab. „Die einen bauen Stress ab, indem sie sich körperlich betätigen. Diesen Patienten raten wir dann zu sportlichen Aktivitäten, während andere Patienten eher Ruhe benötigen. Besonders beliebt sind derzeit Tai Chi, Chi Gong oder achtsamkeitsbasierte Verfahren als Entspannungstechniken. Vielen hilft aber auch einfach das Lesen eines guten Buchs.“, sagt Dr. Waller.  

Generell gilt: Eine gesunde Lebensweise ist äußerst wichtig für die Prävention kardiovaskulärer Ereignisse. Dazu gehört auch ein bewusster Umgang mit Stresssituationen. Denn Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Todesursache Nummer eins in Europa.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 15.10.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V. vom 28.09.2018: Herzinfarkt: Emotionaler Stress als Auslöser unterschätzt
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