Leitlinie empfiehlt Kombipräparate zur Blutdrucksenkung

Eine Tablette mit zwei bis drei Wirkstoffen. Das empfiehlt die neue europäische Leitlinie zur Behandlung von Bluthochdruck. Die Vor- und Nachteile dieser Medikamente.

Blutdrucksenker © iStock
(Heidelberg – 12.09.18) Es ist eine Neuerung mit großer Bedeutung für die klinische Praxis: Die neue Leitlinie empfiehlt sogenannte Fixdosis-Kombinationen – auch „single pill combinations“ genannt. Das sind Tabletten, die zwei bis drei blutdrucksenkende Substanzen enthalten.

Einzelsubstanzen haben in der Behandlung von Bluthochdruck ausgedient

Medikamente mit nur einem Wirkstoff werden in der Behandlung von Bluthochdruck zukünftig nicht mehr empfohlen. „Die medikamentöse Therapie soll nun primär als Zweifach-Kombinationstherapie aus ACE-Hemmern oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB) und Kalziumantagonist oder Thiaziddiuretikum erfolgen, die Monotherapie hat als Erstlinientherapie ausgedient“, sagt Prof. Dr. Bernhard K. Krämer Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® und der Deutschen Gesellschaft für Hypertonie und Prävention e.V.

Behandlungsalltag in Deutschland

Der Behandlungsalltag sieht in Deutschland momentan noch anders aus: Die Kombinationspräparate machen derzeit nur rund 15 Prozent der verschriebenen Blutdrucksenker aus, der Großteil der Patienten wird mit Einzelsubstanzen behandelt und muss bei Bedarf bis zu drei verschiedene Blutdrucksenker einnehmen. Der Grund: Präparate mit einer Mehrfachkombination sind derzeit oft teurer als die Einzelwirkstoffe.

Vor- und Nachteile der Mehrfachpräparate

„Es gibt viele Studien, die zeigen, dass die Therapietreue mit der Anzahl der Tabletten, die eingenommen werden müssen, abnimmt. Werden Mehrfachkombinationen verschrieben, kann das die Zahl der Patienten, die eine erfolgreiche und anhaltende Blutdrucksenkung erreichen, erhöhen. Mehrfachkombinationen mögen zwar teurer sein, aber sie können helfen, viele Schlaganfälle, Herzinfarkte und andere Folgekomplikationen zu verhindern“, sagt Professor Krämer. „Kombinationspräparate haben darüber hinaus den Vorteil, dass mehrere Wirkstoffe in einer Tablette zum Teil in niedrigerer Dosierung kombiniert werden, was die Tabletten in der Regel nebenwirkungsärmer macht.“

Außerdem: Die Mehrkosten für die Kombinationsmedikamente zahlen sich langfristig aus. „Derzeit werden Milliarden ausgegeben, um Folgeerkrankungen von Bluthochdruck zu therapieren. Wir glauben, dass es sich lohnt, von vornherein etwas mehr in eine effizientere Bluthochdrucktherapie zu investieren, die teure Folgekomplikationen verhindern kann.“

Jeder zweite ist nicht ausreichend gut behandelt

Derzeit ist die Hälfte aller Menschen mit Bluthochdruck in Deutschland nicht beziehungsweise nicht ausreichend behandelt. Mögliche Konsequenz: Folgeerkrankungen von Bluthochdruck – wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenkrankheit, Erblindung oder Demenz. „Wir müssen alles daransetzen, dass mehr Menschen mit Bluthochdruck erfolgreich behandelt werden“, sagt Professor Dr. Peter Trenkwalder, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga. „Ein Weg dahin ist der Einsatz von Mehrfachkombinationspräparaten.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 12.09.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Hochdruckliga vom 27.08.2018: Neue Europäische Leitlinie empfiehlt Kombipräparate zur Blutdrucksenkung
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