Menschen mit Migräne haben ein erhöhtes Risiko für Gefäßerkrankungen

Im Kopf hämmert der Schmerz, vor den Augen flirrt es – ein Migräneanfall. Nun ergaben zwei aktuelle Studien und die Auswertung älterer Studien, dass Betroffene zudem ein erhöhtes Risiko für Gefäßerkrankungen, wie Schlaganfall oder Herzinfarkt haben.

Frau hat Migräne © iStock
(München – 06.08.2018) Man sieht sie nicht, man spürt sie nur – und das extrem. Betroffene von Migräne leiden sehr. Zudem haben sie ein erhöhtes Risiko einen Schlaganfall, Herzinfarkt  oder eine venöse Thrombose zu erleiden. Frauen mit Aura – das sind Sehstörungen wie flimmernde Blitze oder Gesichtsfeldausfälle – sind besonders gefährdet.

Migräne: Deutschlands häufigste neurologische Erkrankung

Etwa ein Fünftel aller Frauen und acht Prozent der Männer sind in Deutschland von Migräne betroffen – die Kopfschmerzerkrankung ist die häufigste neurologische Erkrankung im Land. Die Merkmale von Migräne sind: heftige, häufig einseitige Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Zwar gibt es eine Vielzahl wirksamer Medikamente, doch viele Betroffene werden – laut einer Umfrage der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft – nicht oder nicht ausreichend behandelt.

Haben Personen mit Migräne ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall?

Wissenschaftler stellen sich derzeit die Frage, ob Menschen mit Migräne häufiger von zerebro- und kardiovaskulären Ereignissen – also von krankhaften Geschehen in den Blutgefäßen in Gehirn und Herz –  betroffen sind als andere. Hinweise darauf hatten in den vergangenen Jahren mehrere Untersuchungen an ausgewählten Bevölkerungsgruppen ergeben, die nun auch durch zwei große Studien aus den USA und Dänemark bestätigt wurden.

Studienauswertung: Aufbau und Ergebnisse

„Die größte bisher publizierte Metaanalyse zum Zusammenhang zwischen zerebro- und kardiovaskulären Erkrankungen mit Migräne stützt sich auf die Daten von 16 Studien.“, sagt Dr. med. Charly Gaul, Generalsekretär der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Untersucht wurden knapp 400.000 Betroffene und etwa 750.000 gesunde Personen. Betrachtet man alle vaskulären Ereignisse zusammen, so war das Risiko der Personen mit Migräne um 42 Prozent erhöht. Im Speziellen war das Risiko für einen Schlaganfall um 41 Prozent und für Herzinfarkte um 23 Prozent erhöht. Allerdings war, je nachdem von welcher Form der Migräne die Person betroffen war, das Risiko unterschiedlich hoch: Etwa ein Drittel der Betroffen erlebten bei ihren Anfällen eine Aura. Sie hatten ein um 56 Prozent höheres Risiko für Schlaganfälle. Und während die Sterblichkeit an Krankheiten aller Art in der gesamten Migränegruppe nicht höher war als bei der Kontrollgruppe, galt dies nicht für die Migräne mit Aura. Die Gesamtsterblichkeit dieser Personen war um 20 Prozent erhöht.  

Zu ähnlichen Ergebnissen kam die Studie aus Dänemark. Dort verglichen Wissenschaftler die Daten von 50.000 Betroffenen, über einen Zeitraum von bis zu 19 Jahren, mit denen von 500.000 Personen ohne Migräne.

Keine Sorge, aber Vorsicht: vor allem bei Frauen mit Aura

„Von dem erhöhten Risiko sollten sich Patienten nicht verängstigen lassen, denn die absolute Zahl der Ereignisse ist relativ gering.“, sagt Prof. Dr. Hans-Christoph Diener von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Allerdings sollten insbesondere Frauen mit häufiger Migräne mit Aura auf Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht werden. „Frauen mit häufigen Migräneattacken mit Aura sollten nach ihren vaskulären Risikofaktoren befragt und diese dann konsequent behandelt werden. Von besonderer Bedeutung sind hier das Rauchen und die orale hormonelle Kontrazeption (Anm: Einnahme der „Pille“).“, sagt Diener.

Migräne erfolgreich behandelt: Senkt das das Risiko für vaskuläre Ereignisse?

Ob durch eine wirksame Behandlung der Migräne auch das Risiko für Gefäßkrankheiten gesenkt werden kann, ist noch nicht bekannt. „Um dies nachzuweisen, müssten Studien mit einer Beobachtungszeit von mehr als zehn Jahren durchgeführt werden“, sagt Gaul.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.08.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Gemeinsame Presseinformation der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) vom 02. Juli 2018: Studien belegen: Migränepatienten besitzen erhöhtes Risiko für Gefäßkrankheiten
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