Sind Hochdruckmedikamente für Potenzstörungen verantwortlich?

Viele Männer mit Bluthochdruck leiden unter einer erektilen Dysfunktion. Sie wird im Allgemeinen nicht durch die Medikamente ausgelöst, sondern ist eine Folge weiterer Gesundheitsstörungen.

Niedergeschlagener Mann. © iStock
(Heidelberg – 09.07.2018) Eine aktuelle Studie besagt, dass Potenzstörungen nicht durch Hochdruckmedikamente ausgelöst werden, sondern eine Folge weiterer Gesundheitsstörungen ist.

Zuversicht in der Deutschen Hochdruckliga

Männer mit Bluthochdruck machten oft die Hochdruckmedikamente für ihre nachlassende Erektionsfähigkeit verantwortlich. Und tatsächlich in der Vergangenheit gab es Berichte, nach denen einige Wirkstoffe – zum Beispiel Betablocker, Diuretika, Kalziumantagonisten, ACE-Hemmer oder AT1-Blocker – die Potenz mindern. Inzwischen gibt es jedoch neue Erkenntnisse: „Wir sind heute zuversichtlich, dass zumindest die Mehrzahl der Hochdruckmedikamente die männliche Potenz nicht gefährden“, sagt Bernhard Krämer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga. „Bei den meisten der Patienten ist nicht nur der Blutdruck zu hoch, sondern auch Blutfette, Blutzucker und Körpergewicht.“, sagt Professor Krämer. Eine weitere Komponente dieses sogenannten metabolischen Syndroms kann bei Männern eine erektile Dysfunktion sein.

Die Studienergebnisse

Zur gleichen Einschätzung kommt eine aktuelle Analyse der HOPE-3-Studie. Die Studie hatte die Wirksamkeit von zwei Blutdruckmedikamenten – dem AT1-Blocker Candesartan und dem Diuretikum Hydrochlorothiazid – und einem Cholesterinsenker – Rosuvastatin – bei mehr als 12.000 Menschen untersucht. Für die Fragestellung, ob Hochdruckmedikamente für Potenzstörungen verantwortlich sind, wurden 2153 männliche Teilnehmer untersucht – sie waren Beginn der Studie durchschnittlich 61,5 Jahre alt und 58 Prozent wiesen eine erektile Dysfunktion auf. Außerdem hatten sie neben einem erhöhten Blutdruck weitere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie erhöhtes Cholesterin, einen gestörten Blutzuckerstoffwechsel, Übergewicht und/oder Rauchen. 

Weder unter der Behandlung mit den Hochdruckmedikamenten noch mit dem Cholesterinsenker kam es häufiger zum Auftreten einer neuen erektilen Dysfunktion als in den Vergleichsgruppen, in denen die Patienten nur Placebos erhalten hatten. „Aufgrund der Größe der Studie und der Behandlungsdauer von 5,6 Jahren, bestätigen die Ergebnisse, dass eine Blutdrucksenkung durch Hochdruckmedikamente im Allgemeinen keine Potenzstörungen auslöst“, sagt Professor Trenkwalder, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga. 

Das gilt insbesondere für die in der Studie untersuchte Kombination AT1-Blocker/Thiaziddiuretikum, aber aufgrund früherer Untersuchungen wohl auch für ACE-Hemmer, andere AT1-Blocker und Kalziumantagonisten. Ohne negative Effekte scheinen auch selektive Betablocker und der gefäßerweiternde Betablocker Nebivolol zu sein.

„Das ist natürlich ein enttäuschendes Ergebnis der Studie“

Allerdings verhinderten die Medikamente nicht das Neuauftreten einer erektilen Dysfunktion. „Wir hatten natürlich gehofft, dass eine Normalisierung von Blutdruck und Cholesterin die Patienten genauso vor einer erektilen Dysfunktion bewahrt, wie sie vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützt“, sagt Professor Trenkwalder. Zur Behandlung von Erektionsstörungen gibt es verschiedene Arten der Therapie – zum Beispiel mit Medikamenten.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 09.07.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Hochdruckliga vom 12.03.2018: Hochdruckmedikamente nicht für Potenzstörungen verantwortlich.
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