Sport bei Rhythmusstörung

Menschen, die an Herzrhythmusstörungen leiden, müssen nicht zwangsläufig auf Sport verzichten – allerdings ist nicht jede Sportart für sie geeignet.

Älterer Mann beim Sport © iStock
(Berlin – 10.11.2017) Für Menschen, die an einer Herzrhythmusstörung leiden, stellt sich die Frage, ob sie mit dieser Erkrankung Sport treiben dürfen – und wenn ja, welche sportliche Betätigung für sie geeignet ist. Worauf Freizeitsportler mit diesem Herzproblem achten müssen und warum eine Herzerkrankung kein Grund sein muss, auf sportliche Betätigung zu verzichten.

Sporttauglichkeit hängt von der Form der Erkrankung ab

Es hängt von der genauen Form der Erkrankung ab, ob es für Patienten mit einer Herzrhythmusstörung förderlich ist, Sport zu treiben. Ob Bewegung den Gesundheitszustand der Betroffenen verbessert oder verschlechtert, kann nach eingehender Untersuchung mit Elektrokardiogramm (EKG), 24-Stunden-EKG und – wenn nötig – zusätzlicher Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) eingeschätzt werden. „Freizeitsportler sollten sich vor allem dann kardiologisch untersuchen lassen, wenn sie den Verdacht haben, dass sie an einer Herzrhythmusstörung leiden. Das bedeutet, dass sie entweder bereits Symptome verspürt haben oder es in ihrer Familie Personen mit dieser Erkrankung gibt“, sagt Prof. Peter Seizer, Rhythmologe und Kardiologe am Universitätsklinikum Tübingen. Der Experte kann in den meisten Fällen Entwarnung geben: „Der Großteil der Herzrhythmusstörungen von Freizeitsportlern ist zwar unangenehm, aber relativ harmlos.“

Eine Rhythmusstörung ist in der Regel dann ungefährlich, wenn sie für sich allein steht, „nur“ eine Art Kurzschlussbahn des Kreislaufs ist oder auf Vorhofebene auftritt. Diese Erkrankungen können bei Hobbysportlern jeden Alters und jeder Sportart vorkommen, sind aber gut behandelbar. Allerdings müssen Sportler mit bestimmten anfallsartigen, eigentlich harmlosen Herzrhythmusstörungen darauf achten, welche Sportart sie wählen: „Betroffene sollten Sportarten vermeiden oder nur unter Aufsicht ausüben, bei denen eine kurze Bewusstseinsstörung fatale Folgen haben könnte – etwa Klettern, Schwimmen, Tauchen, Skifahren, Radfahren, Reiten oder Motorradfahren“, so der Kardiologe.

Auf Anzeichen achten

Oft sind schon vor dem erstmaligen Auftreten von Herzrhythmusstörungen Alarmsignale vorhanden. „Die Patienten berichten aber zumeist erst davon, wenn schon dramatische Symptome auftreten“, sagt Seizer. Bei älteren Patienten ist etwa die Angina pectoris ein klassisches Symptom. Herzrhythmusstörungen werden von den Betroffenen zwar oft bemerkt, aber ignoriert. „Vor allem Männer gestehen sich die Symptome nicht ein oder glauben, dass sie sich nur etwas überbeansprucht haben. Sie sollten sich aber unbedingt untersuchen lassen.“

Geklärt werden muss auch, ob die Rhythmusstörung ein Anzeichen für eine nicht bemerkte folgenschwere Herzerkrankung ist. Herzrhythmusstörungen, die lebensbedrohlich werden können, entstehen aus einer nicht erkannten strukturellen Herzerkrankung. „Besonders gefährlich wird es, wenn ehrgeizige Hobbyathleten mit einer schweren unerkannten Herzerkrankung eine Sportart mit Wettbewerbscharakter betreiben – etwa Fußball. Denn dann versuchen sie oft, das Letzte aus sich herauszuholen und über ihre Grenzen zu gehen“, so der Experte.

Unerkannte strukturelle Herzerkrankungen treten bei Patienten auf, die genetisch bedingt eine Störung im Aufbau der Herzmuskulatur haben. Das betrifft vor allem die rechte Herzkammer – es kann aber auch sein, dass die Herzwand zu dick wird. „Patienten mit einer strukturellen Herzerkrankung sollten außergewöhnliche Belastungen meiden und keinen Leistungssport ausüben“, sagt Seizer. Nach eingehender Voruntersuchung und bei Beschwerdefreiheit empfiehlt der Experte jedoch auch diesen Patienten leichte körperliche Belastungen. „Ich rate den meisten trotz ihrer Erkrankung Sport zu betreiben, denn selbst bei Menschen mit Herzschrittmachern oder eingebauten Defibrillatoren wirkt sich Sport günstig auf die Gesundheit aus.“ Die Sportausübung sollte jedoch nur nach genauen Anweisungen, im geeigneten Ausmaß und in einem geschützten Rahmen erfolgen.

Auch bei Herzschwäche ist Sport ein wichtiges Element der Therapie

„Sport und körperliche Aktivität sind auch essenzielle Bestandteile in der Vorsorge und Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz“, Prof. Dr. Frank Edelmann, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. So kann körperliche Aktivität einen wichtigen Beitrag dazu leisten, das Auftreten einer Herzschwäche um bis zu 50 Prozent zu reduzieren. „Selbst wenn es zu einer Herzschwäche kommt, kann diese bei vorher Aktiven milder verlaufen“, so der Kardiologe. „Bei Patienten, die an einer Herzschwäche leiden, haben bereits zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche einen wichtigen Effekt auf die Prognose – außerdem kann schon nach kurzer Zeit die Leistungsschwäche und die Lebensqualität deutlich verbessert werden. Auch wichtige Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus können mithilfe eines körperlichen Trainings besser behandelt beziehungsweise eingestellt werden.“ Wichtig sei dabei, dass solche Trainings- und Aktivitätsprogramme auf den jeweiligen Patienten individuell zugeschnitten werden, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen und eine potenzielle Gefährdung zu vermeiden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 10.11.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung: Sport auch mit Herzrhythmusstörungen
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung