Herz und Darmgesundheit

Bei Herzschwäche kommen wichtige Bakteriengruppen im Darm seltener vor. Unklar ist jedoch, ob die Herzkrankheit Folge oder Ursache ist.

Frau legt die Hände auf ihren Bauch © iStock
(Berlin – 11.07.2017) Schon länger ist bekannt, dass Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und Darmgesundheit miteinander verknüpft sind: So ist der Darm bei einer Herzschwäche schlechter durchblutet, die Darmwand verdickt und durchlässiger, wodurch Bakterien und bakterielle Bestandteile ins Blut gelangen können. Außerdem ist nach aktuellem Stand der Forschung bei anderen Zivilisationskrankheiten wie Diabetes mellitus Typ 2 die Zusammensetzung der Darmbakterien verändert.

Vor diesem Hintergrund haben Forscher vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) untersucht, ob und wie sich die Darmflora bei Patienten mit einer Herzschwäche verändert. Dafür haben sie die Darmbakterien aus Stuhlproben von gesunden Menschen und Patienten mit Herzschwäche analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass bei Herzschwächepatienten signifikant weniger unterschiedliche Bakterien im Darm vorkommen als bei gesunden Kontrollpersonen. Einzelne wichtige Bakterienfamilien sind stark reduziert. Noch ist unklar, ob die Darmflora als Folge der Herzschwäche verändert ist oder ob sie eventuell auch ein Auslöser für diese Erkrankung sein könnte.

Ernährung, Medikamente und Rauchen beeinflussen die Darmflora

„Natürlich beeinflussen auch andere Faktoren die Zusammensetzung unserer Darmbakterien. Man weiß, dass sich die Darmflora eines Veganers, der anfängt Fleisch zu essen, innerhalb von drei Tagen verändert“, erklärt PD Dr. Mark Lüdde vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Deshalb haben die Kieler Forscher die Ernährungsgewohnheiten vorher abgefragt. Personen mit einer extremen Diät – zum Beispiel einer veganen Ernährung – haben sie nicht für ihre Untersuchung zugelassen, sondern für beide Gruppen Probanden ausgewählt, die sich mit Fleisch und Gemüse ernähren.

Neben der Ernährung wirken sich auch Medikamente auf die Darmflora aus. Daher war es wichtig, dass auch die Kontrollgruppe Arzneimittel eingenommen hat, die Patienten mit einer Herzschwäche routinemäßig nehmen müssen. Antibiotika durften seit mindestens drei Monaten nicht mehr verabreicht worden sein. Ebenso waren in beiden Gruppen Raucher vertreten. Alle Teilnehmer kamen aus derselben Region und Alter, Geschlechterverteilung sowie Body-Mass-Index (BMI) waren in beiden Gruppen gleich.

Ist die Krankheit Folge oder Auslöser?

Das beobachtete Muster der reduzierten Bakteriengattungen und -familien scheint sehr charakteristisch für die Herzschwäche zu sein, weshalb diese Ergebnisse Ansatzpunkte für neue Therapien sein könnten. So kamen die Abweichungen zwischen gesunden Probanden und Patienten mit Herzschwäche hauptsächlich durch den Verlust von Bakterien der Gattungen Blautia und Collinsella zustande, sowie durch zwei bislang unbekannte Gattungen, die zu den Familien Erysipelotrichaceae und Ruminococcaceae gehören.

Andere Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass das Vorkommen von Blautia Entzündungen eindämmt. Die Gattung Faecalibacterium wird ebenfalls mit entzündungshemmenden Mechanismen in Verbindung gebracht. Sie ist auch – aber nicht nur – bei Patienten mit Herzinsuffizienz verringert. Da Herzschwäche von einer chronischen Entzündung begleitet wird, ist eine Theorie, dass die Darmflora selbst die systemische Entzündung fördert. Allgemein nehmen Wissenschaftler zurzeit eher an, dass sich die Darmflora als Konsequenz aus der Herzschwäche verändert.  

Lüdde und seine Kollegen halten es aber für plausibel, dass ein verändertes bakterielles Profil auch ein Risikofaktor oder früher Krankheitsmarker für die Herzschwäche sein könnte. Dafür spricht, dass ein Stoffwechselprodukt von Darmbakterien – das sogenannte Trimethylamin-N-oxid (TMAO) – vor Kurzem als ein unabhängiger Risikofaktor für die Sterblichkeit bei Herzschwächepatienten beschrieben wurde. Jetzt sind weitere Untersuchungen geplant, um die Frage nach Ursache und Wirkung bei der veränderten Darmflora von Herzschwächepatienten zu klären. Daraus erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse darüber, wie eine Herzschwäche entsteht und verläuft.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 11.07.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung: Herzschwäche geht mit dem Verlust wichtiger Darmbakterien einher
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